Rems-Murr-Kreis

Kühe ohne Ketten: Was das für kleine Betriebe im Rems-Murr-Kreis bedeuten würde

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Die große Frage: Wie viel Tierwohl will sich die Gesellschaft wirklich leisten? © Pixabay

Angekettete Kühe, Rinder auf engstem Raum zusammengepfercht: Die Tierrechtsorganisation Peta weiß, mit welchen Bildern man Emotionen weckt und Aufsehen erregt. Ihre Anzeige gegen einen landwirtschaftlichen Betrieb aus dem Raum Backnang sorgt für Furore.

Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems bezieht Stellung

Eine Haltungsform ist jetzt in den Fokus gerückt, die jahrzehntelang kaum jemand beanstandete: In kleinen Betrieben ist es auch im Rems-Murr-Kreis gängige Praxis, die Kühe angebunden das ganze Jahr im Stall zu lassen. Nun bezieht der Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems Stellung: Ist diese Form der Tierhaltung okay? Was bedeutet es für Betriebe, wenn man Anbindehaltung verbietet?

Helmut Bleher, Kreisgeschäftsführer beim Bauernverband, beschreibt Anbindehaltung als "nicht zukunftsfähig", doch kann er sich Mischformen vorstellen, sprich, sofern die Rinder wenigstens zeitweise auf die Weide können, könnte die Anbindehaltung erhalten bleiben. Wie die Regeln künftig ausgestaltet sein werden, ist noch offen. Voraussichtlich ab dem Jahr 2030 wolle der Bund die ganzjährige Anbindehaltung von Kühen reglementieren, davon geht Veterinäramtsleiter Dr. Thomas Pfisterer aus.

Nicht erst seit gestern lautet der Rat des Bauernverbands, Landwirtinnen und Landwirte sollten sich darauf vorbereiten, dass diese Haltungsform früher oder später nicht mehr praktizierbar sein wird. Allerdings: Für kleine Betriebe bedeutet das, dass sie ihre Milchkuhhaltung ganz abschaffen müssen, erläutert Helmut Bleher. Für nur zehn oder 20 Kühe einen Boxenlaufstall einzurichten, sei viel zu teuer und rechne sich nie und nimmer. Anbindehaltung gibt's genau aus diesem Grund praktisch nur noch in kleineren Betrieben. 

Boxenlaufställe sind teuer

Einerseits sei es gesellschaftlich erwünscht, weist Bleher auf Widersprüche hin, kleine Betriebe zu erhalten - doch auf der anderen Seite sei genau dort praktizierte Anbindehaltung von der Gesellschaft "nicht mehr gewünscht". 

Ein Boxenlaufstall für 20 Kühe würde mindestens 600.000 Euro kosten, rechnet Bleher vor. Niemand wird für einen so kleinen Betrieb, der ohnehin in der Regel im Nebenerwerb geführt werde, so viel Geld in die Hand nehmen können. Große Betriebe mit 100 oder 200 Kühen haben ohnehin schon längst umgestellt. In Boxenlaufställen mit Laufhof bewegen sich die Tiere relativ frei; ferner sind moderne Ställe mit automatischen Melksystemen ausgestattet.

Was geschieht mit dem Grünland?

Sollte Anbindehaltung künftig nur noch erlaubt sein, sofern die Tiere zeitweise auf die Weide können, wird's bitter für viele kleine Betriebe. Nicht jeder verfügt über eine Weide direkt am Hof. Man stelle sich vor, entwirft Bleher ein unrealistisches Szenario, ein Bauer würde jeden Morgen und jeden Abend seine Kühe über Straßen geleiten bis zur weiter entfernten Wiese - und jedes Mal hinterher die Hinterlassenschaften der Kühe von der Straße kratzen?

Eine Milchviehhaltung aufzugeben, führt zur nächsten Frage: Was geschieht mit dem Grünland? Eine andere wirtschaftliche Verwertung als jene für die Milchkuhhaltung existiert praktisch nicht, so Bleher. 

Was ihn an der Tierrechtsorganisation Peta stört, ist deren Ansinnen, Nutzttierhaltung im Grunde komplett abschaffen zu wollen. "Wir fordern das aber ein, dass es Nutztierhaltung gibt", stellt Bleher klar. Fleisch sieht er als wichtigen Bestandteil der menschlichen Ernährung; "alles andere ist weltfremd".

Angekettete Kühe, Rinder auf engstem Raum zusammengepfercht: Die Tierrechtsorganisation Peta weiß, mit welchen Bildern man Emotionen weckt und Aufsehen erregt. Ihre Anzeige gegen einen landwirtschaftlichen Betrieb aus dem Raum Backnang sorgt für Furore.

Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems bezieht Stellung

Eine Haltungsform ist jetzt in den Fokus gerückt, die jahrzehntelang kaum jemand beanstandete: In kleinen Betrieben ist es auch im Rems-Murr-Kreis gängige Praxis,

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