Rems-Murr-Kreis

Klasse wiederholen? Achtung wichtiger Stichtag!

Kopie von homeschooling
Symbolbild. © Pixabay

Achtung! Alle Schülerinnen und Schüler, die die Corona-Zeit mit ihrem nicht immer einfachen Unterrichtsformat nicht so gut überstanden haben, haben nur noch wenige Tage Zeit, um eine wichtige Entscheidung zu treffen. Es geht ums freiwillige Wiederholen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat die Entscheidung, die im letzten Schuljahr noch galt, revidiert: In diesem Schuljahr können Schülerinnen und Schüler, deren Notendurchschnitt nicht ausreichend ist, wieder sitzenbleiben. Im vergangenen Schuljahr wurden alle versetzt, ganz gleich, wie das Zeugnis aussah.

Wie im vergangenen Schuljahr jedoch gelten fürs freiwillige Wiederholen in diesem Schuljahr besondere Regeln. Freiwilliges Wiederholen gilt dank der Corona-Versetzungsordnung nicht als „Wiederholung wegen Nichtversetzung“. Die Regeln sind jetzt aber, da Sitzenbleiben wieder möglich ist, mit einem wichtigen Stichtag verbunden: Wer feststellt, dass die Noten nicht reichen werden, um in die nächste Klasse versetzt zu werden, muss seiner Schule bis einschließlich Montag, 15. März, gemeldet haben, dass das freiwillige Wiederholen gewählt wird.

Wer sich rechtzeitig entscheidet, hat einige Sicherheiten:

  • Die wiederholte Klasse könnte sogar nochmals, also ein drittes Mal gemacht werden.
  • Die Folgeklasse kann auch wiederholt werden.

Das freiwillige Wiederholen wird, so das Kultusministerium, außerdem auf Klassen ausgeweitet, die üblicherweise davon ausgeschlossen sind.

  • Es geht um die Klassenstufen 9 und 10 an Werkrealschulen und um die Abschlussklasse in der Gemeinschaftsschule.
  • Gymnasiasten haben außerdem die Möglichkeit, eine Jahrgangsstufe freiwillig zu wiederholen, ohne dass dies auf die Höchstverweildauer in der Oberstufe angerechnet wird.
  • Angehende Absolventinnen und Absolventen aller Schularten haben in diesem Schuljahr die Möglichkeit, noch bis eine Woche vor Prüfungsbeginn der ersten schriftlichen Prüfungen von der Prüfungsteilnahme insgesamt zurückzutreten. Von einzelnen Fächern kann nicht zurückgetreten werden. Wer sich dafür entscheidet, kann die Abschlussklasse wiederholen, ohne Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Da diese Regelungen für den Laien nicht einfach zu verstehen sind, empfiehlt es sich, in der Schule Rat zu suchen.

Auch wer sich nicht fürs freiwillige Wiederholen entschieden hat und dann sitzenbleibt, hat durch die Corona-Versetzungsordnung noch einige Möglichkeiten:

  • Die Versetzungsentscheidung kann verschoben werden. Das heißt, es kann erst im kommenden Schuljahr, spätestens zum Halbjahr, anhand der bis dahin erbrachten Leistungen entschieden werden, ob das vergangene Schuljahr wiederholt werden muss oder ob doch nicht. Heißt es zum Halbjahr, dass wiederholt werden muss, wechselt der Schüler zurück in die niedrigere Klasse.

Wer den Stichtag Montag, 15. März, versäumt hat, kann sich immer noch fürs freiwillige Wiederholen entscheiden. Allerdings: Die coronabedingten Vorteile gelten dann nur, wenn die Klasse am Ende des Schuljahres bestanden ist. Das heißt: Schülerinnen und Schüler, die das Klassenziel gerade noch so geschafft haben, die aber beschließen, die doch vorhandenen Wissenslücken lieber in einem zusätzlichen Schuljahr zu schließen, profitieren nach wie vor von der Corona-Versetzungsordnung. Wer von den Leistungen her sitzenbleiben würde, bleibt definitiv sitzen – mit allen Nachteilen, die sich aufs weitere Schulleben auswirken.

Trotz Empfehlung der Schule nicht wiederholt

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Schulleben wirft einige Schülerinnen und Schüler aus der Bahn – zwei Kinderärztinnen aus Fellbach haben deshalb schon einen Brandbrief an Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann geschrieben, den sehr viele Ärztinnen und Ärzte und Therapeutinnen und Therapeuten aus dem Rems-Murr-Kreis unterschrieben haben.

Das Kultusministerium erklärte schon im vergangenen Schuljahr, dass die Schülerinnen und Schüler keine Nachteile durch das Coronavirus haben dürften. Die Entscheidung, dass alle, unabhängig von den Leistungen, in die nächste Klasse versetzt werden sollten, schien zuerst eine angenehme Lösung. Doch schnell zeigten sich Nachteile: Die Kinder nahmen ihre teilweise großen Wissenslücken ins nächste Schuljahr mit. Die Probleme verschwanden nicht, sondern wurden eher noch größer.

Dass diese Entscheidung mit diesem Schuljahr wieder aufgehoben ist, ist demnach folgerichtig. Dass erneut ohne Nachteile freiwillig wiederholt werden kann, kommt den Schülerinnen und Schülern auch zugute. Wie viele Kinder und Jugendliche sich im vergangenen Schuljahr im Rems-Murr-Kreis fürs freiwillige Wiederholen entschieden haben, ist aber nicht bekannt. Es wird keine Statistik geführt. Sabine Hagenmüller-Gehring, Leiterin des Schulamts Backnang, kann daher nur die Tendenz beschreiben. Demnach wurde das freiwillige Wiederholen in den Grundschulen des Kreises im vergangenen Schuljahr „nur vereinzelt in Anspruch genommen“. Ob in diesem Schuljahr Kinder freiwillig wiederholen werden, dazu gebe es noch keine Rückmeldungen. Von Elternseite jedenfalls werde hier aktuell nicht nachgefragt. In den Werkrealschulen und Realschulen waren, so Sabine Hagenmüller-Gehring, im letzten Schuljahr einige Schülerinnen und Schüler vom Notenschnitt her eigentlich versetzungsgefährdet. Da Sitzenbleiben jedoch gestrichen worden war, wurde eine freiwillige Wiederholung zwar „häufig“ empfohlen, jedoch „von den Eltern nicht in dem Maße wahrgenommen, wie es seitens der Schule als sinnvoll erachtet wurde“.

Womöglich viele nicht informiert

Auffällig ist, dass das Thema „freiwillig wiederholen“ vom Kultusministerium sowohl im vergangenen Schuljahr als auch in diesem längst nicht so publik gemacht wurde, wie das gestrichene beziehungsweise wieder eingeführte Sitzenbleiben. So ist es gut möglich, dass Jugendliche, die, weil nicht versetzungsgefährdet, keine Empfehlung der Schule bekamen, bei denen aber die Noten durchaus auf Lücken schließen ließen, gar nicht wussten, dass sie „unschädlich“ – so bezeichnet es das Kultusministerium – wiederholen hätten können.

In den Schulen stehen jetzt die sogenannten Planungsgespräche an: Für das kommende Schuljahr werden die Schülerzahlen in den einzelnen Klassen berechnet. Sollten sich jetzt deutlich mehr Schülerinnen und Schüler fürs freiwillige Wiederholen entscheiden, kann das einige Auswirkungen in den Schulen haben. Die aufnehmenden Klassen können so voll werden, dass sie geteilt werden müssen. Sabine Hagenmüller-Gehring versichert dennoch: Wenn ein Schüler freiwillig wiederholen will, werde das von Seiten der Schule nicht abgelehnt. Nicht näher beschriebene Einzelfälle nimmt sie zwar aus. Die Begründung kann jedoch nicht die sein, dass nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer da seien, um eine neue Klasse aufzumachen. Die Aufgabe des Schulamts sei es, die Klassen, „die im nächsten Schuljahr aufgrund der Schülerzahlen gebildet werden müssen, mit Lehrerressourcen zu versorgen“.

Achtung! Alle Schülerinnen und Schüler, die die Corona-Zeit mit ihrem nicht immer einfachen Unterrichtsformat nicht so gut überstanden haben, haben nur noch wenige Tage Zeit, um eine wichtige Entscheidung zu treffen. Es geht ums freiwillige Wiederholen.

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat die Entscheidung, die im letzten Schuljahr noch galt, revidiert: In diesem Schuljahr können Schülerinnen und Schüler, deren Notendurchschnitt nicht ausreichend ist, wieder sitzenbleiben. Im

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