Rems-Murr-Kreis

Lecker, gesund und skandalfrei: Wild aus dem Rems-Murr-Kreis

RehbratenKrone
Rehbraten: Welcher Fleischesser will da schon „Nein“ sagen? Übrigens werden die dazu gereichten Pilze auch „Fleisch des Waldes“ genannt. Vielleicht hin und wieder eine Alternative zum Tier? © Hardy Zürn

Ein gutes Stück Fleisch ist lecker. Der Appetit darauf kann trotzdem vergehen. Immer wieder Schlachthausskandale, der letzte ist gerade erst öffentlich geworden und passierte quasi nebenan. Dazu die Lebenswirklichkeit des allein für die Schlachtung geborenen Tieres, über die der Fleischgenießer lieber erst gar nicht nachdenkt. Genauso wenig wie über jene Stoffe, die oftmals automatisch auch noch auf dem Teller landen: Antibiotika, Mittel gegen Parasiten, Hormone, Psychopharmaka, Schmerzmittel ... Gibt’s keine Alternative?

Ob der Begriff "Bio" dem entspricht, was sich der Mensch unter "Bio" vorstellt?

Freilich gibt’s die. Die Biobauern, die ihre Schweine oder Rinder wirklich frei in den Wiesen laufen lassen, sind allerdings immer noch selten. Wer Bio kauft, muss ziemlich aufpassen, ob das, was „Bio“ heißt, auch dem entspricht, was sich der Mensch unter „Bio“ vorstellt. Kann anstrengend werden. Geht’s nicht einfacher?

Doch. Direkt vor der Haustüre. Und das gilt für den gesamten Rems-Murr-Kreis. 39 Prozent der Fläche des Rems-Murr-Kreises nämlich sind mit Wald bedeckt. Das sind rund 335 Quadratkilometer. Diese Fläche ist bewohnt: Hier leben viele Tiere. Den Hungrigen interessieren vor allem Rehe und Wildschweine. Die übrigens wagen sich auch gerne auf die landwirtschaftlich genutzten Flächen hinaus. Das sind 43 Prozent der insgesamt 858 Quadratkilometer Kreisfläche. Viel Raum für viele Tiere also.

Reh und Wildschwein sind Wildtiere. In deren Leben greift der Mensch nicht ein. Kein enger Stall, keine Medikamente, kein Genfutter. Immer vorausgesetzt, dass auf den Äckern, auf denen die Tiere freilich auch mal naschen, nichts Unerlaubtes ausgebracht wurde, kann Kreisjägermeister Volker Schmidt also zu Recht überzeugt sein: Der Spruch „mehr Bio geht nicht“ ist richtig.

Warum sollte, wer Fleisch essen möchte, das Wild nicht vergessen?

Volker Schmidt: Wild ernährt sich ausschließlich aus dem, was es in der Natur findet. Es werden keinerlei Medikamente oder Zusatzfütterungsstoffe verwendet. Wildfütterungen sind in Baden Württemberg nach dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz nicht gestattet und bedürfen einer ausdrücklichen Genehmigung der Jagdbehörden. Wildfleisch ist daher ein Lebensmittel frei von Zusatzstoffen.

Wie gesund ist Wildfleisch?

Wildfleisch ist grundsätzlich deutlich fettärmer als Fleisch von Zuchttieren. Es findet keine Zucht der Tiere hin zu besonderem Fleischgewinn oder Gewicht statt. Wildfleisch enthält alle natürlich vorkommenden Fleischbestandteile und ist daher sicherlich das gesündeste Fleisch, was man essen kann.

Wild lebt wild – wie sieht’s mit Befall durch Würmer, Schmarotzer, Viren und Bakterien et cetera aus? Kann sich der Konsument was Ungutes holen?

Grundsätzlich nein. Wild wird nur in den Verkehr gegeben, wenn es auch zum bedenkenlosen Verzehr geeignet ist. Wild, das auch nur ansatzweise bedenkliche Merkmale zeigt, sei es vor dem Erlegen, sei es beim Aufbrechen oder der Beschau der Organe, darf nicht in den Verkehr gebracht werden und wird entsorgt.

Der Sommer war sehr heiß und trocken: Wirkt sich das auf die Qualität des Fleisches aus?

Das Wetter hat keinerlei Auswirkungen auf die Fleischqualität. Wild ernährt sich auf natürliche Art und Weise. Wasserstellen gibt es in unseren Gegenden für das Wild ausreichend.

Wer von diesen Argumenten überzeugt wurde und sich – es ist noch Sommer – leckere Grillrezepte für Wild rausgesucht hat, steht dann aber noch vor einem anderen Problem: Wo gibt’s dieses Fleisch zu kaufen? Nicht jeder Metzger hat Reh oder Wildschwein im Angebot – vom Supermarkt oder Discounter ganz zu schweigen.

Es hilft nur die Nachfrage beim Metzger oder beim Jäger

Tatsächlich muss, wer Wild essen möchte, zwischenmenschliche Kontakte pflegen. Es hilft nur eine Nachfrage. Entweder beim örtlichen Metzger oder beim örtlichen Jäger. Eine Liste der Verkäufer von Wildfleisch, sagt Volker Schmidt, „gibt es leider nicht“. Bei der heimischen Kommune sollten aber die Namen der ortsansässigen Jäger und Jägerinnen zu erfahren sein. Diese können dann sicher weiterhelfen. Entweder, weil sie ihr geschossenes Wild selbst verbrauchergerecht vermarkten. Oder weil sie weitergeben können, an welchen Metzger oder Wildhändler sie ihr Fleisch verkaufen.

Es gibt übrigens auch eine Seite im Internet, die zumindest einige der lokalen Jägerinnen und Jäger auflistet. Auf www.wild-auf-wild.de kann die Postleitzahl oder der Heimatort eingetippt und dann die Liste der Jäger, die sich dort eingetragen haben, durchgeguckt werden. Da gibt's auch den Hinweis darauf, ob das Fleisch portioniert und vakuumiert wird oder nicht.

Dann ist da aber natürlich noch eine andere wichtige Frage: Was kostet dieses kulinarische Vergnügen? Schließlich redet gerade jeder über die Geldsorgen, in die viele Menschen durch die Weltlage geraten. Die Preise für Wild, sagt Kreisjägermeister Volker Schmidt, bewegten sich im Bereich von gutem Metzgerfleisch. Eine Preisliste gebe es nicht. Auch hier gelte, mit dem örtlichen Jäger zu sprechen oder bei dem Metzger des Vertrauens nachzufragen.

Bleibt noch der Vorwurf, dass auch für den Rehrücken oder das Wildschweingulasch ein Tier sterben musste. Stimmt. Wer Fleisch essen will, muss damit leben. Schlachthausskandale mit Tieren in Panik wird’s beim Wildbret allerdings nicht geben. Der Jäger, der ansitzt und gut schießt, erlegt seine Beute, ohne dass sie Angst verspürt hat. Die Gewehrkugel fliegt schneller als der Schall.

Ein gutes Stück Fleisch ist lecker. Der Appetit darauf kann trotzdem vergehen. Immer wieder Schlachthausskandale, der letzte ist gerade erst öffentlich geworden und passierte quasi nebenan. Dazu die Lebenswirklichkeit des allein für die Schlachtung geborenen Tieres, über die der Fleischgenießer lieber erst gar nicht nachdenkt. Genauso wenig wie über jene Stoffe, die oftmals automatisch auch noch auf dem Teller landen: Antibiotika, Mittel gegen Parasiten, Hormone, Psychopharmaka,

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