Rems-Murr-Kreis

Landratsamt: Keine Blitzer im Kappelbergtunnel geplant

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Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

In einer Sprachnachricht, die vor allem über den Messenger Whatsapp verbreitet wird, spricht ein Mann von "Schwarzblitzern" im Kappelbergtunnel. Ab dem 1. September sollen Autofahrer dort "sehr, sehr böse überwacht" werden. Wir haben beim Landratsamt nachgefragt: Was ist dran an dem Gerücht? 

"Schwarzblitzer" im Kappelbertunnel? Eine 49 Sekunden lange Sprachnachricht macht auf Whatsapp die Runde. Ein Mann ist zu hören, der folgenden Text spricht: 

„Servus liebe Leute. Ganz, ganz wichtige Info für alle die Auto fahren: Ab dem 1. September sind im Kappelbergtunnel Richtung Stuttgart und auch wieder zurück Schwarzblitzer. Das heißt, da werden Kennzeichen abgeglichen und dann wird eben ausgerechnet … also ihr habt einen Punkt A am Tunneleingang zum Beispiel, und dann später, weiter unten auf der B 14 einen Punkt B wo quasi dann verglichen wird: Wie lange habt ihr für die Strecke gebraucht. Und wenn ihr zu schnell wart – auch wenn ihr nicht zu schnell am Blitzer wart – werdet ihr geblitzt. Nur dass ihr’s wisst."

Auch der Leutenbachtunnel angeblich betroffen

Aber nicht nur das:

"Also im Kappelbergtunnel wird jetzt sehr, sehr böse überwacht und im Leutenbachtunnel ist das auch geplant – es ist aber noch keine Genehmigung da. Aber die wird wohl auch in den nächsten Monaten kommen, also passt auf. Man muss jetzt nicht nur am Blitzer langsam sein, sondern leider die ganze Strecke.“

"Es scheint eine Falschmeldung zu sein"

Müssen Autofahrer nun, wie der Urheber der Nachricht behauptet, ab 1. September besonders aufpassen?

Martina Keck, Pressesprecherin am Landratsamt in Waiblingen versichert: Es ist nichts dran an dem Gerücht. Das Amt war von verschiedener Seite mit dieser Info konfrontiert worden, aber: "Es scheint eine Falschmeldung zu sein." Das Landratsamt habe sowohl beim Regierungspräsidium, bei der Polizei, bei der Stadt Fellbach und beim Straßenbauamt nachgefragt. Überall dieselbe Auskunft: Es sind keine Blitzer im oder vorm Kappelbergtunnel oder Leutenbachtunnel geplant. 


Schwarzblitzer?

Neben den grundlegend falschen Informationen verwendet der Mann, der die Nachricht aufgenommen hat, den Begriff "Schwarzblitzer" völlig falsch. Das von ihm angesprochene Messverfahren hat mit Schwarzblitzern, die auch Infrarotblitzer genannt werden, nichts zu tun. 

Schwarzblitzer heißen Schwarzblitzer, weil kein Blitz zu sehen ist. Das eingesetzte Infrarot-Licht ist für das menschliche Auge unsichtbar. Schwarzblitzer werden deshalb vor allem an Stellen eingesetzt, an denen ein herkömmlicher Blitzer Autofahrer blenden könnte. Zum Beispiel in einem Tunnel. Am Messverfahren ändert sich dadurch aber nichts: Wer zu schnell am Gerät vorbeirauscht, wird erfasst.

 Abschnittskontrollen?

Messungen an zwei Punkten, wie sie der Verfasser der Sprachnachricht erwähnt, sind in Baden-Württemberg rechtlich gar nicht möglich. Bei solchen Abschnittskontrollen wird an einer Strecke zweimal gemessen und die Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt, die ein Verkehrsteilnehmer auf dieser Strecke gefahren ist. Im Tessin in der Schweiz sind solche Abschnittskontrollen (section control) in Tunneln durchaus üblich. In Baden-Württemberg "gibt es keine gesetzliche Grundlage für solch ein Verfahren", sagt Renato Gigliotti , Sprecher beim Innenministerium. Sprich: Diese Art Kontrollen dürfen im Land nicht angewandt werden, und sie sind laut Gigliotti "derzeit auch nicht geplant".

Als erstes deutsches Bundesland hatte Niedersachsen Abschnittskontrollen getestet und im Dezember 2018 an der Bundesstraße 6 in der Region Hannover zwischen Laatzen und Gleidingen in Betrieb genommen. Die Anlage blieb nicht einmal fünf Monate in Betrieb: Gerichte stellten fest, es fehle für diese Art der Verkehrsüberwachung eine Rechtsgrundlage. Daraufhin wurde die Anlage abgeschaltet.

Bei einer Abschnittskontrolle werden die Kennzeichen sämtlicher vorbeifahrender Autos fotografiert und zumindest für den Zeitraum der Durchfahrt gespeichert.