Rems-Murr-Kreis

Kunden beschweren sich über Volksbank Stuttgart

Bankautomat
Geld abheben wäre eine aktive Kontonutzung. © Benjamin Büttner

Die Beschwerden von Lesern unserer Zeitung über die Einführung des neuen Hausbankmodells der Volksbank Stuttgart reißen nicht ab. Wer in der Zeit zwischen dem 28. September und dem 9. November aktiv eine Kontobewegung vollführt, der stimmt dem neuen Kontomodell automatisch zu. Zudem muss man auf Erstattungsansprüche aus den Vorjahren verzichten, die der Bundesgerichtshof Bankkunden eigentlich zugesprochen hat. Wer widerspricht, dem droht die Konto-Kündigung. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg prüft rechtliche Schritte gegen das "rechtswidrige verhalten" der Volksbank Stuttgart.

Volksbank Stuttgart wehrt sich gegen „nicht nachvollziehbare“ Kritik

Erpressung, Nötigung und Abkehr von genossenschaftlichen Prinzipien unterstellt derzeit so mancher erboste Kunde der Volksbank Stuttgart. „Wir können solche Beschwerden nicht nachvollziehen“, sagt Robert Hägelen, Pressesprecher der Volksbank Stuttgart. „Fakt ist: Wir haben den Kunden ein Angebot für die Nutzung eines Kontomodells unterbreitet, dem die Kunden zustimmen oder das sie ablehnen können. Dieses Angebot basiert darauf, dass wir ein Kontomodell mit einem definierten Gesamtpaket an Dienstleistungen zur Verfügung stellen und dafür Gebühren erheben, um dieses Kontomodell betriebswirtschaftlich betreiben zu können.“

Die Kalkulation für dieses Kontomodell basiere auf dem Stand Oktober 2020, als das sogenannte Hausbank-Modell eingeführt worden sei, und diese Kalkulation sei nach wie vor gültig. „Daher bieten wir die Nutzung des Kontomodells für die Zukunft nur an, wenn die Kunden den Konditionen auch für die Vergangenheit zustimmen. Schließlich haben sie das Gesamtpaket auch in der Vergangenheit genutzt und wir haben die entsprechenden Kapazitäten zur Verfügung gestellt“, erläutert Hägelen. „Nimmt ein Kunde dieses Angebot nicht an, liegt mit dem Kunden ein Vertrag über ein veraltetes Kontomodell vor, das wir künftig nicht fortführen werden.“

Wären Daueraufträge und Lastschriften „aktive Kontonutzung“?

Und von wegen des Vorwurfs der Abkehr von „genossenschaftlichem Gedankengut“: „Wer von seiner Volksbank Gebühren zurückverlangt, obwohl er in der Vergangenheit alle Leistungen genutzt hat, sollte seine eigene genossenschaftliche Haltung überprüfen“, sagt Hägelen. Die Volksbank Stuttgart gehöre ihren Mitgliedern und müsse dafür Sorge tragen, dass den Mitgliedern kein Verlust entstehe. „Wenn Einzelne auf Kosten der Gemeinschaft sich einen Vorteil verschaffen wollen, müssen sie sich fragen lassen, ob das mit der genossenschaftlichen Idee vereinbar ist. Das sehen im Übrigen fast alle unsere Kunden so und haben das unterbreitete Angebot angenommen.“

Eine automatische Zustimmung zu den neuen AGB erfolgt auch bei aktiver Nutzung des Kontos zwischen dem 28. September und dem 9. November. Wäre dies also auch bei laufenden Daueraufträgen und Lastschriften der Fall? „Nein“, sagt Hägelen. „Daueraufträge und Lastschriften sind keine aktive Nutzung. Es muss eine bewusste Aktion des Kunden erfolgen.“

Nur ganz wenige Kündigungen

Die Zahl der Widersprüche zum Kontomodell liege im Promillebereich, so Hägelen. Fast ausnahmslos alle Kundinnen und Kunden hätten die Konditionen angenommen. Die Zahl der Kündigungen durch Kunden liege im niedrigen dreistelligen Bereich. „Angesichts von rund 130.000 Girokonto-Verbindungen eine - aus unserer Sicht - niedrige Zahl, die zeigt, dass die ganz überwiegende Mehrheit der Kunden mit dem Hausbank-Modell der Volksbank Stuttgart zufrieden ist“, so Hägelen. Die Volksbank habe noch keine Kündigungen ausgesprochen, da die Annahmefrist für das Angebot noch nicht abgelaufen sei.

„Wir haben den Kunden ein Angebot unterbreitet und zwei Möglichkeiten für dessen Annahme gegeben. Wenn eine der beiden Möglichkeiten genutzt wird, verzichten die Kunden auf Erstattungsansprüche gemäß dem BGH-Urteil“, sagt Hägelen. Knapp 500 Kundinnen und Kunden hätten ihre Ansprüche auf eine Erstattung von Mehrkosten auf Basis des BGH-Urteils angemeldet.

Zur Erinnerung: Der Bundesgerichtshof hatte im April 2021 das Verfahren, das Kreditinstitute seit Jahrzehnten für Preiserhöhungen und andere Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen anwenden, für unwirksam erklärt. Damit können Kunden Mehrkosten, die durch Gebührenerhöhungen in der Vergangenheit entstanden sind, zurückfordern.

Die Beschwerden von Lesern unserer Zeitung über die Einführung des neuen Hausbankmodells der Volksbank Stuttgart reißen nicht ab. Wer in der Zeit zwischen dem 28. September und dem 9. November aktiv eine Kontobewegung vollführt, der stimmt dem neuen Kontomodell automatisch zu. Zudem muss man auf Erstattungsansprüche aus den Vorjahren verzichten, die der Bundesgerichtshof Bankkunden eigentlich zugesprochen hat. Wer widerspricht, dem droht die Konto-Kündigung. Die Verbraucherzentrale

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