Rems-Murr-Kreis

Kinder-Schwimmkurse im Rems-Murr-Kreis: Bis zu zwei Jahre Wartezeit für Familien

1/2
SchwimmkursUrbach
Die Kinder üben noch mit Schwimmbrettchen. © Gaby Schneider
2/2
SchwimmkursUrbach
Karin Foschiatti ist froh, dass sie wieder Schwimmunterricht geben kann. © Gaby Schneider

Wegen der Corona-Maßnahmen und Lockdowns der vergangenen Jahre konnte zeitweise kein Schwimmunterricht für Kinder stattfinden. Eine Nachfrage in der Community „Familie, du auch?“ des Zeitungsverlags ergab: Einige Eltern hatten Probleme, ihre Kinder für Schwimmkurse anzumelden. Sie sprechen von teils langen Wartezeiten - ein Kind steht zum Beispiel schon seit zwei Jahren auf einer Warteliste, für die Eltern enttäuschend. Die Kinder einer anderen Familie konnten nach „horrenden“ Wartezeiten zwar ihr Seepferdchen absolvieren, müssen für den Anschlusskurs nun aber bis zum Frühjahr 2023 warten.

Andere fanden statt eines größeren Schwimmkurses einen Schwimmlehrer, der Einzelunterricht gibt, auch weil sie vermuteten, dass die Altersunterschiede der Kinder in den aktuellen Gruppen sehr groß sind und ihr Kind sich dort nicht so wohl fühlen würde. Auch das Thema Kosten spricht eine Familie an: Für finanziell schwächere Familien könnten diese eine Herausforderung darstellen. Der Preis solle im Rahmen bleiben und eine finanzielle Förderung von finanziell schwachen Familien angedacht werden.

In den Sommerferien zum Seepferdchen im Urbacher Lehrschwimmbecken

Die lange Suche nach Schwimmkursen deckt sich mit den Berichten von Katrin Foschiatti, stellvertretende Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Schorndorf und CDU-Gemeinderätin in Urbach, die schon im vergangenen Jahr von langen Wartelisten für ihre Schwimmkurse berichtete - und sich sorgte, weil sowohl Nichtschwimmer als auch Schwimmer auf unbewachte Gewässer auswichen, als Freibäder nicht geöffnet hatten. Wir haben mit ihr darüber geredet, wie sich die Lage entwickelt hat.

Zumindest bei Katrin Foschiatti geht es im Urbacher Lehrschwimmbecken in der Atriumschule mit der Abarbeitung der Warteliste für Kinder, die noch nicht schwimmen können, aber voran. Dienstag bis Donnerstag gibt sie aktuell drei aufeinanderfolgende Kurse für Kinder, die, so die Hoffnung, am Ende der Sommerferien dann ihr Seepferdchen erlangen sollen. Dabei sind auf die Kurse verteilt auch Kinder, die aus ihren Heimatländern flüchten mussten.

Gaskrise und Corona: Müssen die Bäder wieder schließen?

„Die Kinder wollten letzte Woche am Dienstag mit der Nase noch nicht unter Wasser“, sagt Katrin Foschiatti und man sieht ihr an, dass sie ein bisschen stolz ist auf die Jungs und Mädels, die seitdem schon große Fortschritte im Wasser gemacht haben und mit ihren Brettchen fleißig vom einen Beckenrand zum anderen schwimmen. In diesem Kurs seien Kinder zwischen sechs bis acht Jahren, im Anschlusskurs aber sogar Kinder bis zu zwölf Jahren. „Normalerweise sind die Kinder etwa fünfeinhalb bis sechs Jahre, wenn sie das erste Mal zu mir in den Schwimmunterricht kommen“, sagt die DLRGlerin. Wegen der Corona-Beschränkungen habe sie nun vermehrt auch ältere Kinder in den Kursen. Auf der Warteliste stünden aktuell noch 20 Kinder, relativ wenig.

Der Schwimmunterricht findet zwar wieder statt, die Corona-Pandemie ist aber noch nicht vorbei, welche Regeln in Zukunft kommen, ist unklar. Hinzu kommt nun eine andere Thematik: Wegen der möglichen Gaskrise wird vielerorts über die Schließung von Schwimmbädern gesprochen. „Ich ziehe den Kurs durch, weil ich nicht weiß, was kommt“, sagt Katrin Foschiatti deshalb auch.

Sie hofft aber, dass nicht nur das Urbacher Lehrschwimmbecken, sondern auch andere Bäder offen bleiben. Nicht nur, damit beim Schwimmunterricht für Kinder nicht wieder die gleiche Situation entsteht, sondern auch, weil die Kinder, die gerade schwimmen lernen, dann auch weiter üben müssen.

Wenn Kinder und Erwachsene nicht schwimmen können, drohen Gefahren

Während Katrin Foschiatti redet, steigt ein Mädchen aus dem Wasser und läuft zu ihr her. „Hüpfen!“, fordert sie. Katrin Foschiatti lächelt und erklärt, dass die Kinder erst am Ende der Unterrichtseinheit ins Wasser hüpfen dürfen. Erst einmal müssen sie weiter die Technik üben. Das Mädchen scheint deshalb nicht sonderlich betrübt, rennt zurück ins Wasser und übt fleißig weiter mit den zwei DLRG-Helferinnen Merl und Clara, die Katrin Foschiatti im Unterricht unterstützen. Den Kindern macht es allem Anschein nach Spaß, zu lernen, wie sie sich im kühlen Nass zurechtfinden können. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Schwimmunterricht für sie laut Katrin Foschiatti so wichtig ist. Sie will vermeiden, dass Kinder in Notsituationen geraten.

„Letztes Jahr sind Kinder von Brücken in die Rems gesprungen oder haben im Gewässer gespielt, obwohl sie nicht schwimmen konnten“, sagt sie. Die Brücke über die Rems bei der SG Schorndorf sei zum Beispiel sehr beliebt dafür gewesen. Auch in diesem Jahr seien dort wieder einige unterwegs, auch wenn die Situation eine andere sei. Gerade auch Teenager würden sich in solchen Situation genieren, vor ihren Freunden zuzugeben, dass sie nicht schwimmen können. Nun würden einige Seen aus Haftungsgründen zu Badestellen rückgebaut. „Eigentlich sollte jeder Erwachsene für sich selbst verantwortlich sein, aber ich finde das nicht gut“, sagt Katrin Foschiatti. Das mache die Seen unsicherer.

Im ersten Halbjahr 2022 ertranken mehr Menschen als im ersten Halbjahr 2021

In einer Pressemitteilung der DLRG aus der vergangenen Woche heißt es: „In den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 sind mindestens 199 Menschen in deutschen Gewässern ertrunken.“ Das seien 15 Personen mehr als zum gleichen Zeitpunkt im vergangenen Jahr (Stichtag war der 20. Juli). Insgesamt 136 Menschen kamen laut der DLRG seit Beginn der Badesaison Anfang Mai im Wasser ums Leben, neun mehr als im Vergleichszeitraum 2021.

Der trockene und sehr warme Mai habe viele Menschen an die Gewässer gelockt, in denen es dann vermehrt zu Unfällen kam. Die Mehrzahl der Unfälle ereigne sich im Binnenland an zumeist unbewachten Gewässern. In Freigewässern wie Flüssen und Seen ertranken, so die Mitteilung, 180 Menschen, das entspreche 90 Prozent der Fälle. In den Seen ertranken ebenso viele Menschen wie im Vorjahr (86), in den Flüssen sei die Anzahl von 53 auf 64 gestiegen. Die DLRG appelliert deshalb an die Vernunft der Menschen, nicht in völlig unbeaufsichtigten Seen und schon gar nicht in Flüssen schwimmen zu gehen, Gefahren zu vermeiden, die Baderegeln zu befolgen, und auf ihre Mitmenschen zu achten.

Nur halb so viele Rettungsschwimmer wie sonst ausgebildet

Eine weitere alarmierende Zahl in der Mitteilung: Nicht nur haben in der Pandemie weniger Kinder schwimmen gelernt, es wurden auch nur halb so viele Rettungsschwimmer ausgebildet wie in normalen Jahren. Die DLRG wirbt deshalb dafür, die Kommunen dabei zu unterstützen, ihre Bäder auch bei einer Gasknappheit so lange wie möglich geöffnet zu lassen - verweist aber auch auf einen Vorschlag der Bäderallianz Deutschland, der bei einer Gaskrise einen Drei-Stufen-Plan vorsieht: erst die Abschaltung beheizter Außenbecken, dann das Schließen aller rein freizeitorientierten Becken und schließlich das Absenken der Wassertemperatur in Sport- und Lehrschwimmbecken auf 26 Grad.

Ob die Bäder im Winter offen bleiben dürfen oder nicht, bleibt aktuell unklar. Katrin Foschiatti will zumindest so lange wie möglich weiter Unterricht geben. Für Anfängerschwimmkurse in der Atriumschule sind unter https://schorndorf.dlrg.de/kurse-und-sicherheit/anmeldung/ noch Plätze im September verfügbar. Auch ein Schwimmkurs für geflüchtete Erwachsene ist angedacht und über das Seniorenprogramm der Gemeinde Urbach wird Wassergymnastik im Freibad beziehungsweise im Winter im Hallenbad dienstags ab 11 Uhr angeboten. Erst einmal wird also weitergeschwommen.

Wegen der Corona-Maßnahmen und Lockdowns der vergangenen Jahre konnte zeitweise kein Schwimmunterricht für Kinder stattfinden. Eine Nachfrage in der Community „Familie, du auch?“ des Zeitungsverlags ergab: Einige Eltern hatten Probleme, ihre Kinder für Schwimmkurse anzumelden. Sie sprechen von teils langen Wartezeiten - ein Kind steht zum Beispiel schon seit zwei Jahren auf einer Warteliste, für die Eltern enttäuschend. Die Kinder einer anderen Familie konnten nach „horrenden“ Wartezeiten

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper