Rems-Murr-Kreis

In welche Richtung steuert die CDU? - Zwei Männer und eine Frau wollen Joachim Pfeiffers Nachfolge im Bundestag antreten

CDU
Der CDU Rems-Murr steht eine spannende Wahl bevor. © Benjamin Büttner

Drei wollen’s werden, und es wird hart gekämpft hinter den Kulissen: Die CDU Rems-Murr muss nach Joachim Pfeiffers Abgang einen neuen Kandidaten, eine Kandidatin küren, der oder die für den Wahlkreis Waiblingen bei der Bundestagswahl antritt.

Mit einer derart illustren Kandidatenschar hatte es die CDU selten zu tun. Diesen Freitag, 19 Uhr, stellen sich die Kandidaten online vor. Die Auszählung der Briefwahl ist auf den 4. Juni terminiert. Erst vor kurzem bekundete ein dritter Kandidat sein Interesse; die beiden anderen werben schon eine Weile länger parteiintern für sich. Es treten Stand heute an:

Thomas Eisenbarth

Ein Mann aus der Wirtschaft, Daimler-Beschäftigter in leitender Position mit reichlich Auslandserfahrung, in der Partei praktisch unbekannt, wie er selbst einräumt, verheiratet, zwei Kinder: Thomas Eisenbarth aus Fellbach-Oeffingen, 54 Jahre, ist katholisch, ausgestattet mit einem ausgeprägten Faible für Innovationsmanagement und klarer Gegner einer „Weiter-so“-Politik „mit bekannten und verdienten Gefolgsleuten aus dem inneren Parteikreis“.

Eisenbarth scheut sich nicht, der CDU die Leviten zu lesen: Die Partei müsse „von innen heraus moderner“ werden, habe in all den Jahren manches versäumt oder falsch aufgezäumt. Jetzt braucht es jemanden, so Eisenbarth, der von außen kommt, die Dinge unbefangen anpackt und „mit der Wirtschaft auf Augenhöhe tanzt“, ohne sich ihr völlig unterzuordnen.

Christina Stumpp

Eine umtriebige Schafferin, Steuer- und Wirtschaftsrechtlerin, tief verwurzelt in Hegnach und im Kreis, sozialisiert in einem landwirtschaftlichen Betrieb, evangelisch, berufserfahren in Verwaltung und Ministerien, Regionalrätin und fokussiert auf den Dialog mit der Bürgerschaft, verheiratet, ein Kind:

Christina Stumpp, 33, wird im Falle ihrer Nominierung entschlossen das Direktmandat anvisieren, will für „eine junge, zukunftsorientierte und bodenständige Politik, nah am Menschen“ stehen, die Belange der kleinen und mittelständischen Unternehmen in den Fokus rücken und sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen.

Sie will präsent sein im Wahlkreis für den Fall ihrer Wahl, sich für Menschen einsetzen, die Angehörige pflegen, einem festen CDU-Wertefundament treu bleiben und zugleich für eine frische, moderne CDU eintreten.

David Müller

Ein Mann der Kirche durch und durch, evangelisch, als ehemaliger Kreisgeschäftsführer in der CDU vernetzt bis in alle Verästelungen, verheiratet, vier Kinder:

David Müller, 48, aus Winnenden ist seit Jahren in Parteigremien von der Orts- bis zur Bundesebene aktiv, ist Landesvorsitzender des evangelischen Arbeitskreises der CDU, als Gesamtelternbeiratsvorsitzender engagiert, einem traditionellen Werteverständnis verpflichtet, gelernter Bankkaufmann und aktuell beruflich für eine Stiftung für Religionsfreiheit und zivile Konfliktprävention im Nahen Osten tätig.

Er wirbt in Videopodcasts mit dem Titel „90 Sekunden Hoffnung“ für sich und seine Sache. „Rund um Christ und Politik“ spricht David Müller mit Interviewpartnern etwa darüber, wie „unter dem Schutz Gottes“ politisch verantwortliches Handeln gelingt.

David Müller bewarb sich kurz nach Pfeiffers Rückzug

In dieser Aufzählung sind die Kandidaten in umgekehrter Reihenfolge genannt, den Eingang ihrer Bewerbung betreffend: David Müller war der Schnellste. Sehr kurz nach Joachim Pfeiffers Rückzug befand er sich am Start – derart schnell, so hört man es raunen, dass eine schon etwas längere Vorbereitung auf den großen Tag wahrscheinlich erscheint.

Christina Stumpp ließ sich etwas Zeit, telefonierte kreuz und quer durch die Partei, um ihre Chancen auszuloten, bevor sie offiziell ihren Hut in den Ring warf. Erst vor kurzem ging Thomas Eisenbarth an den Start.

Eine Wahl mit Auswahl

Jetzt also drei Kandidaten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Wettbewerb belebt das Geschäft. Der CDU steht statt braven Abnickens einer Dauerkandidatur wie früher nun eine echte Wahl bevor, und die Verschiedenheit der Kandidaten steht irgendwie auch für die Zerrissenheit der von Affären gebeutelten und von Corona arg geforderten CDU. Keine andere Partei müht sich so sehr, einen überaus anspruchsvollen Spagat hinzulegen: Flugs Klimaschutzthemen besetzen, um Wählerwanderung zu den Grünen zu verhindern, gleichzeitig im eher rechten Spektrum attraktiv bleiben, um an dieser Ecke nicht noch mehr Stimmen zu verlieren – und parallel Corona-Frust aushalten, der sich gegen die CDU-Entscheider auf Bundesebene richtet.

Die CDU-Mitglieder treffen mit ihrer Nominierung für den Wahlkreis Waiblingen nun auch eine Richtungsentscheidung: Werden Sie eine junge Frau zwei Männern mittleren Alters vorziehen? Unfair, aber in der Realität wohl unumgänglich: Sollte Christina Stumpp das Rennen machen, wird man ihr einen Frauenbonus in die Schuhe schieben, den sie selbst in keiner Weise für sich reklamiert.

Oder werden konservative Kräfte siegen, die das „C“ in der CDU viel stärker betont sehen wollen, in einem wörtlicheren, nicht allein symbolträchtigen Sinne? Sollte David Müller als CDU-Bundestagskandidat den Wahlkreis Waiblingen vertreten, dürfte das als klares Votum für eine vertiefte Orientierung am traditionellen christlichen Werteverständnis gelten.

Schließlich Thomas Eisenbarth: Wie zu hören ist, scheinen einige Mitglieder der CDU Rems-Murr die Kandidatur eines Außenseiters zu begrüßen, der lange Zeit nicht im Geringsten parteiintern in Erscheinung getreten ist. Auch das lässt tief blicken und auf den Wunsch nach Erneuerung schließen.

Drei wollen’s werden, und es wird hart gekämpft hinter den Kulissen: Die CDU Rems-Murr muss nach Joachim Pfeiffers Abgang einen neuen Kandidaten, eine Kandidatin küren, der oder die für den Wahlkreis Waiblingen bei der Bundestagswahl antritt.

Mit einer derart illustren Kandidatenschar hatte es die CDU selten zu tun. Diesen Freitag, 19 Uhr, stellen sich die Kandidaten online vor. Die Auszählung der Briefwahl ist auf den 4. Juni terminiert. Erst vor kurzem bekundete ein dritter Kandidat

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