Rems-Murr-Kreis

Insekten und Amphibien: Im Rems-Murr-Kreis drohen heimische Arten auszusterben

Kammmolch
Als „Wasserdrachen mit Rückenkamm“ beschreibt der Nabu liebevoll den Kammmolch: Diese heimische Tierart gilt inzwischen als gefährdet, heißt es beim Landratsamt. © pixabay

Für Aufruhr im Rems-Murr-Kreis sorgte in den vergangenen Monaten die Nosferatu-Spinne. Immer wieder fassen Tiere bei uns Fuß, die ursprünglich aus anderen Weltregionen stammen. Doch es gibt ein viel größeres Problem: Viele heimische Amphibien- und Insekten-Arten sind vom Aussterben bedroht. Woran liegt das? Und was können wir dagegen tun?

Alarmsignal für die Tierschützer

Die giftige, aber im Grunde ungefährliche Nostferatu-Spinne – sie wurde im Herbst erstmals im Rems-Murr-Kreis gesichtet, unter anderem in Geradstetten, Beutelsbach und Rommelshausen – kommt nicht alleine: Zum Beispiel auch die Asiatische Hornisse ist dabei, sich in Deutschland einzunisten; an Rems und Murr wurde sie bislang allerdings noch nicht nachgewiesen. Oder die ursprünglich aus Afrika stammende Gottesanbeterin: Jahrhundertelang war sie in Deutschland so gut wie nicht zu sichten, mittlerweile hat sie sich in vielen Bundesländern etabliert, auch in Baden-Württemberg.

Das ist das eine. Das andere: Laut dem Naturschutzbund Nabu wurden in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland 34 Amphibien-Arten ausgerottet, und die Biomasse der Insekten ging um 75 Prozent zurück. Ein Alarmsignal für alle Tierschützer, da die Tiere wichtige Aufgaben in unserem Ökosystem erledigen. Insekten bestäuben etwa Blüten und fressen Schädlinge. Amphibien dienen als Nahrungsquelle für größere Tiere.

Warum sind so viele Amphibien-Arten in Gefahr? Uwe Hiller vom Landratsamt Rems-Murr erläutert die derzeitige Situation im Landkreis: „Hier gibt es zwölf Arten, und bei allen nimmt der Bestand aktuell ab. Besonders gefährdet sind der Kammmolch und die Wechselkröte.“

Waschbären fressen ungezählte Amphibien

Er nennt verschiedene Gründe für den Rückgang des Tierbestandes. „Ein Problem sind die Waschbären!“ Sie „leben hier fast überall und stellen eine große Gefahr dar.“ Schätzungsweise könne ein Waschbär nämlich bis zu 600 Amphibien pro Jahr fressen. Der Waschbär selbst ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie schnell sich eine fremde Tierart an die Bedingungen vor Ort anpasst und die Natur durcheinanderbringt. 1934 wurden in Hessen zwei Waschbärenpaare ausgesetzt, heute wird vermutet, dass der Bestand in Deutschland sich auf mehr als eine Million vergrößert hat. Die kleinen Säugetiere sind immer öfters auch in Städten aufzufinden. Dort suchen sie in Mülltonnen nach Essensresten oder dringen sogar bis in die Küchen vor.

Eine weitere Gefahr für Amphibien ist der Verkehr. Viele Tiere werden täglich überfahren. Oft führen beispielsweise ihre Wanderwege zu den Laichgewässern über große Straßen. Den Amphibien bleibt also keine Möglichkeit, außer das Risiko auf sich zu nehmen.

Weltweit verbreiten sich mittlerweile sogenannte Chytridpilze. Diese befallen die Haut der Tiere, was meist zum Tod führt. Laut Uwe Hiller gibt es die Pilze hier noch nicht. Trotzdem empfiehlt er vor dem Betreten eines Amphibien-Gewässers, Handschuhe anzuziehen und die Schuhe zu desinfizieren, so bringt man die Tiere nicht unnötig in Gefahr.

Bei den Insekten sieht die Lage derzeit nicht besser aus. Weltweit gibt es mehr als eine Millionen Arten, in Deutschland sind etwa 33 000 heimisch. Hiller erkennt auch bei den Insekten verschiedene Gründe für den Rückgang.

Tödliches Gift: Insekten sterben

Als Problem nennt er, unter anderem, die intensivierte Landwirtschaft: Große Flächen werden mit Pestiziden besprüht. Das Gift tötet viele Insekten. Die monotone Bewirtschaftung von Äckern hat eine geringere Pflanzenvielfalt zur Folge. Somit gibt es weniger Nahrung für die Tiere.

Auch vom Klimawandel bleiben die Insekten nicht verschont. Die wärmeren Temperaturen bringen ihren Rhythmus durcheinander. Schmetterlinge beispielsweise wachen normalerweise aus ihrer Winterruhe auf, wenn die Pflanzen, die sie fressen, gerade blühen. Aufgrund der höheren Temperaturen blühen die Pflanzen nun aber schon viel früher. Die milden Winter sorgen auch dafür, dass Krankheitserreger besser überleben können und somit mehr Tiere infiziert werden.

„Insekten sind stark auf ein Gebiet konzentriert“, ergänzt Amphibienexperte Hiller. „Die Zerschneidung von Gebieten durch den Straßenbau ist ein großes Problem für sie“. Die Tiere verlieren so etwa den Zugang zu wichtigen Nahrungsquellen.

Immerhin, eine gute Nachricht gibt es: Jeder kann helfen, die Tiere zu schützen, egal ob zu Hause oder in einem Ehrenamt. Hiller erklärt: „Es gibt verschiedene Möglichkeiten zu unterstützen, etwa bei Straßenüberquerungen und bei den Kartierungen.“

Krötenwanderung beginnt im Frühjahr

Kröten erwachen aus ihrer Winterstarre, wenn es nachts nicht mehr kälter als fünf Grad wird. Das geschieht meistens im März. Dann beginnt die Krötenwanderung, bei der die Tiere sich auf den Weg zu ihrem alten Laichgewässer machen, um sich dort fortzupflanzen. Damit sie vor den Autos geschützt sind, bauen freiwillige Helfer an den Straßenseiten Schutzzäune auf und vergraben Eimer in der Erde. Morgens und abends werden die Stellen kontrolliert, die Amphibien dann in den Eimern über die Straße getragen.

Die Landesweite Artenkartierung (LAK) ist ein Projekt, das vom Land und dem Naturkundemuseum Stuttgart organisiert wird. Ziel ist es, herauszufinden, welche Amphibien und Reptilien wo leben. Freiwillige können sich dort anmelden und dann ein bestimmtes Gebiet nach verschiedenen Tieren durchsuchen.

„Und auch im eigenen Garten kann man helfen“, ergänzt Uwe Hiller: Amphibien siedeln sich gerne in Teichen an. Bei Grundstücken an stark befahrenen Straßen sollte das aber vermieden werden. Und Insekten lieben Orte mit einer Vielfalt an Pflanzen und natürlich auch Blumen. Außerdem ist es wichtig, keine giftigen Pestizide zu versprühen.

Für Aufruhr im Rems-Murr-Kreis sorgte in den vergangenen Monaten die Nosferatu-Spinne. Immer wieder fassen Tiere bei uns Fuß, die ursprünglich aus anderen Weltregionen stammen. Doch es gibt ein viel größeres Problem: Viele heimische Amphibien- und Insekten-Arten sind vom Aussterben bedroht. Woran liegt das? Und was können wir dagegen tun?

Alarmsignal für die Tierschützer

Die giftige, aber im Grunde ungefährliche Nostferatu-Spinne – sie wurde im Herbst erstmals im

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