Rems-Murr-Kreis

Krebskranke Seniorin aus Waiblingen hat seit über vier Wochen Corona: Was tun?

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Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Daniela D. ist verzweifelt. Gerade hat sie erneut einen Corona-Antigen-Schnelltest bei ihrer 86-jährigen Mutter gemacht. Und wieder zerstören zwei Striche auf dem Testkit die Hoffnung auf ein bisschen Normalität. Denn die Seniorin ist seit 14. April coronapositiv, also seit mehr als einem Monat. Seither sind Mutter und Tochter in der kleinen Zweizimmerwohnung der Seniorin in Waiblingen quasi gefangen.

Vermutlich wird das geschwächte Immunsystem der alten Dame nicht mit dem Virus fertig, denn sie hat seit 2015 chronisch-lymphatische Leukämie. Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine Ausartung an der Lunge diagnostiziert. Daniela D. befürchtet, dass ihre Mutter nicht mehr lange lebt – und das macht die aktuelle Situation umso schwieriger. „Gerade die letzte Zeit sollte doch eine gute Lebensqualität haben.“ Anstatt noch einmal den Frühling draußen erleben zu dürfen, sitzt ihre Mutter nun in der Wohnung fest. Weder Friseur noch Fußpflege können ins Haus kommen, und selbst der eigene Sohn darf nicht hinein.

Betroffene wissen nicht, was tun

Die Einzige, die sich im Moment um die Seniorin kümmern kann, ist Daniela D. „Ich hatte mich am Anfang angesteckt, bin inzwischen genesen und hoffentlich zumindest eine Weile immun“, sagt sie. Sie hat bei der Arbeit zu Beginn der Infektion 20 Tage Pflegezeit in Anspruch genommen, um sich um ihre Mutter zu kümmern. Inzwischen hat sie ihr Home-Office in der kleinen Wohnung eingerichtet.

Schlimm sei nicht nur das Eingesperrtsein, sondern vor allem auch, nicht zu wissen, wie es weitergeht. Und natürlich die Angst, die sie täglich begleitet: „Ich hoffe, meine Mutter muss nicht wegen einer ihrer Erkrankungen ins Krankenhaus, denn dort müsste sie isoliert werden.“

Verlängerte Corona-Verläufe bei Tumorpatienten

Henry Simon, kommissarischer Oberarzt an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin des Rems-Murr-Klinikums Winnenden, bestätigt, dass es solche Fälle gibt, insbesondere bei Tumorpatienten. Bundesweite Zahlen seien ihm aber nicht bekannt. „Sind unsere Patienten PCR-positiv und onkologisch behandlungsbedürftig, so wird eine dringliche Behandlung auch durchgeführt, dann aber unter entsprechenden Isolationsbedingungen.“ Dies werde dann mit den Patienten und Angehörigen intensiv besprochen.

In seltenen Fällen sind Patienten länger in der Klinik geblieben, als notwendig gewesen wäre, weil eine Neuaufnahme in ein Pflegeheim oder Hospiz organisiert werden musste. Die Kurzzeitpflege oder die Aufnahmen von PCR-positiven Patienten in ein Hospiz würden in der Regel nämlich abgelehnt. „Es ist im Verlauf aber immer eine Lösung mit den Sozialdiensten und Pflegeeinrichtungen gefunden worden.“ Die Rems-Murr-Kliniken empfehlen, bei anhaltend positiven Antigentests auch einmal Tests anderer Hersteller zu verwenden.

Welche Regeln gelten bei verlängerten Corona-Verläufen?

Doch was tun, wenn der Schnelltest partout nicht negativ werden will? Welche Regeln gelten?

Laut der Corona-Verordnung Absonderung muss, wer sich mit dem Coronavirus ansteckt, seit Anfang Mai nur noch für fünf Tage in Isolation. Wer nach fünf Tagen für mindestens 48 Stunden ohne Symptome ist, darf die Isolation beenden. Automatisch endet die Isolation einer positiv auf das Coronavirus getesteten Person nach zehn Tagen. „Ein weiteres positives PCR- oder Schnelltestergebnis begründet bis zum 15. Tag nach dem Erstnachweis des Erregers auch keine erneute Absonderungspflicht“, sagt ein Sprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration. „Sollte an Tag 16, sprich erneut Tag null nach der Verordnung, wieder ein positives Ergebnis vorliegen, dann beginnt der Absonderungszeitraum erneut.“ Eine Pflicht zur erneuten Testung bestehe jedenfalls am Ende der Absonderung nicht, da die Absonderung automatisch endet. Wird getestet und das Ergebnis bleibt anhaltend positiv, könne das zuständige Gesundheitsamt in Einzelfällen hiervon Ausnahmen zulassen.

Gesundheitsamt will den Einzelfall beurteilen

„In dem konkreten Fall ist eine Einzelfallbeurteilung sinnvoll und nach Einschätzung des Gesundheitsamts angemessen“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts. In solchen oder ähnlichen Fällen sollte sich die betroffene Person oder deren Familienangehörige direkt mit dem Gesundheitsamt in Verbindung setzen (per E-Mail an corona@rems-murr-kreis.de). Eine „Pauschallösung“ gebe es in solchen Fällen nicht, da jeder einzelne Fall separat mit dem entsprechenden Hintergrundwissen beurteilt werden muss.

Bei einer 86-jährigen Person mit Vorerkrankungen hält das Gesundheitsamt Rems-Murr einen verlängerten Krankheitsverlauf und eine möglicherweise weiterhin vorhandene Ansteckungsfähigkeit für denkbar. Bis das weitere Vorgehen geklärt ist, hält das Gesundheitsamt eine Selbstisolation für angemessen.

Generell sei in diesem Fall auch eine Abklärung über einen weiteren PCR-Test denkbar, um die positiven Ergebnisse der Selbsttests besser einschätzen und deren tatsächliche Bedeutung für das weitere Vorgehen beurteilen zu können. Sollte dieser PCR-Test erneut positiv ausfallen, müsse das Ergebnis erneut durch das Gesundheitsamt beurteilt werden. Anschließend kann auch über das weitere Vorgehen sowie die zu treffenden Maßnahmen entschieden werden. Beim Vorliegen weiterhin unklarer Befunde könne auch ein zweiter PCR-Test in einem entsprechenden Abstand notwendig werden, um die Infektion im Verlauf zu beurteilen.

Daniela D. ist verzweifelt. Gerade hat sie erneut einen Corona-Antigen-Schnelltest bei ihrer 86-jährigen Mutter gemacht. Und wieder zerstören zwei Striche auf dem Testkit die Hoffnung auf ein bisschen Normalität. Denn die Seniorin ist seit 14. April coronapositiv, also seit mehr als einem Monat. Seither sind Mutter und Tochter in der kleinen Zweizimmerwohnung der Seniorin in Waiblingen quasi gefangen.

Vermutlich wird das geschwächte Immunsystem der alten Dame nicht mit dem Virus

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