Rems-Murr-Kreis

Im Krieg gelten für Verkehrskameras andere Regeln: Was gilt jetzt und warum?

Verkehrskameras B14, Anschlussstelle Süd. Im RMK überwachen mehrere Verkehrskameras, was auf den Straßen geschieht. Bild von ein
Zurzeit nur für den internen Gebrauch aktiv: Verkehrskameras. © Buettner Benjamin

Das Thema ist viel zu ernst, als dass Witze angebracht wären, doch mutet die Vorstellung reichlich skurril an: In Moskau starrt ein Militärberater Putins auf den Bildschirm und schaut, wer momentan auf der B 14 am Kappelbergtunnel Richtung Endersbach unterwegs ist.

Theoretisch wär’ das kein Problem, weil Aufnahmen der Verkehrskameras via Internet sämtlichen Interessierten der Welt zugänglich sind. Praktisch funktioniert’s momentan nicht. Der Grund: Die Behörden haben wegen des Krieges in der Ukraine den öffentlichen Zugriff auf die Bilder gekappt. Die Verkehrskameras an deutschen Straßen sind zwar weiter in Betrieb, doch nur noch ausgewählte Personen können die Aufnahmen sehen. „Behördenintern“ würden die Videobilder nach wie vor genutzt, etwa zur „Unterstützung oder Sicherstellung verkehrlicher oder betrieblicher Abläufe“, informiert eine Sprecherin des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV). „Zu gegebener Zeit“ werde entschieden, wie lange die Webcam-Bilder noch für die Öffentlichkeit verborgen bleiben. Die Sprecherin wirbt um Verständnis, „dass ein Zeitpunkt aktuell nicht genannt werden kann“.

Bilder sind bereits seit 3. März nicht mehr sichtbar

Bereits seit Donnerstag, 3. März, sind Bilder der Verkehrskameras an Straßen in Baden-Württemberg „nicht mehr öffentlich zugänglich“, heißt es in einer Antwort des baden-württembergischen Verkehrsministeriums auf eine Anfrage dieser Zeitung. Das BMDV habe seinerzeit mit Verweis auf die „aktuelle sicherheitspolitische Lage“ darum gebeten, die Bilder nicht mehr im Internet zu zeigen. Konkret ging es um vermehrte „Aktivitäten von sicherheitspolitisch relevanten Akteuren im Straßenraum“. Will heißen: Man muss es den Russen ja nicht direkt auf die Nase binden, wer oder was so alles in Richtung Ukraine unterwegs ist.

Sicher ist sicher, doch sicher ist auch: Interessierte Kreise werden andere Mittel und Wege kennen, um an Informationen heranzukommen. Tausende Satelliten schwirren kreuz und quer über der Erde. Findige Stöberer holen aus dem Internet Informationen ans Licht, welche andere Leute lieber für immer im Dunkeln belassen hätten.

Trotzdem. Wer früher gern einen Blick auf die Kamerabilder geworfen hatte, um einen Eindruck vom Stau am Kappelbergtunnel zu erhalten, muss jetzt auf anderer Basis entscheiden, ob das Auto staubedingt lieber in der Garage bleibt oder nicht. Ein Trost: Alle anderen Infos, welche die Straßenverkehrszentrale tagaus, tagein öffentlich macht, sind uneingeschränkt weiter verfügbar. Auf verkehrsinfo-bw.de ist verzeichnet, mit welcher „Verlustzeit“ zum jeweiligen Zeitpunkt auf welcher Straße zu rechnen ist. Wer sich für „Straßenwetter“ interessiert, wird ebenfalls fündig: An der Anschlussstelle Ludwigsburg-Nord der A 81 beispielsweise lag die Windgeschwindigkeit am Freitagnachmittag um 14.52 Uhr bei 0,5 Meter pro Sekunde, während die „Fahrbahntemperatur“ der A 7 bei Aalen-Westhausen um dieselbe Zeit mit 33 Grad rund zehn Grad höher lag als die Lufttemperatur.

Wann gibt’s Schwertransporte? Wo sind P+M-Parkplätze?

Man findet Informationen zu Schwertransporten in diesem Portal, Infos zu Baustellen, Hinweise auf eine zu bildende Rettungsgasse, Lkw- sowie P+M-Parkplätze. Das sind verkehrsgünstig gelegene große Parkplätze, auf welchen sich Mitfahrgemeinschaften treffen können: P steht für Parken, M für Mitfahren.

Wo beispielsweise an der B 14 überall Verkehrskameras installiert sind, lässt sich ebenfalls leicht herausfinden, wenngleich zurzeit nur ein Kamerasymbol mit rotem Sperrzeichen zu sehen ist. An der Anschlussstelle Untertürkheim, am Kappelbergtunnel und an der Anschlussstelle Waiblingen-Süd sind Kameras installiert, jeweils in beiden Richtungen. „Aufgrund der aktuellen Sicherheitslage werden derzeit keine Bilder von Verkehrskameras angezeigt“, ist unter den Symbolen vermerkt: „Vielen Dank für Ihr Verständnis.“

Das Thema ist viel zu ernst, als dass Witze angebracht wären, doch mutet die Vorstellung reichlich skurril an: In Moskau starrt ein Militärberater Putins auf den Bildschirm und schaut, wer momentan auf der B 14 am Kappelbergtunnel Richtung Endersbach unterwegs ist.

Theoretisch wär’ das kein Problem, weil Aufnahmen der Verkehrskameras via Internet sämtlichen Interessierten der Welt zugänglich sind. Praktisch funktioniert’s momentan nicht. Der Grund: Die Behörden haben wegen des Krieges

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