Rems-Murr-Kreis

Kreisbau will 500 bezahlbare Wohnungen schaffen

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Symbolbild. © Pixabay.com/CC0 Creative Commons

Waiblingen. 500 bezahlbare Wohnungen zu schaffen, hat sich die Kreisbau für die nächsten zehn Jahre vorgenommen. Wohnraum ist knapp, knapper denn je, sagte Geschäftsführer Dirk Braune am Montag bei einem Pressegespräch zum Geschäftsjahr 2017. Der Landkreis Rems-Murr unterstützt das ambitionierte Vorhaben mit einer Kapitalspritze von zehn Millionen Euro.

„Wir sind höchst zufrieden mit der Entwicklung der Kreisbaugruppe“, sagte Landrat Richard Sigel als Aufsichtsratsvorsitzender der Kreisbau. Die Wohnbau-Offensive verfolge zwei Ziele: zum einen 500 neue Wohnungen zu schaffen. Nicht nur Sozialwohnungen, betonte Sigel, sondern vor allem bezahlbaren Wohnraum. Er wies auf den dringenden Bedarf beispielsweise der Beschäftigten in den Kliniken hin. Auch der demografische Wandel – mehr ältere Singlehaushalte – schafft zusätzlichen Bedarf nach Wohnraum.

Die Kreisbaugruppe ist gewaltig gewachsen

Zum anderen erneuert die Kreisbau ihren Wohnungsbestand, der derzeit rund 720 Mietwohnungen umfasst. Es werde Wert darauf gelegt, dass dies auch im Sinne des Klimaschutzprogrammes des Kreises geschieht, die Wohnungen also auf Energieeffizienz gedrillt werden, und zudem barrierefrei umgestaltet werden.

Beispielhaft könnte die Überbauung der sanierungsreifen Tiefgarage auf dem ehemaligen Krankenhausgelände in Backnang werden. Die Kreisbau plant, die heutige „ökologische Leiche“ (Braune) zu einer grünen Oase umzugestalten. Die Wohnungen in den Holzhäusern in Leichtbauweise von Werner Sobek werden auf die Tiefgarage gesetzt und von dort barrierefrei zu erreichen sein.

Die Kreisbaugruppe ist in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten gewaltig gewachsen und hat ihre Tätigkeit ausgeweitet, wies Geschäftsführer Dirk Braune auf die Bilanzsumme von heute 220 Millionen Euro hin im Vergleich zu rund 30 Millionen Euro im Jahr 2002.

Gebündelte Immobilientätigkeiten

In diesem Jahr werde die Bilanzsumme nahezu auf eine Viertelmilliarde anschwellen, kündigte Braune an. Die Kreisbau ist mehr als eine Wohnungsbaugesellschaft mit 720 eigenen Mietwohnungen und Immobilienbewirtschaftung für 160 Eigentümergemeinschaften (3000 Wohnungen). Die Kreisbau-Gruppe betreibt drei Gesundheitszentren in Schorndorf, Winnenden und Backnang, managt den Unterhalt der kreiseigenen Immobilien wie zum Beispiel der drei Berufsschulzentren und hat federführend die Unterbringung der Flüchtlinge organisiert.

In der Kreisbaugruppe hat der Rems-Murr-Kreis seine gesamten Immobilientätigkeiten gebündelt, weshalb der Kreis (Anteil 92 Prozent) anstrebt, den Streubesitz von heute acht auf künftig fünf Prozent in der Hand von strategischen Investoren, namentlich Banken, zu verringern.

Braune und Sigel verstehen die Aufgaben der Kreisbau strategisch auch in dem Sinne, die Städte und Gemeinden zu entlasten und für sie Wohnungsbau zu betreiben. Das Kreisbaumodell für bezahlbaren Wohnraum sieht vor, dass die Kommunen in Erbpacht Grundstücke zur Verfügung stellen und im Gegenzug Wohnungen belegen können – oder einen Kindergarten im Gebäude erhalten.

So beispielsweise auf dem Waiblinger Klinikareal, wo am Montag der Spatenstich für die Bebauung stattfand. Großen Wert legt Braune darauf, mit anderen Wohnungs-Unternehmen zu kooperieren, wie die Bebauung der Krankenhausgelände in Backnang und Waiblingen durch mehrere Bauträger zeigt.

Genossenschaftsmodell für private Kapitalanleger

Wie notwendig die Zusammenarbeit mit privaten Investoren auf dem Wohnungsmarkt ist, verdeutlichte Braune an einer Zahl: In den nächsten Jahren benötigt der Rems-Murr-Kreis 5000 neue Wohnungen.

Die Kreisbau gerät mit ihren 500 zu bauenden Wohnungen bereits an ihre Grenzen. Schon vor Jahren hatte Braune die Idee ins Spiel gebracht, Bürger mit kleineren Summen als Kapitalanleger für den Wohnungsbau zu gewinnen. „Wir schaffen die Referenzobjekte“, kündigte Braune am Montag an, dass die Kreisbau an einem Genossenschaftsmodell arbeite.


Die Kreisbaugruppe

Unter dem Dach der Kreisbaugruppe sind drei Gesellschaften mit drei Geschäftsfeldern: Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH, die Rems-Murr-Kreis-Immobilien-Management GmbH (RMIM) und die Rems-Murr-Gesundheits GmbH & Co. KG (RMG). Beschäftigt werden 92 feste Mitarbeiter. Der Jahresüberschuss betrug rund zwei Millionen Euro.

Seit 1949 steht die Kreisbaugesellschaft für die Erstellung von Wohnungen. Aktuell vermietet und verwaltet die Kreisbau einen Mietwohnungsbestand von etwa 730 Wohnungen. Hinzu kommen circa 3000 Wohn- und Gewerbeeinheiten, die für Wohnungseigentümergemeinschaften und andere Eigentümer verwaltet werden. 2017 wurden 20,3 Millionen Euro investiert. Der Jahresüberschuss betrug rund 1,8 Mio. Euro (Vorjahr 3,9 Mio. Euro).

Die RMIM wurde im Jahr 2005 als 100-prozentige Tochter der Kreisbaugesellschaft Waiblingen gegründet. Ihr Gesellschaftszweck ist die Betreuung und Erstellung kreiseigener und vom Landkreis genutzter Liegenschaften.

Die RMG wurde 2004 gegründet und sichert die medizinische, pflegerische und therapeutische Infrastruktur für die Menschen im Rems-Murr-Kreis. Die RMG betreibt aktuell Gesundheitszentren in Backnang, Schorndorf und Winnenden. Die Geze Winnenden GbR betreibt das Gesundheitszentrum am Rems-Murr-Klinikum in Winnenden.