Rems-Murr-Kreis

Kinderzuschlag wird erhöht: So bekommen Eltern mehr Geld für den Nachwuchs

Kinder jubeln vor Laptop
Endlich mal gute Nachrichten. Angesichts der gestiegenen Energiekosten und Warmmieten lohnt es sich, zu prüfen, ob eine Berechtigung für einen zusätzlichen Kinderzuschlag besteht oder eine Berechtigung gar jetzt erst entstanden ist. © pixabay

Kindergeld, Kinderbonus, Kindersofortzuschlag, Kinderzuschlag: Eltern bekommen deutlich mehr Geld für ihren Nachwuchs. Das meiste davon landet „automatisch“ auf den Bankkonten, anderes muss gesondert beantragt werden.  „Viele wissen gar nicht, dass sie für den Kinderzuschlag infrage kommen beziehungsweise jetzt wegen der gestiegenen Energiekosten und Warmmieten Berechtigte geworden sind“, sagt Frank Steidle, Leiter der Familienkasse Baden-Württemberg Ost, die auch für Antragssteller aus dem Rems-Murr-Kreis zuständig ist. Zusammengerechnet könnten Familien ab 2023 unter Umständen 500 Euro im Monat pro Kinder bekommen, durch das Programm „Leistung & Teilhabe“ sogar noch mehr.

Kinderzuschlag: Anspruchsberechtigte, Prozedere

Wenn das bestehende Einkommen eines Haushalts nicht ausreicht, um auch das Leben der Kinder auskömmlich zu finanzieren, dann ist womöglich zusätzlich zum Kindergeld ein Kinderzuschlag drin, der aber gesondert beantragt werden muss, erläutert Frank Steidle. Die Berechtigung für einen Kinderzuschlag beginne mittlerweile schon im „Mittelschicht-Bereich“, wenn auch hier nicht der Kinderzuschlag-Höchstbetrag abgerufen werden kann. Steidle führt ein anschauliches Beispiel aus, das schon der Chef der Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit, Karsten Bunk, in einem Interview genannt hat:

„Eine Familie mit drei Kindern, einem Bruttoeinkommen von 4800 Euro und einer Warmmiete von 990 Euro wäre im vergangenen Sommer nicht anspruchsberechtigt für einen Kinderzuschlag gewesen. Hat sich nun aber die Warmmiete aufgrund der gestiegenen Energiekosten im angelaufenen Winter etwa auf mindestens 1290 Euro erhöht, hätte diese Familie Anspruch auf einen Kinderzuschlag.“

Der Kinderzuschlag wird zusätzlich zum Kindergeld pro Kind und Monat überwiesen, aber: „Bewilligt wird der Kinderzuschlag immer für sechs Monate, dann muss man ihn erneut beantragen“, betont Steidle. „Das Thema ist ein bisschen komplex. Was ich jeder und jedem potenziellen Antragssteller/-in empfehle, auch um abzuschätzen, bin ich berechtigt oder nicht, ist der sogenannte KiZ-Lotse, und den findet man auf der Internetseite arbeitsagentur.de unter der Rubrik Familie und Kinder.“

Nachträglich könne der Kinderzuschlag leider nicht beantragt und bewilligt werden, so Steidle. „Es gilt der Tag der Antragstellung. Aber das geht online ganz leicht.

Wie viel Kinderzuschlag eine Familie pro Kind und Monat zusätzlich zum Kindergeld erhalten kann, hängt vor allem von den Einkommensverhältnissen ab, auch darüber gibt der KiZ-Lotse Auskunft. Folgende grundsätzliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

  • Kind lebt im Haushalt, ist unter 25 Jahre alt und nicht verheiratet beziehungsweise nicht in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.
  • Kindergeld (oder eine vergleichbare Leistung) für das Kind ist bereits bewilligt.
  • Das Bruttoeinkommen der Familie beträgt mindestens 900 Euro (Paare) beziehungsweise 600 Euro (Alleinerziehende).
  • Der Haushalt hätte genug Geld für den Unterhalt der Familie, wenn zusätzlich zum Einkommen Kinderzuschlag und eventuell Wohngeld erhalten würde.
  • Es wird kein Arbeitslosengeld II beziehungsweise Hartz IV bezogen.

Laut finanztip.de zählt zu den monatlichen Einnahmen der Verdienst des Haushaltes „ohne Abgaben und Steuern, Arbeitslosengeld I oder Krankengeld.“ Und: „Kindergeld und Wohngeld zählen nicht zum Mindesteinkommen dazu.“ Dem Antrag auf Kinderzuschlag müssen Einkommensnachweise aus den vergangenen sechs Monaten beigefügt werden. Daraus ermittele die Familienkasse dann das monatliche Durchschnittseinkommen des vergangenen halben Jahres.

Seit 1. Juli wird bereits ein „Kindersofortzuschlag“ von 20 Euro pro Kind und Monat an Berechtigte ausgezahlt, im Rahmen des Kinderzuschlags, der sich dadurch im Höchstbetrag von 209 auf 229 Euro monatlich erhöht hat. „Das haben wir für die bereits laufenden Kinderzuschläge automatisch umgesetzt“, erläutert Steidle.

Laut Mitteilung der Bundesregierung vom 10. November soll es ab Januar 2023 zudem eine weitere Erhöhung der Kinderzuschläge geben: Der Höchstbetrag soll dann auf 250 Euro pro Kind und Monat angehoben werden. Pro Jahr sei das – bei Bezug des Höchstbetrages – ein weiteres Plus von 492 Euro im Geldbeutel (Quelle: bundesregierung.de).

Bildung & Teilhabe: Wozu der Kinderzuschlag noch berechtigt

„Der Vorteil beim Kinderzuschlag, das wissen glaube ich auch viele nicht: Wenn ich auch nur einen Euro Kinderzuschlag erhalte, bin ich sofort berechtigt, Leistungen im Rahmen von Bildung und Teilhabe zu beantragen“, sagt Steidle. Das kann bedeuten:

  • Zuschüsse für Schulausflüge und Schullandheim-Aufenthalte,
  • Zuschüsse für Mittagessen in der Kita- oder Schulkantine,
  • Deckung des Schulbedarfs bis insgesamt 156 Euro je Schuljahr,
  • Kostendeckung der Beförderung der Kinder zur Schule,
  • Zuschüsse zur Lernförderung/Nachhilfe,
  • Zuschüsse für die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft (zum Beispiel Sportverein und Musikschule) in Höhe von 15 Euro monatlich.
  • und Ähnliches.

Viele Städte oder Gemeinden bieten darüber hinaus Gutscheine oder besondere Ermäßigungen in puncto Kita-Gebühren an.

Wo kann man Anträge dafür stellen? Laut Landratsamt des Rems-Murr-Kreises ist das Jobcenter für Anträge im Rahmen von „Bildung und Teilhabe“ zuständig für Leistungsberechtigte, die Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld nach dem SGB II beziehen. Für Anträge von Leistungsberechtigten jedoch die Wohngeld, Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen oder einen Kinderzuschlag (!) erhalten, zeichnet das Amt für Soziales und Teilhabe beim Landratsamt verantwortlich. Die Antragsformulare für das Bildungs- und Teilhabepaket liegen in Bürgermeisterämtern, im Jobcenter und im Landratsamt bereit. Sie können auch heruntergeladen werden.

Im Falle von Kinderzuschlag-Beziehern: Landratsamt Rems-Murr-Kreis, Amt für Soziales und Teilhabe, Tel.: 0 71 51/5 01-1453, E-Mail: bildungspaket(@)rems-murr-kreis.de. Internet: rems.murr.kreis.de/wirtschaft-bildung-und-tourismus (erst auf „Schulen und Bildung“, dann auf „Bildung und Teilhabe“ klicken).

Kindergeld: Ab Januar 2023 gibt es mehr

Momentan beträgt das Kindergeld noch 219 Euro im Monat je erstes und zweites Kind. Für das dritte Kind gibt’s 225 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind jeweils 250 Euro im Monat. Von 2023 an bekommen Familien als Unterstützung Kindergeld in Höhe von 250 Euro pro Monat für jedes Kind, egal ob erstes, zweites, drittes, viertes, fünftes ... Das hat die Bundesregierung der Ampelparteien beschlossen und wird darin auch von der Opposition unterstützt.

Frank Steidle von der Familienkasse BW Ost fasst zusammen: „250 Euro pro Monat für jedes Kind ab dem Jahr 2023. Das wird automatisch überwiesen. Wer bereits Kindergeld bezieht, muss nichts zusätzlich tun oder beantragen. Die Sätze werden entsprechend in unserem EDV-System angepasst und zum jeweiligen Auszahlungstermin entsprechend verteilt.“

Bei Hartz-IV-Empfängern werde das Kindergeld auf die Leistungen angerechnet und der Regelsatz entsprechend gekürzt, teilt die Bundesregierung mit.

„Kindergeld beantragt man für jedes Kind einmalig und muss dann nur aufpassen, wenn der Wechsel von Schule in Ausbildung passiert. Oder ab dem Alter von 18 oder bei Umzug ins Ausland gibt es ein paar Sonderregelungen, die beachtet werden müssen. Da schreiben wir die Leute aber vorher an“, sagt Steidle.

„Grundsätzlich können die Anträge für Kindergeld sehr gut online unter www.familienkasse.de oder per Post eingereicht werden, man muss dazu nicht bei der Familienkasse in Stuttgart oder Ludwigsburg erscheinen“, so Steidle. Für das Online-Prozedere wird aber ein Elster-Zertifikat zur Identitätsverifizierung (elster.de) benötigt. Unter www.famlienkasse.de können auch Anträge heruntergeladen werden.

  • Postanschrift: Familienkasse Baden-Württemberg-Ost, 70146 Stuttgart.
  • Besucheradresse: Stuttgarter Straße 53/55, 71638 Ludwigsburg. Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 7.45 bis 12 Uhr; Mittwoch und Freitag geschlossen; Donnerstag 7.45 bis 12 sowie 14 bis 17 Uhr.
  • Die Familienkasse ist zu den Öffnungszeiten auch telefonisch erreichbar: Tel. 07 11/9 41-22 20 (Kindergeld), Tel. 08 00/4 55 55 30* (Kindergeld und Kinderzuschlag), Tel. 08 00/4 55 55 33* (Zahlungstermine). * Anrufe sind gebührenfrei.

500 Euro pro Kind: Ja, das ist theoretisch möglich

„Familien könnten unter bestimmten Umständen, wenn sie kinderzuschlagsberechtigt sind, alles in allem 500 Euro im Monat pro Kind bekommen. 250 Euro Kindergeld und maximal 250 Euro Kinderzuschlag“, sagt Steidle. „Und dann auch noch Leistungen im Rahmen von Bildung und Teilhabe. Das ist zusammengenommen wirklich ein ordentliches Unterstützungspaket der Bundesregierung für Familien mit Kindern.“ Und im Juli gab’s auch schon mal einen einmaligen Kinderbonus.

Kinderbonus: Den gab’s schon automatisch im Juli

Einen von der Bundesregierung beschlossenen einmaligen Kinderbonus von 100 Euro je Kind, als Unterstützung in der laufenden Inflations- und Energiekrise, habe die Familienkasse bereits im Juli allen Haushalten überwiesen, die laufende Kindergeldauszahlungen erhalten, sagt Steidle. „Das lief automatisch, musste man nicht gesondert beantragen.“

Kindergeld, Kinderbonus, Kindersofortzuschlag, Kinderzuschlag: Eltern bekommen deutlich mehr Geld für ihren Nachwuchs. Das meiste davon landet „automatisch“ auf den Bankkonten, anderes muss gesondert beantragt werden.  „Viele wissen gar nicht, dass sie für den Kinderzuschlag infrage kommen beziehungsweise jetzt wegen der gestiegenen Energiekosten und Warmmieten Berechtigte geworden sind“, sagt Frank Steidle, Leiter der Familienkasse Baden-Württemberg Ost, die auch für Antragssteller aus dem

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