Rems-Murr-Kreis

Jörg Rauschenberger zur Goldberg-Schließung und Aufgabe der Schwabenlandhalle

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Jörg Rauschenberger. © Rauschenberger

„Liebe Gäste, die Ära Goldberg wird am 02.07.2022 zu Ende gehen.“ Das steht auf der Homepage des im jüngsten Michelin mit zwei Sternen ausgezeichneten Restaurants Goldberg in Fellbach. Und auch die Tage der Rauschenberger-Bewirtung von Veranstaltungen in der Schwabenlandhalle sind gezählt. Nicht nur die Fellbacher Oberbürgermeisterin bedauert dies. Jörg Rauschenberger zu den Hintergründen der Entscheidungen.

„Ich habe nicht von mir aus alleine die Entscheidung getroffen, mich jetzt von der Sterne-Gastronomie zu trennen“, sagt Gastro-Unternehmer Jörg Rauschenberger. Er hätte das Goldberg mit dem preisgekrönten Sternekoch Philipp Kovacs gerne noch bis Ende 2024 weitergeführt. Doch Kovacs habe seinen Rückzug angekündigt, aus privaten Gründen, die er verstehen könne.

Die coronabedingten Lockdowns und Einschränkungen hätten zu massiven Umsatzausfällen und einer riesigen Personalabwanderung geführt. „Wenn dann ein Sternekoch auf dem Höhepunkt seiner Karriere mangelnde Zukunftsperspektiven sieht, dann ist das nur verständlich“, sagt Rauschenberger. Auch Kovacs’ Sous-Chef Florian Pentzlin wolle sich umorientieren. Ohne die beiden mache es aber keinen Sinn, das Goldberg weiterlaufen zu lassen.

In der Gastronomie sahen wegen Corona viele keine Zukunft mehr

Im ganzen Unternehmen Rauschenberger-Gastro und -Catering seien wegen der Pandemie circa 250 Aushilfen abgesprungen. „Die sind in andere Branchen, haben andere Tätigkeiten gefunden. Das ging aber nicht nur mir so. Das geht allen in der Gastronomie so.“ Auch bei den Festangestellten habe es viele Abwanderungen gegeben.

„Wir haben auch niemandem gekündigt, sondern sie suchten Sicherheit und haben festgestellt, wie unsicher doch die Dienstleistungs-, Reise- und Hotelbranche ist, wenn so eine Pandemie zuschlägt“, sagt Rauschenberger.

Viele hätten zu Versicherungen gewechselt, die händeringend dienstleistungsbereite Menschen suchten. „Unsere Köche wechselten zu Großkantinen bei der Allianz, Daimler oder anderen Unternehmen. Die bieten für einen Koch einen sicheren Arbeitsplatz, Pandemie hin oder her.“ Nicht hoch qualifizierte Aushilfen seien bei Supermärkten untergekommen, die viele helfende Hände suchten. „Die Supermärkte haben die geradezu absorbiert, die hatten ja wesentlich mehr Geschäft als vor der Pandemie.“

Rauschenberger stößt die Kongress-Gastronomie und Hallen-Bewirtung ab

Für das Gastrounternehmen Rauschenberger stelle sich jetzt die Frage: „Was tun wir, wo es jetzt wieder losgeht? Auf welche Geschäftsbereiche konzentrieren wir uns mit der Mannschaft, die noch da ist? Wir haben die Stadthallen-Gastronomie, wir haben das Kongress-Gastronomie genannt, in Reutlingen, in Filderstadt, in Esslingen und auch die Schwabenlandhalle in Fellbach. Wir haben das Event-Catering. Und wenn ich das so ganz nüchtern betrachte, was sich mehr lohnt, dann ist es das Event-Catering.“

Das sei zwar keine ganz neue Erkenntnis. Doch vor Corona, als noch genug Personal vorhanden war, habe man diversifizieren und beides machen können. „Jetzt, nach den finanziellen Verlusten während der Pandemie, kann ich mir nicht erlauben, viel Kongress-Gastro mehr zu machen. Wir haben Hallen-Bewirtungen in Reutlingen aufgegeben und Filderstadt, schon 2021, und haben uns jetzt entschieden, mit der Schwabenlandhalle in Fellbach den Vertrag auch nicht zu verlängern. Der läuft bis Ende 2024.“

Von dieser Grundsatzentscheidung wussten natürlich auch Philipp Kovacs und sein Team im Goldberg. „Und ein Philipp Kovacs ist in der Blüte seiner Karriere. Der will einfach wissen, wo’s hingeht, er braucht Sicherheit für sich und seine Familie. Und in einem Betrieb, der wohl 2024 eh aufhört, da wollte er nicht seine effektivsten Schaffensjahre weiter hineininvestieren.“

Wie Goldberg und Kongress-Gastro in der Schwabenlandhalle zusammenhängen

Das Goldberg sei ein integraler Bestandteil der Schwabenlandhalle. „Wenn wir Ende 2024 aber die Kongress-Gastro dort aufgeben, dann wäre die Weiterführung des Goldbergs irgendwie aussichtslos. Insofern verstehe ich die Entscheidung von Philipp Kovacs voll und ganz, auch wenn es mich wehmütig macht, dass er nicht noch bis Ende 2024 mit uns weitermacht“, sagt Rauschenberger.

Die Aufbauarbeit fürs Goldberg seien „zehn Jahre Schmerz“ gewesen. „Das hat zwar unheimlich Spaß gemacht, aber war bis zum zweiten Michelin-Stern immer ein Zuschussgeschäft. Was wir uns aber gerne geleistet haben, auch weil es nur fünf Prozent des Umsatzes des ganzen Unternehmens ausgemacht hat. Dann schrieben wir endlich auch mit dem Goldberg aufgrund der hervorragenden Küchenführung und des tollen Renommees von Kovacs und Pentzlin schwarze Zahlen. Doch dann kam eben die Corona-Pandemie und die Entscheidung, die Kongress-Gastro in der Schwabenlandhalle auslaufen zu lassen.“

Die räumlichen Begebenheiten seien sehr ineinander verwoben. Das Restaurant Goldberg sehe zwar sehr getrennt aus, aber alles, was sich im hinteren Bereich befinde, alle Lager, die Küche und so weiter, sei ein Ganzes. „Die hatten zwar unterschiedliche Mannschaften da drin, das Catering für die Halle und das Sternekochen für das Goldberg, aber das ist alles eine große Küche. Da gibt es einen A-la-carte-Bereich, dort stand die Goldberg-Mannschaft, und im großen, im Hallenbereich, stand unsere Catering-Mannschaft, die ja viel mehr gekocht hat, nicht nur für die Halle, sondern auch für externe Events. Das lässt sich also nicht trennen.“ So werde das Goldberg Anfang Juli 2022 schlicht und ergreifend schließen. „Die Schwabenlandhalle wird diese Fläche wohl anders bespielen. Es ist auch völlig aussichtslos, dort ein anderes Restaurant zu betreiben. Das Catering für die Halle mache ich vertragstreu bis 2024 weiter.“

„Alle Beschäftigten des Goldbergs werden übernommen, wenn sie möchten“

Von den rund 18 Beschäftigten des Goldbergs übernehme er alle in den Betrieb, wenn sie reinpassten und wollten. „So wie ich das bislang überblicke, werden auch so gut wie alle bleiben.“ Das Gastro-Unternehmen Rauschenberger verlasse Fellbach nicht, auch nicht Ende 2024. „Wir haben natürlich unsere Verwaltung weiter in Fellbach, unsere Logistik und wir haben das Goldbergwerk dort, mit unseren Eventhallen, und über den Winter das Pop-up-Restaurant Rauschenberger Supper-Club. Insofern: Ich bleibe ein Fellbacher Unternehmer. Unsere Catering-Tätigkeit, die findet weiter im Großraum Stuttgart, in ganz Süddeutschland, ja in ganz Deutschland statt.“

In München ist eine weitere Rauschenberger-Niederlassung, „und ich habe auch anderswo eigene Locations, zum Beispiel in der Motorworld in Böblingen eine große Eventhalle, die heißt Legendenhalle. Der Investor hat auch in München eine große Motorworld eröffnet, der hat das in Deutschland mehrfach. So haben wir eine Niederlassung in Böblingen gegründet, ein Restaurant und auch eine Cateringküche und bespielen auch den starken Münchner Markt mit Event-Catering.“

Die Auftragslage für Event-Catering sei mittlerweile wieder sehr gut. „Die Leute haben unheimlich Nachholbedarf. Wir hatten praktisch nichts zu tun bis heute. Seit jetzt die Restriktionen gefallen sind, kommen die Kunden zurück, und die Auftragslage für Ende April, Mai, Juni, Juli ist hervorragend, so dass wir sogar nicht wissen, wo wir die Serviceleute herkriegen sollen.“

„Liebe Gäste, die Ära Goldberg wird am 02.07.2022 zu Ende gehen.“ Das steht auf der Homepage des im jüngsten Michelin mit zwei Sternen ausgezeichneten Restaurants Goldberg in Fellbach. Und auch die Tage der Rauschenberger-Bewirtung von Veranstaltungen in der Schwabenlandhalle sind gezählt. Nicht nur die Fellbacher Oberbürgermeisterin bedauert dies. Jörg Rauschenberger zu den Hintergründen der Entscheidungen.

„Ich habe nicht von mir aus alleine die Entscheidung getroffen, mich jetzt

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