Rems-Murr-Kreis

Jung, halb nackt und sichtbar für alle: Scheinbar harmlose Kinderfotos geraten leicht in einschlägige Foren

Feature Kinderbilder nicht ins Netz stellen
Auch wenn der Junge nicht zu erkennen ist: Solche Fotos haben im Netz eigentlich nichts zu suchen – und finden sich dort zuhauf. © pixabay

Was für ein süßer kleiner Junge, wie er da liegt und schläft, lauter Kuscheltiere um sich herum: Herzallerliebst wirkt dieses Foto, und man ist geneigt, es anderen zu zeigen. Flugs ist das Foto per Whatsapp verschickt, auf Instagram und Facebook veröffentlicht. Ab jetzt gerät es leicht in falsche Hände, und vielleicht kursiert das Foto bereits unter Personen, die bestimmte Fotos von Kindern sexuell anregend finden.

Stefan Wünsch gehört der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie beim Polizeipräsidium Aalen an, und sein Rat könnte klarer nicht sein: Am besten keine oder zumindest so wenig wie möglich Kinderbilder online stellen oder verschicken und nur an einen ganz engen, vertrauten Kreis. Fotos von leicht bekleideten Kindern gehören ganz sicher nicht in die Öffentlichkeit.

Kinderfotos als Sammel- und Tauschobjekte

Aufnahmen von kleinen Kindern, nackt spielend am Strand, Bilder von süßen Mädels und Jungs im Freibad mögen bei den meisten Menschen keine besonderen Assoziationen wecken. Stellt man sich als Mutter oder Vater vor, diese netten Schnappschüsse könnten in einschlägigen Kreisen als Tauschobjekte dienen und bereits auf x Festplatten von Sammlern solcher Bilder abgespeichert sein – stellen sich einem die Haare zu Berge.

Arg- und sorglos nutzen derweil mutmaßlich die meisten Menschen Whatsapp, und wer hat sich je ernsthaft um Datenschutz gesorgt, als er oder sie eine kostenlose App herunterlud? Theoretisch müssten sich alle Internetnutzer/-innen ständig auf dem Laufenden drüber halten, welche App sich was erlaubt, von wo überall auf die Bildergalerie auf dem Handy zugegriffen wird, weil man achtlos zugestimmt hat, ohne je Kleingedrucktes gelesen zu haben.

Wer ist sich drüber im Klaren, dass all die netten Handyfotos in der Cloud landen und somit auf einem Server irgendwo? Smartphone-Nutzer/-innen rät die Polizei dringend, das automatische Hochladen in die Cloud zu deaktivieren. Sehr viele Menschen sind sich nicht bewusst, was bei der alltäglichen Handynutzung so alles im Hintergrund geschieht, davon geht Stefan Wünsch aus. Als extra risikofreudig darf sich fühlen, wer ein einziges schlichtes Passwort für alles verwendet: Auf unsicheren Seiten ist es leicht abgegriffen, und für die weiteren Schritte brauchen Kriminelle dann nicht mehr allzu viel Fantasie.

Personen, die an Fotos und Videos mit wunderhübschen Kindern interessiert sind, müssen sich fühlen wie mitten im Schlaraffenland. Facebook, Instagram, riesige Whatsapp-Gruppen, in welchen die Leute alles Mögliche verschicken, ohne zu wissen, wer überhaupt der Gruppe angehört – da muss man nur noch zugreifen. Ob sich Bilder, die einst ohne nachzudenken verschickt wurden, bereits in einschlägigen Foren befinden – das herauszufinden, ist „ganz, ganz schwierig“, sagt Stefan Wünsch.

So gut wie alle Eltern teilen Bilder: „Wo sind da die Grenzen?“

Die Mutter des süßen kleinen schlafenden Jungen, der zwischen seinen Kuscheltieren träumt, hat das Foto inzwischen gelöscht: Obwohl nachgewiesenermaßen kompetent in digitalen Fragen, brachte die jüngste Warnung der Polizei, diese Bilder betreffend, die Endersbacherin ins Grübeln. „Eigentlich teilen alle ihre Kinderbilder“, berichtet sie und fragt sich: „Wo sind da die Grenzen?“

Letztlich entscheiden das Mütter und Väter selbst – doch verändert folgender Fragenkatalog den Fokus: Die Polizei rät, sich über diese Dinge Gedanken zu machen, bevor man auf „senden“ oder „teilen“ klickt:

  • Ist mein Kind zu nackt für ein Foto im Internet?
  • Würde ich wollen, dass mein Fotoalbum aus Kinderzeiten online zu finden ist?
  • Was hat mein Kind davon, dass Bilder von ihm/ ihr online sind?
  • Würde mein Kind wollen, dass Fotos von ihm/ihr online sind – jetzt und auch noch in zehn Jahren?
  • Verletze ich damit die Rechte meines Kindes?

Mag sein, eine Siebenjährige empfindet es als unglaublich cool, unter ihrem Foto ungezählte Likes zu finden. Fragt sich nur, wie sie die Sache im Jugendalter empfindet und ob sie sich dann in Grund und Boden schämt: „Das Netz vergisst nichts“, daran erinnert die Polizei gezielt jetzt, da die Urlaubs- und damit die Schnappschusssaison bald beginnt. „Likes sind es nicht wert, die psychische Gesundheit der Kinder zu gefährden“, findet die Polizei, und „auch wenn der Zuspruch anderer unter einem Foto noch so verlockend ist, sollten sich Eltern stets bewusstmachen, dass auch Kinder Persönlichkeitsrechte haben und sie dazu verpflichtet sind, diese im Namen der Kinder zu wahren“.

Die Mutter aus Endersbach wird angesichts des jüngsten Denkanstoßes sparsamer mit Bilddateien umgehen – in vielerlei Hinsicht: „Heutzutage wird so viel dokumentiert. Da ist eher die Frage, dass Eltern ihr Handy mal weglassen und die Erlebnisse nur miterleben, ohne dauernd zu fotografieren.“

Was für ein süßer kleiner Junge, wie er da liegt und schläft, lauter Kuscheltiere um sich herum: Herzallerliebst wirkt dieses Foto, und man ist geneigt, es anderen zu zeigen. Flugs ist das Foto per Whatsapp verschickt, auf Instagram und Facebook veröffentlicht. Ab jetzt gerät es leicht in falsche Hände, und vielleicht kursiert das Foto bereits unter Personen, die bestimmte Fotos von Kindern sexuell anregend finden.

Stefan Wünsch gehört der Ermittlungsgruppe Kinderpornografie beim

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