Rems-Murr-Kreis

Korb: So sparen Sie Sprit beim Autofahren – Tipps von Fahrlehrer Bernd Gutbrod

FahrschuleGutbrod
Bernd Gutbrod, Inhaber der Fahschule Gutbrod in Korb, auf dem ehemaligen Klett-Firmengelände. © Gaby Schneider

Wer Anfang dieses Jahres im Rems-Murr-Kreis zur Tankstelle fuhr, musste ordentlich schlucken. Bei Spritpreisen von über 2 Euro ächzten Autofahrerinnen und Autofahrer. Mittlerweile sind die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen zwar gesunken, sie bleiben aber weiterhin auf einem hohen Niveau.

Da der Spritverbrauch im Winter höher ist, als im Sommer, ist es gut, zu wissen, wie man seine Fahrweise optimieren und dadurch Sprit sparen kann. Bernd Gutbrod, Inhaber und Fahrlehrer der Fahrschule Gutbrod in Korb, hat Tipps dazu.

Warum Sie das Auto im Winter nicht warmlaufen lassen sollten

Sind die Fensterscheiben im Winter vereist, lässt der ein oder andere gerne mal den Motor warmlaufen. Das ist nach §1 der Straßenverkehrsordnung verboten. Die Begründung: unnötige Belästigung anderer. Außerdem wird dadurch die Umwelt zusätzlich verschmutzt. Das Warmlaufenlassen sorgt aber auch für einen höheren Spritverbrauch. Bernd Gutbrod rät dazu, die Scheiben frei zu kratzen oder ein Enteiser-Spray zu verwenden. Was man auf keinen Fall tun und sollte, ist, heißes Wasser auf die Scheiben gießen. Dadurch riskiert man, dass diese springen.

Der ADAC hat dazu einen Test durchgeführt. Das Ergebnis: Nach vier Minuten Warmlaufenlassen bei einer Außentemperatur von -10 Grad Celsius hat das Motoröl erst eine Temperatur von -7 Grad erreicht. Dafür wurden jedoch bereits etwa 0,1 Liter Benzin verbrannt.

Fahren Sie vorausschauend

In der Fahrschule lernt man, dass der Spritverbrauch umso höher ist, je schneller man fährt. Das liegt daran, dass das Auto mehr Fahrtwind und auch mehr Rollwiderstand hat. Der Rollwiderstand ist die Kraft, die beim Abrollen des Reifens entsteht. „Das A und O beim Spritsparen ist das vorausschauende Fahren“, sagt Bernd Gutbrod. Wenn Sie schon von Weitem sehen, dass die Ampel rot ist, sollten Sie kein Gas geben. Dasselbe gilt für die Richtgeschwindigkeit.

Befinden Sie sich zum Beispiel eine Weile auf einer Strecke, auf der 70 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass bald ein 50er-Schild folgt. Daher sollten Sie beim Fahren ihren Blick so weit wie möglich nach vorne richten. Sobald Sie das 50er Schild erkennen, gilt: Fuß vom Gas, Geschwindigkeit anpassen und das Auto ausrollen lassen. „Dabei kann man wahnsinnig viel Sprit sparen.“

Lohnt es sich, den Motor bei längerem Stehen auszumachen?

Fahren Sie an eine Ampel, die eben erst rot geworden ist und Sie wissen, dass an dieser Ampel etwas länger gewartet werden muss, können Sie den Motor ausmachen. Das lohnt sich insbesondere, wenn Ihr Wagen der zweite oder dritte an der Ampel ist. Aber Achtung: Schalten sie den Motor zu oft aus und wieder an, kann das den Anlasser belasten.

Darum verbraucht das Anfahren mehr Sprit

Die Ampel wird rot und sie sind noch in einiger Entfernung? Schalten Sie in den zweiten Gang und lassen das Auto rollen. Mit etwas Glück wird die Ampel grün, bevor Sie zum Stillstand kommen. Das Anfahren verbraucht nämlich besonders viel Sprit, erklärt Bernd Gutbrod.

Warum das so ist, erklärt der Profi an einem Beispiel: Stellen Sie ihr Auto auf einem ebenen Parkplatz ab, nehmen Sie den Gang raus und lösen Sie die Handbremse. Versuchen Sie anschließend, das Auto anzuschieben. Sie werden sehen, dass Sie am Anfang viel Kraft benötigen, um das Auto in Gang zu kriegen. Rollt der Wagen erst einmal, ist es relativ einfach, ihn mit wenig Kraftaufwand am Laufen zu halten. Dasselbe gilt beim Anfahren.

Was Sie allerdings nicht tun sollten, ist, den Wagen im Leerlauf zur Ampel rollen zu lassen. Lassen Sie lieber den zweiten Gang drin, ohne Gas zu geben. Bei modernen Autos ist es so, dass dann kein Benzin in den Motor fließt. Nehmen Sie aber den Gang raus und lassen das Auto weiterrollen, muss dem Motor Sprit zugeführt werden, damit er nicht ausgeht.

Sie stehen an einer Ampel und sie wird grün. Hier gilt: Gas geben, um zügig auf die Geschwindigkeit zu kommen. Wer lange wenig beschleunigt, verbraucht mehr Sprit.

Schalten Sie rechtzeitig in den nächsthöheren Gang

Beim Schalten gilt: Orientieren Sie sich am Drehzahlmesser. Dabei sollten Sie darauf achten, immer im Bereich zwischen eins und zwei zu bleiben. Sobald die Anzeige über zwei geht, sollten Sie in den nächsthöheren Gang schalten – und möglichst alle Gänge ausnutzen. Zurückschalten sollten Sie erst, wenn der Motor zu ruckeln beginnt.

Warum Sie Stoßzeiten vermeiden sollten

„Extrem tödlich für das Spritsparen ist das Stop-and-Go, also das ständige Anfahren und Anhalten“, erklärt Bernd Gutbrod. Dabei wird viel Sprit verbraucht. Hier gebe es einen kleinen Trick, wie man dennoch ein wenig sparen könne. Das muss aber die Verkehrssituation zulassen: Wenn sich vor Ihnen eine größere Lücke zum vorderen Auto auftut, bleiben Sie einfach im ersten Gang und lassen den Wagen rollen, ohne Gas zu geben. Im Idealfall kommen Sie nicht zum Stillstand und rollen langsam immer weiter.

Eine andere Option ist, Stoßzeiten zu vermeiden. In der Regel ist freitags auf den Straßen wegen des Berufsverkehrs zwischen 13 und 15 Uhr viel los. Wenn Sie nicht unbedingt zu dieser Zeit fahren müssen, verlegen Sie ihre Fahrt auf einen früheren oder späteren Zeitpunkt.

Bei kurzen Strecken sollten Sie das Autofahren am besten ganz stehen lassen. Ist der Motor kalt, verbraucht Ihr Auto nämlich am meisten Sprit.

Prüfen Sie regelmäßig Ihren Reifendruck und wechseln Sie rechtzeitig die Reifen

Der Reifendruck sollte mindestens alle zwei Wochen überprüft werden, sagt Bernd Gutbrod. Dabei kommt es auch darauf an, wie häufig Sie fahren und wie alt der Reifen ist. Je älter der Reifen, desto höher kann der Luftdruckverlust sein. Hat Ihr Reifen zu wenig Luft, ist der Rollwiderstand größer und der Benzinverbrauch höher.

Lohnt es sich, Ganzjahresreifen zu verwenden?

Nicht nur wegen der Sicherheit sollten Sie rechtzeitig Sommerreifen im Sommer und Winterreifen im Winter aufziehen. Weil Winterreifen ein gröberes Profil und deswegen auch einen höheren Rollwiderstand haben, verbrauchen sie mehr Kraftstoff.

Beim Reifenkauf sollten Sie auf das Energielabel achten. Ähnlich wie bei Haushaltsgeräten, müssen auch Reifen seit 2012 mit einem Label gekennzeichnet sein. Damit lassen sich die Reifen untereinander vergleichen. Bernd Gutbrod rät dazu, lieber ein paar Euro mehr auszugeben, und einen Reifen zu haben, mit dem man Sprit spart.

Vermeiden Sie unnötiges Gewicht

Dachgepäckträger, Ski-Boxen oder Fahrradträger sollten Sie nur dann am Auto anbringen, wenn Sie sie nutzen. Ansonsten erhöhen Sie wegen des höheren Luftwiderstands unnötig den Spritverbrauch.

Laut ADAC steigt der Spritverbrauch bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h bereits um rund elf Prozent, wenn Sie eine Dachbox mitführen. Bei 130 km/h sogar um bis zu zwei Liter pro 100 Kilometer.

Aus demselben Grund sollten Sie übrigens – wenn möglich – mit geschlossenen Fenstern fahren. Zusätzlich sollten Sie unnötigen Ballast, der sich im Kofferraum befindet, entfernen. Auch das kann Sprit sparen.  

Wie sieht es mit dem Spritverbrauch bei elektronischen Geräten aus?

Sich im Winter in einen kalten Wagen setzen, mag niemand. Wer die Möglichkeit hat, schaltet die Sitzheizung, Front- und Heckscheibenheizung ein. „Der Strom kommt aber nicht nur über die Batterie“, weiß Bernd Gutbrod. Er wird zusätzlich über die Lichtmaschine, über den Generator erzeugt – ähnlich wie beim Dynamo am Fahrrad. Je mehr elektrische Verbraucher zum Einsatz kommen, desto höher der Spritverbrauch. Das gilt übrigens auch für Radio, Navi oder Ladegeräte. Laut ADAC können elektrische Verbraucher bis zu einem Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer schlucken.

Sind Automatikautos spritsparender als Autos mit Schaltgetriebe?

„Wir haben das tatsächlich schon getestet“, sagt Bernd Gutbrod. Mit zwei identischen Fahrzeugen, einmal mit Schaltgetriebe und einmal mit Automatik, haben er und ein Kollege den Spritverbrauch geprüft. Das Automatik-Auto habe tatsächlich etwas weniger Kraftstoff verbraucht. "Das liegt daran, dass der Computer genauer als der Mensch einschätzen kann, wann hochgeschaltet werden muss".

Wer Anfang dieses Jahres im Rems-Murr-Kreis zur Tankstelle fuhr, musste ordentlich schlucken. Bei Spritpreisen von über 2 Euro ächzten Autofahrerinnen und Autofahrer. Mittlerweile sind die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen zwar gesunken, sie bleiben aber weiterhin auf einem hohen Niveau.

Da der Spritverbrauch im Winter höher ist, als im Sommer, ist es gut, zu wissen, wie man seine Fahrweise optimieren und dadurch Sprit sparen kann. Bernd Gutbrod, Inhaber und Fahrlehrer der Fahrschule

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