Rems-Murr-Kreis

Kriselnder Automobilzulieferer Mahle eröffnet E-Antriebe-Prüfstand in Fellbach: Neue Arbeitsplätze entstehen dort "eher nicht"

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Eingespannt zwischen zwei Lastmaschinen wird im Prüfstand von Mahle in Fellbach ein E-Antrieb unter realen Fahrbedingungen untersucht. © Mahle

Inmitten eines großen strukturellen Konzernumbaus (weltweit sind laut offziellen Konzernangaben 7600 Stellen in Gefahr, davon 2000 in Deutschland) hat der Automobilzulieferer Mahle in Fellbach gegenüber dem Bahnhof einen Prüfstand für E-Antriebe eröffnet. Ein Sprecher des Unternehmens gab dieser Zeitung gegenüber unumwunden zu, neue Arbeitsplätze seien dadurch zwar "eher nicht" entstanden, „aber das Invest von rund drei Millionen Euro in Fellbach ist nach der Eröffnung unseres neuen Technologiezentrums für Elektronik und Mechatronik in Kornwestheim vor einigen Wochen ein weiteres klares Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg.“ Zudem sei der Prüfstand Musterbeispiel für die Transformation weg vom Verbrennungsmotor hin zur E-Mobilität, die auch Mahle offensiv mit vorantreibe.

Auf dem Prüfstand werden „künftig E-Achsen und E-Antriebsaggregate für ein breites Spektrum von Elektro- und Hybridfahrzeugen entwickelt und erprobt“, so eine Mitteilung des Unternehmens. Vor wenigen Tagen konnte der erste Test eines Aggregates für einen Kunden erfolgreich abgeschlossen werden. Um welchen Kunden es sich handelt, wollte das Unternehmen nicht preisgeben.  Zum Traditionskundenstamm gehört zum Beispiel Daimler.

„Mit der Inbetriebnahme des Prüfstands baut MAHLE sein globales Leistungsspektrum für die E-Mobilität gezielt weiter aus“, sagt Dr. Martin Berger, Leiter Forschung und Vorausentwicklung bei Mahle. „Sowohl unsere Kunden als auch unsere eigenen Entwickler können nun von einer höchst modernen Anlage profitieren, von der es in Deutschland nur sehr wenige gibt.“

Auf dem neuen E-Prüfstand in Fellbach werden künftig für internationale Kunden Funktionsentwicklung, die Simulation von hochdynamischen transienten Betriebsarten, Effizienzmessungen aber auch Torque Vectoring und Radschlupfsimulationen durchgeführt. Auch die Applikation und Bedatung von Kennfeldern, der Test von Hoch und Niedervoltsystemen und die Untersuchung thermischer Einflüsse gehören zum Leistungsumfang. Zudem können Mahle-Komponenten dort im Systemkontext erprobt werden.

Streit mit der IG-Metall

Derweil hat die Gewerkschaft IG Metall kurz vor dem 100. Geburtstag des kriselnden Autozulieferers (1. Dezember) das Verhältnis zwischen Mahle-Konzernführung und einem Großteil der Mitarbeiter als schlecht bezeichnet, berichtet die dpa. "In der Belegschaft gibt es erhebliche Zweifel, ob die Firmenleitung wirklich den Willen hat, den Laden zukunftsfähig aufzustellen", sagte Martin Röll, Mitglied der Geschäftsführung bei der IG Metall Stuttgart, der Deutschen Presse-Agentur. Das Vertrauen in die Führung sei nach seinem Eindruck "deutlich geringer als bei manch anderen großen Firmen, auch wenn es überall Ärger und Kritik gibt."

Arbeitnehmervertreter werfen Mahle laut dpa vor, sich zu spät und zu unentschlossen auf die neuen Erfordernisse umgestellt zu haben. Auch handle das Unternehmen beim angekündigten Abbau von 2000 Stellen in Deutschland nicht transparent, verlagere etwa unter dem Deckmantel der Transformation viele Arbeitsplätze ins billige Osteuropa.

Das Unternehmen, das rund 77 000 Mitarbeiter zählt, weist die Vorwürfe zurück. Mit Blick auf die Stimmung im Konzern teilt Mahle mit, es gebe eine "proaktive, offene und sachliche Kommunikation mit der Belegschaft".

Technische Details des E-Prüfstands in Fellbach

"Die Versuchseinrichtung verfügt über eine E-Achsen-Anlage, bestehend aus zwei gegenüberliegend angeordneten Lastmaschinen mit permanentmagneterregten Synchron-Elektromotoren. Mit einer Nennbelastbar­keit von 350 kW pro Prüfstand und einem beeindruckenden Spitzendrehmoment von 8400 Nm (7000 Nm Dauerdrehmoment) verfügt sie über beeindruckende Leistungsdaten. Separate Batteriesimulatoren für Anwen­dungen von 48 V bis 1.000 V sowie ein Hochgeschwindigkeits-Leistungs­analysesystem ermöglichen Performance Mapping, Leistungscharakterisierung und Effizienzstudien", teilt das Unternehmen mit.

"Darüber hinaus bietet die neue Einrichtung ein leistungsstarkes Klimatisierungs­system, dass für die exakte Simulation der Bedingungen im Fahrzeugbetrieb einen Temperaturbereich von –30 C bis +130 C abdeckt. So kann sichergestellt werden, dass die dort erprobten Antriebe weltweit unter verschiedensten klimatischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Die Verweildauer eines E-Antriebs auf dem Prüfstand hängt von den jeweiligen Kundenanforderungen ab. Das Spektrum reicht von rund 200 Stunden für die Prüfung einzelner Funktionen bis zu einem ganzen Jahr, wenn ein Dauerlauftest absolviert werden soll. "

Inmitten eines großen strukturellen Konzernumbaus (weltweit sind laut offziellen Konzernangaben 7600 Stellen in Gefahr, davon 2000 in Deutschland) hat der Automobilzulieferer Mahle in Fellbach gegenüber dem Bahnhof einen Prüfstand für E-Antriebe eröffnet. Ein Sprecher des Unternehmens gab dieser Zeitung gegenüber unumwunden zu, neue Arbeitsplätze seien dadurch zwar "eher nicht" entstanden, „aber das Invest von rund drei Millionen Euro in Fellbach ist nach der Eröffnung unseres neuen

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