Rems-Murr-Kreis

In Coronazeiten versuchen sich viele Menschen in der Hühnerhaltung - Wie geht das?

Huhn Küken Hühner Symbol Symbolbild Symbolfoto
Symbolfoto. © Alexandra Palmizi

Der Trend geht zu eigenen Hühnern. Immer mehr finden Gefallen am lieben Federvieh. Wie bringt man sie gut durch die kalte Jahreszeit? Ein paar Tipps für die Hobbyhühnerhaltung können helfen.

Das Huhn geht um. Vielmehr: Es scharrt sich in unsere Herzen. Auch im Kreis kommen immer mehr Privatleute aufs Huhn. Nachhaltigkeitsgedanken spielen eine Rolle, aber auch die Wertschätzung fürs Tier könnte steigen, hoffen Kleintierzüchter.

Jennifer Schweder aus Schorndorf ist sehbehindert und seit diesem Jahr frohe Hühnerhalterin: „Immer wieder habe ich mich mit der Tierhaltung in Massenbetrieben beschäftigt und hatte ich ein sehr ungutes Gefühl gehabt, Eier zu kaufen, ohne zu wissen, wie es dem Huhn geht, dessen Eier ich verspeise.“ Sie wollte mehr über Hühner wissen, sammelte Infos - dann war es um sie geschehen, der Wunsch, „irgendwann mal eigene Hühner“ zu halten, sei konkret geworden. Corona sei zum Anschieber geworden: Den Lockdown im Frühjahr nutzten sie und ihr Mann für Planung und Bau des Hühnerstalls, in dem jetzt sechs Hühner-„Mädels“ leben, die alle einen Namen hätten und für sie keine Eierproduzenten seien. Wenngleich es verständlicherweise ihre Kinder kaum erwarten könnten, nach Eiern zu schauen.

Hühner werden schnell zutraulich - das macht viel Freude

„Es macht so viel Freude, ihnen beim Scharren, Fressen, Sandbaden und Herumlaufen zuzusehen.“ Schnell seien sie „so zutraulich geworden, dass sie zu uns gerannt kommen, in der Hoffnung, von uns einen Leckerbissen zu bekommen“. Um auch per Smartphone nach den Hühnern zu schauen, hätten sie für Volière und „Schlafhäuschen“ Kameras installiert. „Sehr spannende Tiere, mit ganz vielen instinktiven Verhaltensweisen.“

Keiner habe ihnen erklären müssen, wo sie ihre Eier abzulegen haben, und dennoch lasse sich täglich eins aus dem raschelnden Stroh und Heu klauben. Sie beobachte die Hühner bei ihrem allabendlichen Gang ins Schlafhäuschen, pünktlich bei Einbruch der Dunkelheit, obwohl sie in der Volière auch Sitzstangen hätten. „Hühner sind in der Dämmerung und Dunkelheit blind und deshalb suchen sie sich den sichersten Ort, um sich in der Nacht vor Fressfeinen zu schützen.“ Die verschiedenen Charaktere „echter“ Freilandhühner seien faszinierend: „Mir wurde bewusst, dass die meisten Hühner, die für die Produktion gehalten werden, niemals ihre Instinkte und Verhaltensweisen ausleben dürfen.“

Alexandra Stiltz aus Rudersberg hält seit drei Jahren Hühner im eigenen Garten, darunter auch Seidenhühner. Um ihre Hühnerfamilie um die Rasse „Cream Legbar“ zu erweitern, hat sie vor einiger Zeit befruchtete Eier in den Brutautomaten gesetzt und im heimischen Keller 61 Küken „ausgebrütet“.

„Hühner sind nicht nur Nutztiere, Sie kommunizieren regelrecht mit den Menschen, die ihnen vertraut sind, und lassen sich auch auf den Arm nehmen.“ Es gebe Rassen, die sich ideal für Kinder als Haustiere eignen und sogar noch das ein oder andere Ei legen. Auch ohne Einzäunung seien Hühner ausgesprochen stallnahe Wesen: „Sie laufen nicht weit weg und kehren abends immer zurück.“ Verbunden mit der eigenen Hühnerhaltung sei ihr Anspruch, die Massen-Nutzhuhnhaltung „wenigstens um den eigenen Verbrauch von Frischeiern“ zu reduzieren. Außerdem liege es in der eigenen Hand, wie die eigenen Hühner gefüttert werden, was auch den Geschmack und das Aussehen der Eier beeinflussen könne.

Hühnerhaltung ist kein Hexenwerk

Viele wissen, dass Alexandra Stiltz Mitglied im Kleintierzuchtverein Urbach ist, und wenden sich ratsuchend an sie: „Ich freue mich sehr, wenn ich sie davon überzeugen kann, dass die Hühnerhaltung kein Hexenwerk ist. Einmal mit der Hühnerhaltung begonnen, sind alle überglücklich mit ihren Tieren und bleiben dem Hobby viele Jahre treu. Sollte es Bedenken geben wegen der Urlaubsplanung, kann in den Kleintierzuchtvereinen nach einer Urlaubsbetreuung gefragt werden.“

Den Trend zur Hühnerhaltung merken viele Ortsvereine. Roland Knödler, Vorstand der Welzheimer Kleintierzüchter, wird häufiger angerufen. „Die Leute interessieren sich vermehrt für gesündere Lebensmittel und vertrauen nicht der Agrarindustrie, die sich immer mehr vom bäuerlichen Anbau und Viehhaltung wegbewegt.“

Interessenten jeglichen Alters, tendenziell viele junge Familien mit Kindern, die einen Garten haben, informieren sich bei den Kleintierzüchtern über deren züchterische Arbeit. „Sie möchten wissen, welche alten und gefährdeten Hühnerrassen erworben werden können und ob die Vereine gegen Newcastle impfen.“ Die verstärkte Nachfrage zeichne sich seit dem ersten Lockdown ab im Frühjahr - „da hatten die Leute auf einmal mehr Zeit“. Seltener seien Fragen nach der Art der richtigen Fütterung und Haltung. „Da habe ich den Eindruck, dass sich die Leute diese Infos aus dem Internet holen.“

Bewussterer Umgang mit dem Lebensmittel Fleisch

Knödler begrüßt das steigende Interesse, das aus seiner Sicht auch durch diverse Foren und Zeitschriften verbreitet wird. „Die Leute lernen, was ein gutes Ei wert ist, und erfahren, dass Tiere dieses Lebensmittel erzeugen und nicht der Discounter.“ Dies könnte Impulse für mehr Verantwortung und Umgang gegenüber dem Tier setzen. „Sofern ein Tier als Suppenhuhn endet, wird vielleicht über einen bewussteren Umgang mit dem Lebensmittel Fleisch nachgedacht. Dieses Fleisch liegt nicht nur in der Folie verpackt im Laden, sondern hier wurde ein Tier geschlachtet.“

Er sei nicht immer sicher, inwieweit neue Halter über die artgerechte Hühnerhaltung Bescheid wissen und dies umsetzen können. Man brauche eine Urlaubsvertretung. „Kürzlich hatte ich eine Anfrage, ob man die Tiere auch bei Schnee in den Auslauf entlassen kann.“

An einigen Schulen eröffnen Hühner als Teil der schuleigenen Ganztagesbetreuung vielfältige Lernfelder. Den aktuell zehn Hühnern, die sich im Schulgarten der Hohbergschule in Plüderhausen tummeln, geht es laut Information von Rektor Jürgen Groitzsch „ausgezeichnet“.

Zwischen fünf und zehn Ganztageskinder sind täglich rund um das Gehege beschäftigt. Sie schneiden Salatblätter und Karotten klein und verabreichen den Hühnern das für sie schmackhafte Mahl. Außerdem seien Hühner eine schöne Beschäftigung, da bleibt das Handy gern mal liegen: „Die Kinder halten sich sehr gerne im Gehege auf und beschäftigen sich, soweit es die Hühner zulassen, auch mit den Tieren.“

Der Trend geht zu eigenen Hühnern. Immer mehr finden Gefallen am lieben Federvieh. Wie bringt man sie gut durch die kalte Jahreszeit? Ein paar Tipps für die Hobbyhühnerhaltung können helfen.

Das Huhn geht um. Vielmehr: Es scharrt sich in unsere Herzen. Auch im Kreis kommen immer mehr Privatleute aufs Huhn. Nachhaltigkeitsgedanken spielen eine Rolle, aber auch die Wertschätzung fürs Tier könnte steigen, hoffen Kleintierzüchter.

Jennifer Schweder aus Schorndorf ist sehbehindert

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