Rems-Murr-Kreis

Landtagswahl: Die Waiblingerin Julia Goll tritt für die FDP an

FDP Goll
Julia Goll, FDP-Landtagskandidatin im Wahlkreis Waiblingen. © Benjamin Büttner

2021 wird ein Superwahljahr – und die FDP hat im Rems-Murr-Kreis erste Pflöcke reingerammt. Jochen Haußmann einstimmig bestätigt als Bewerber für die Landtagswahl im Wahlkreis Schorndorf, Julia Goll mit Schmackes nominiert für die Kampagne im Wahlkreis Waiblingen: Lebenszeichen einer gebeutelten Partei.

Nicht mal die Wohlwollendsten behaupten, dass die FDP schneckenfett im Saft stehe. 2017 ließ Christian Lindner die weit gediehenen Jamaika-Sondierungen platzen, das hängt den Liberalen immer noch nach. 2019 bei der Europawahl setzte es ernüchternde 5,4 Prozent. 2020 säte das Thüringer Desaster um eine FDP-Ministerpräsidenten-Eintagsfliege von Björn Höckes Gnaden Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Partei. Obendrein sind die Gelben wie alle Oppositionsgruppen während der Corona-Krise unverschuldet in den Wahrnehmungsschatten geraten.

Da tun lokale Hoffnungsschimmer gut. Dass Haußmann neulich im Wahlkreis Schorndorf ohne eine einzige Gegenstimme, ohne eine einzige Enthaltung nominiert wurde, spricht nicht nur für den Respekt, den der Abgeordnete und Kreisvorsitzende in den eigenen Reihen genießt; es ist auch ein Signal der Einigkeit. Das nächste Zeichen der Vitalität: gleich zwei ernstzunehmende Bewerbungen für die Kandidaturrolle im Wahlkreis Waiblingen.

Um die Nachfolge von Ulrich Goll, der nicht mehr antritt, kämpfen Julia Goll und Peter Treiber.

Peter Treiber aus Fellbach: Ein "leidenschaftlicher Landwirt"

Sind die von der FDP größenwahnsinnig, haben wir vorher gedacht – die machen das in der Hermann-Schwab-Halle in Winnenden! Hätte es ein Kneipen-Hinterzimmer nicht auch getan? Doch Überraschung: Es sind 65 Wahlberechtigte gekommen, dazu einige Gäste. Die wegen Corona luftig bestuhlte Halle ist ordentlich besetzt. Das lässt Rückschlüsse auf die Kampagnenfähigkeit in Wahlkampfzeiten zu.

Treiber entwickelt in seiner Rede ein achtbares persönliches Profil: Der Fellbacher Stadt- und Kreisrat will „Ökologie und Ökonomie unter einen Hut bringen“. Man nimmt ihm das Anliegen ab: Treiber ist „leidenschaftlicher Landwirt“, Direktvermarkter, betreibt eine Fotovoltaikanlage – und auf seinem Lehrbauernhof lernen jährlich 80 Kindergruppen die Wertschätzung der heimischen Natur. Dass es für ihn nicht reichen wird, zeichnet sich dennoch schon ab, bevor er überhaupt ans Mikro tritt. Denn zum Start hat seine Konkurrentin gezeigt, dass sie für die FDP eine Idealbesetzung sein könnte.

Julia Goll aus Waiblingen: Plädoyer fürs Unternehmertum

Julia Goll: 55, verheiratet, fünf Kinder, zwischen 14 und 22 Jahren alt; Richterin am Landgericht – dorthin schaffen es die juristschen Überflieger; seit 1999 in der Kommunalpolitik, erst in Leonberg, dann in Waiblingen. Bei mehreren Gemeinderatswahlen trat sie an, immer wurde sie gewählt, zuletzt in Waiblingen mit dem zweitbesten Ergebnis, vor den Platzhirschen Ingo von Pollern (CDU) und Alfonso Fazio (Grüne), geschlagen nur von CDU-Bäckermeister Hermann Schöllkopf, der örtlich bekannt ist wie die schwäbische Brezel.

Julia Goll redet weitgehend frei, nur selten wirft sie einen kurzen Blick aufs Pult, wo ein Zettel mit ein paar Stichworten liegen mag. Das wirkt manchmal fast wie aus dem Stegreif dahingeplaudert – und ist doch immer phrasen- und abschweifungsfrei auf den Punkt. Zehn bis 15 Minuten Redezeit waren vereinbart, Goll landet bei elfeinhalb. Kein Zufall; sie wird ihren Auftritt gut vorbereitet haben. Und doch wirkt nichts wie eingebimst und antrainiert, alles wie aus dem Ärmel geschüttelt.

Das kleine Einmaleins des Liberalismus: Ausschreitungen wie in Stuttgart, als ein „plündernder Mob“ umging, lehren, dass ein starker Staat manchmal nötig ist. Aber muss wirklich das Bauamt entscheiden, „wie Fassadenbegrünung auszusehen hat“? Nein, sagt Goll und leitet daraus en passant gleich noch ein Corona-Programm ab: „Unsere Aufgabe als Liberale ist es jetzt, darauf zu achten, dass nicht der Staat klammheimlich die Wirtschaft übernimmt. Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer.“

Das Ergebnis: 47 Stimmen für Julia Goll, 18 für Peter Treiber. Zweitkandidatin: Nicole Steiger, Lehrerin an der Gottlieb-Daimler-Realschule in Schorndorf.

Und die Chancen? Ein kleiner Ausblick

Der Wahlkreis Waiblingen ist ein gutes Pflaster für die FDP: Ulrich Goll hat hier 2006, 2011 und 2016 zuverlässig rund drei Prozentpunkte mehr geholt als die Partei landesweit. Sicher, er genoss als langjähriger Justizminister einen Promibonus. Aber seiner Frau, das legt dieser Winnender Nominierungsabend nahe, ist es zuzutrauen, dass auch 2021 wieder ein überdurchschnittliches Ergebnis herausspringt.

2021 wird ein Superwahljahr – und die FDP hat im Rems-Murr-Kreis erste Pflöcke reingerammt. Jochen Haußmann einstimmig bestätigt als Bewerber für die Landtagswahl im Wahlkreis Schorndorf, Julia Goll mit Schmackes nominiert für die Kampagne im Wahlkreis Waiblingen: Lebenszeichen einer gebeutelten Partei.

Nicht mal die Wohlwollendsten behaupten, dass die FDP schneckenfett im Saft stehe. 2017 ließ Christian Lindner die weit gediehenen Jamaika-Sondierungen platzen, das hängt den Liberalen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper