Rems-Murr-Kreis

Kontrollen im Rems-Murr-Kreis: Motorradfahrer im Fokus der Verkehrspolizei

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Ein Biker bei der Kontrolle am Samstagnachmittag. © Gabriel Habermann

Mit dem Dauerproblem Motorradraser hat sich die Backnanger Verkehrspolizei am Samstagnachmittag (14.05.) an der B 14 zwischen Sulzbach an der Murr und Großerlach beschäftigt. Die Strecke an der Fischbachkurve, mit der auf der Internetplattform Youtube mit einem Raservideo samt riskanten  Überholmanövern geprahlt wird, gehört zu den Unfallschwerpunkten im Rems-Murr-Kreis.

Optimales Wetter für Biker

Die Polizeibeamten um den Leiter der Backnanger Verkehrspolizei, Volker Nied, kamen teilweise selbst mit dem Motorrad, um basierend auf den drei E-Säulen allgemeine Kontrollen zu machen: Engineering (Verkehrszeichen und bauliche Dinge), Education (Verkehrserziehung) und Enforcement (Verkehrsüberwachung).  An der B 14, wo 60 bis 70 km/h gefahren werden darf, war der Anhalteposten stationiert, der die Biker mit der Kelle herauswinkte und in einen Feldweg hinter die Büsche schickte. Das Sommerwetter am Wochenende war optimal für Motorradkontrollen.

Wer den sogenannten dB-Eater (Dezibel-Fresser oder Schalldämpfer) abgeschraubt hatte, weil ihm sein Motorrad nicht laut genug sein kann, war schon von weitem zu hören. „Führerschein und Fahrzeugschein bitte“, hieß es an der Kontrollstelle. Ihre Dokumente hatten die meisten Biker dabei, auch wenn sie den Führerschein nicht immer gleich fanden. Mit der Frage „Gibt es irgendwelche Veränderungen?“ ging es ans Eingemachte bei den heißen Öfen, wobei Polizeioberkommissar Jochen Reber, selbst Motorradfahrer und im Kompetenzteam Motorrad des Landes Baden-Württemberg, mit geschultem technischen Blick vorging.

Die Kirche im Dorf lassen

An der Ducati eines Heilbronners wurde das Kennzeichen schon zum zweiten Mal an derselben Stelle beanstandet. Er fand es „schon krass“, dass er eine Mängelkarte bekam, weil der Winkel des Nummernschildes nicht stimmte. Mit der Karte muss er jetzt zu einem Händler, der dem Landratsamt meldet, wenn das Schild korrekt sitzt. Sieben Werktage ist dafür Zeit. Seine Ausfahrt durfte der Heilbronner trotzdem fortsetzen. Die Polizei schickte ihn nicht gleich heim. Denn irgendwo, meinte Jochen Reber, müsse man die Kirche auch noch im Dorf lassen. Der Biker aus Heilbronn gehörte nicht zu der Minderheit, die gewöhnlich die Sulzbacher Steige rauf- und runterbrettert und über die sich die Anwohner immer so aufregen (wir berichteten). Jochen Reber hat aber auch schon einen jungen Mann aus dem Verkehr gezogen, an dessen Maschine rein gar nichts passte, und den Fahrer zur Nachschulung geschickt.

Motorräder sehen Sulzbach und Großerlach besonders an den  Wochenenden viele, aber die meisten kommen nach der Erfahrung der Verkehrspolizisten aus der älteren Generation. Die 62-jährige Monika Schmidt zum Beispiel kam aus Rothenburg ob der Tauber angefahren und war auf dem Weg zu ihrer Freundin nach Asperg. „Bei mir war alles korrekt und ich hab' von der Polizei nur Lob gekriegt“, schwang sie sich wieder über ihr Rollenköfferchen und die Satteltaschen auf ihre Yamaha Baujahr 1997. Beim gepflegten Abdüsen ließ die Rothenburgerin noch die Bemerkung fallen, dass sie es gar nicht gut findet, wenn das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit dem Gasgeben auf dem Motorrad kompensiert wird.

„Brauchst du meine Brille?“, rief die Stuttgarterin Katja Bode ihrem Partner zu, der bei der Kontrolle nach seinen Papieren kramte. So etwas hatte ihm am Samstag gerade noch gefehlt, nachdem er auf seiner Ausfahrt zur Burg Stettenfels einen Anruf bekommen hatte, er soll schnell kommen, bei seinen Eltern sei eingebrochen worden. Als er endlich weiterfahren durfte, machten schon die ersten Handyfotos die Runde und die Biker warnten sich auf der B 14 auch mit Zeichen gegenseitig vor der Kontrollstelle.

Somit war Zeit für einen Standortwechsel der Verkehrspolizei, welche die beliebtesten Strecken der Motorradfahrer natürlich kennt. Ihre Ergebnisse, die sie nächste Woche veröffentlicht, fließen in ein Gutachten zum Thema Verkehrsgefährdung und Lärmbelästigung durch Motorräder ein, welches die Gemeinden, das Verkehrsministerium, das Regierungspräsidium, das Polizeipräsidium und das Landratsamt in Auftrag gegeben haben. Ziel ist es die Strecke für Motorradraser unattraktiver zu machen. Das Gutachten soll bis zum Frühjahr nächsten Jahres fertig sein.

Mit dem Dauerproblem Motorradraser hat sich die Backnanger Verkehrspolizei am Samstagnachmittag (14.05.) an der B 14 zwischen Sulzbach an der Murr und Großerlach beschäftigt. Die Strecke an der Fischbachkurve, mit der auf der Internetplattform Youtube mit einem Raservideo samt riskanten  Überholmanövern geprahlt wird, gehört zu den Unfallschwerpunkten im Rems-Murr-Kreis.

Optimales Wetter für Biker

Die Polizeibeamten um den Leiter der Backnanger Verkehrspolizei, Volker Nied,

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