Rems-Murr-Kreis

Isolierunterkunft für Flüchtlinge nimmt Betrieb auf

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Im früheren Jugendfreizeitheim in Althütte-Sechselberg leben jetzt Menschen in Quarantäne. © ZVW/Benjamin Büttner

Althütte.
Mit dem Coronavirus infizierte, geflüchtete Menschen werden jetzt erstmals im ehemaligen Freizeitheim in Althütte-Sechselberg untergebracht. Die ersten Personen werden diesen Samstag dorthin gebracht und dort versorgt, teilte das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart an Karfreitag mit. Demnach kommen diesen Samstag „mindestens vier Personen“ in Sechselberg an. Es handelt sich um zwei Mütter und ihre Kinder. Sie kommen aus der Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen in Tübingen.

Im früheren Jugendfreizeitheim in Sechselberg können 30 bis 60 an Corona erkrankte Flüchtlinge in Quarantäne leben, je nachdem, ob es sich überwiegend um Einzelpersonen oder Familien handelt. Gedacht ist die „temporäre Isolierunterkunft“ für Menschen, die zwar positiv auf das Coronavirus getestet wurden, aber entweder gar keine oder milde Symptome aufweisen. Für die medizinische Betreuung und sonstige Versorgung der Menschen sei gesorgt.

Ein Sicherheitsdienst wacht auf dem Gelände in Sechselberg darüber, dass „die Auflagen der häuslichen Quarantäne in der Einrichtung eingehalten werden“. Die Menschen sollen in ihren Zimmern bleiben und dürfen die Gebäude nicht verlassen, „so dass kein Kontakt mit der Bevölkerung bestehen wird“, so das RP. Ein Zaun trennt die drei Gebäude vom restlichen Gelände.

Vorrangig Frauen und Kinder

„Ich weiß es nicht“, sagt der Althüttener Bürgermeister Reinhold Sczuka zur Frage, wann voraussichtlich wie viele weitere Menschen im ehemaligen Freizeitheim einziehen werden. Laut RP sollen in Sechselberg vorrangig „besonders schutzbedürftige Personen wie Frauen mit Kindern und kleinere Familien untergebracht werden“. Über eine Verlegung weiterer infizierter Personen aus der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen nach Sechselberg werde in den kommenden Tagen entschieden.

Wie es weitergeht, hängt vor allem von den Ergebnissen einer Vielzahl von Corona-Tests ab. Inzwischen sind offenbar sehr viele Menschen in den Aufnahmeeinrichtungen getestet worden, doch liegen noch längst nicht alle Ergebnisse vor. Einer Meldung der Deutschen Presseagentur vom Karfreitag zufolge stehen rund 450 Testergebnisse von insgesamt 567 Bewohnern der Landeserstaufnahmeeinrichtung Ellwangen noch aus (Stand: Karfreitag). Aus der ersten Charge an Test-Rückläufen aus den Labors seien aber bereits 34 positiv. Damit seien bisher 41 Bewohner mit positivem Befund innerhalb der LEA in einem separaten Bereich in häuslicher Isolation, hieß es in der Meldung. So wird es immer schwieriger, genügend Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, damit positiv auf das Virus getestete Menschen separiert werden können.

Unruhe und Ängste in der Gemeinde

In Althütte hatte die Nachricht, in Sechselberg werde eine Isolierunterkunft für infizierte Flüchtlinge eingerichtet, bereits vor Wochen für große Unruhe gesorgt und Ängste geweckt. Die Gemeinde war „sehr kurzfristig vor vollendete Tatsachen gestellt worden“, umschreibt Bürgermeister Reinhold Sczuka diplomatisch das Vorgehen des Landes.

Es gibt nun unter den Bürgern Menschen, die auf keinen Fall infizierte Geflüchtete in der Nähe haben wollen – aber auch viele, die die Entscheidung des Regierungspräsidiums gutheißen. In einer Videokonferenz am 31. März informierten Sczuka und ein Vertreter des RP die Bürger über das Vorhaben des Landes. Bereits zu Beginn der Videokonferenz waren rund 100 Bürger von ihren Wohnzimmern aus der Konferenz zugeschaltet (das Video ist zu finden auf www.althuette.de).

Der Gemeinde geht es um „größtmögliche Sicherheit für alle Beteiligten“, so Reinhold Sczuka. In den vergangenen Tagen sei „sehr viel gemacht worden“, um die Sicherheit zu gewährleisten. Im Schichtbetrieb kümmert sich Pflegepersonal um die Menschen. Ferner wacht ein Sicherheitsdienst darüber, dass niemand das Gelände verlässt. Videoüberwachung sei installiert.

Zutritt und Rückkehr nur über eine Sicherheitsschleuse

Ferner ist eine Schleuse eingerichtet, über welche beispielsweise das Pflegepersonal das Gebäude betritt und über die die Versorgung mit Lebensmitteln erfolgt. Es gelten diverse Vorschriften zum Gesundheitsschutz des Personals. Der Müll wird separat entsorgt, es ist eine Reihe von Anlagen aufgebaut, man kann per Video mit den Menschen drinnen kommunizieren, „dass man nicht ständig wegen jeder Kleinigkeit durch die Schleuse muss“, erklärt Reinhold Sczuka: „Das ist alles total durchdacht.“

„Die medizinische Versorgung erfolgt direkt in der Einrichtung durch extra hierfür bereitgestelltes Personal“, informiert das RP: „Alle Personen, die in der Einrichtung arbeiten, wissen mit dieser besonderen Aufgabe umzugehen. Ich danke allen Beteiligten für ihren Einsatz und bitte die Bevölkerung vor Ort um Verständnis“, wird Regierungspräsident Wolfgang Reimer in der Mitteilung zitiert.

Gegen „ausländerfeindliche und unbegründete Reaktionen“, die es auch gab, wenden sich die Jusos Rems-Murr in einer Pressemitteilung. Sie appellieren an den Zusammenhalt und „mahnen davor, einen Sündenbock zu suchen, an dem man seinen Unmut über die aktuelle Situation auslassen kann“.


Ziel: Erstaufnahmeeinrichtungen entlasten

Das Land übernimmt die Kosten, die im Zuge der Aufnahme der Menschen in der Isolierunterkunft in Sechselberg entstehen. Müssen erkrankte Personen in ein Krankenhaus verlegt werden, trägt ebenfalls das Land die Kosten, teilt das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart mit.

In Baden-Württemberg gibt es vier Landeserstaufnahmeeinrichtungen (LEA) für geflüchtete Menschen, und zwar in Freiburg, Sigmaringen, Karlsruhe und Ellwangen. Werden Menschen dort positiv auf das Coronavirus getestet, müssen sie isoliert werden - was in diesen Einrichtungen schwierig ist. Laut RP müssen dann „große Bereiche in diesen Einrichtungen, in denen mehrere Hundert Personen untergebracht sind, geräumt werden, da beispielsweise in den ehemaligen Kasernen, die heute als LEA genutzt werden, oftmals nur eine Sanitäranlage pro Stockwerk vorhanden ist“.

Ergänzend dazu und „zur Entlastung von sehr dicht belegten Erstaufnahmeeinrichtungen ist die Unterbringung positiv getesteter Personen außerhalb der vier LEAs temporär in Althütte-Sechselberg vorgesehen“.

Althütte.
Mit dem Coronavirus infizierte, geflüchtete Menschen werden jetzt erstmals im ehemaligen Freizeitheim in Althütte-Sechselberg untergebracht. Die ersten Personen werden diesen Samstag dorthin gebracht und dort versorgt, teilte das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart an Karfreitag mit. Demnach kommen diesen Samstag „mindestens vier Personen“ in Sechselberg an. Es handelt sich um zwei Mütter und ihre Kinder. Sie kommen aus der Erstaufnahmeeinrichtung für

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