Rems-Murr-Kreis

Klimawandel im Rems-Murr-Kreis: Der Wald der Zukunft

Aufforstung Wald
Isabell Rudolph ist Forstwirtin im ersten Ausbildungsjahr und lernt in der Nähe von Gschwend. Hier hat sie unter Anleitung von Förster Hans-Joachim Bek im Wald bei Oppenweiler einen kahlen Hang bepflanzt. Gerade setzt sie eine Douglasie. © Gabriel Habermann

Der Hang im Wald bei Oppenweiler war mal ein Traum von Wald: Große, grüne Riesen – ein 120 Jahre alter Bestand – verströmten diese Atmosphäre, die die Menschen so lieben. Die Buchen sind hin. Die Fichten und die Tannen, die dort standen, ebenfalls. Hitze, Trockenheit und die jeweiligen Borkenkäfer, die den ohnehin schon durch die klimatischen Bedingungen geschwächten Bäumen vollends den Rest geben, haben die Fläche kahl werden lassen. Wüst und leer. Aber jetzt, jetzt wächst die Hoffnung.

Rund 1200 junge Bäume haben angehende Forstwirte auf den insgesamt etwa 8600 Quadratmetern gepflanzt. Jetzt im Frühjahr war das, auch wenn das eigentlich nicht die richtige Zeit ist, einen Baum zu pflanzen. Doch im November, dann, wenn der Fachmann normalerweise zur Schaufel greift, musste Förster Hans-Joachim Bek die Aktion wieder absagen: Es war viel zu trocken.

Die Forstwirt-Azubis haben Baumarten gepflanzt, die, so hofft Förster Bek, auch unter den veränderten klimatischen Bedingungen bestehen können. Die Buchen samen sich noch selbst aus – Naturverjüngung sagt der Fachmann dazu. Förster Bek hofft, dass diese jungen Bäume sich anpassen werden. Sie werden sicher nicht mehr so groß und hoch wie früher. Aber vielleicht schaffen sie es ja doch. Gezielt gepflanzt werden jetzt Bäume, die ursprünglich aus Gebieten kommen, in denen das Wasser rar ist. Die türkische Baumhasel etwa. Es sei, sagt Hans-Joachim Bek, ein Ausprobieren.

Der Hang, auf dem jetzt der neue Wald angepflanzt wurde, hat drei verschiedene Bodenzonen: Im Oberhang ist der Boden sandig-lehmig und gut durchwurzelbar. Hierher kamen Douglasien und Zedern. Auf halber Höhe wird der Boden tonig. Dorthin kamen Elsbeere, Esskastanie und die Baumhasel. Dort, wo der Tonanteil am höchsten ist, wurde die Traubeneiche gepflanzt. Sie komme, sagt Bek, mit ihrer Pfahlwurzel am besten in diese Schichten.

Jetzt müssen die Forstleute die jungen Bäumchen pflegen: In den ersten Jahren würden die Konkurrenzpflanzen, Holunder, Brombeere oder Weide, zurückgeschnitten. Gießen gehen die Förster nicht. Doch sie hoffen auf anhaltenden Landregen. Denn nur mit ausreichend Flüssigkeit können die Bäumchen gut anwachsen. Und dann dauert’s so ungefähr 20 bis 30 Jahre. Dann aber ist der Hang bei Oppenweiler hoffentlich wieder ein Traum von Wald.

Diese Bäume lassen hoffen: Die Förster sind auf der Suche nach neuen Baumarten für unseren Wald

Die Baumhasel: Laubbaum vom Balkan

Die Baumhasel ist der große Verwandte unseres Haselnussstrauches. Sie kommt ursprünglich vom Balkan, nämlich aus Bosnien-Herzegowina, Rumänien, der Türkei, dem Nordiran und Afghanistan. Sie wächst gut auf trockenen Standorten und wird daher für die Forstwirtschaft immer interessanter. Die Baumhasel liefert sehr wertvolles Holz, das, weil es kaum fault, sogar im Zusammenhang mit Wasser verbaut werden kann. Auch ihre Nüsse sind essbar. In ihrem ursprünglichen Herkunftsgebiet ist die Baumhasel in der Natur fast ausgerottet.

Die Esskastanie: Laubbaum vom Mittelmeer

Die Ess- oder Edelkastanie ist ein sommergrüner Baum, der etwa 25 Meter hoch wird. In Süd- und Westeuropa wird sie wegen ihrer essbaren Früchte und als Holzlieferant angebaut. Fachleute bezeichnen sie als „ökologisch wertvollen Joker“ im Klimawandel, denn sie kommt dank ihrer mediterranen Herkunft gut mit warmen Temperaturen zurecht und kann zudem auf trockenen Standorten wachsen. Die Esskastanie ist übrigens nicht mit der Rosskastanie verwandt, jenem Baum, dessen Früchte Kinder so gern sammeln.

Die Elsbeere: Heimischer Laubbaum

Die Elsbeere ist ein sommergrüner Laubbaum, der Wuchshöhen von 15 bis 25 Metern, im Wald manchmal über 30 Meter erreicht. Die Borke ist bei älteren Bäumen häufig aschgrau und kleinschuppig. Man kann die Borke der Elsbeere leicht mit einer Eichenrinde verwechseln. Im Frühjahr ist der Baum voller kleiner weißer Blüten, die dann zu kleinen apfelartigen Früchten werden. Das Holz ist eines der härtesten europäischen Hölzer und sehr wertvoll. Elsbeeren lieben es warm und sind daher eine große Hoffnung in Bezug auf den Klimawandel. 

Die Traubeneiche: Laubbaum aus Mitteleuropa

Die Traubeneiche ist kein Neuankömmling im heimischen Wald. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Italien und Nordgriechenland bis zu den Britischen Inseln und Südskandinavien. Sie wächst von Nordspanien bis Polen, Südwestrussland und dem Schwarzen Meer bis zum nördlichen Iran. Sie verträgt Hitzeperioden und trockene Böden. Im Klimawandel mit der Zunahme von Witterungsextremen und einer zunehmenden Sommertrockenheit wird ihr daher von Fachleuten eine größere Bedeutung zugemessen als der bei uns üblicheren Stieleiche. 

Die Douglasie: Nadelbaum aus Nordamerika

Die Douglasie ist ein immergrüner Nadelbaum. In Europa erreicht sie Wuchshöhen um 60 Meter. Die Nadeln sind grün bis blaugrün, einzeln stehend, weich und stumpf. Sie sind drei bis vier Zentimeter lang und verströmen, wenn man sie zerreibt, einen aromatischen, zitronenartigen Geruch. Die Douglasie kann auch auf trockeneren Standorten wachsen. Die jungen Pflanzen vertragen Beschattung recht gut. Sie wächst schnell – das macht sie für die Forstwirtschaft interessant. Das Holz wird in der Möbelschreinerei und beim Bau verwendet. 

Die Atlaszeder: Nadelbaum vom Mittelmeer

Zedern gehören zur Pflanzenfamilie der Kiefern. Zedern sind große, immergrüne Bäume, die eine breite Baumkrone ausbilden. Sie brauchen viel Sonnenlicht. Im Vergleich mit anderen Kiefernarten kommen sie mit wenig Niederschlag aus und vertragen Dürreperioden und Hitze. Das macht sie zu einem hervorragenden Gehölz für trockene Süd- und Westhänge. Die Nadeln sind sehr borstig und spitz, daher brauchen die jungen Bäume keinen Verbiss-Schutz. Das Holz ist leicht zu bearbeiten und dauerhaft und war daher früher im Schiffsbau sehr beliebt. 

Der Hang im Wald bei Oppenweiler war mal ein Traum von Wald: Große, grüne Riesen – ein 120 Jahre alter Bestand – verströmten diese Atmosphäre, die die Menschen so lieben. Die Buchen sind hin. Die Fichten und die Tannen, die dort standen, ebenfalls. Hitze, Trockenheit und die jeweiligen Borkenkäfer, die den ohnehin schon durch die klimatischen Bedingungen geschwächten Bäumen vollends den Rest geben, haben die Fläche kahl werden lassen. Wüst und leer. Aber jetzt, jetzt wächst die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper