Rems-Murr-Kreis

Lieber langsam laufen – und länger: Lauf-geht’s-Teilnehmer Christian Boob aus Alfdorf ist statt eines halben gleich einen kompletten Marathon gelaufen

Christian Boob Lauf geht''s, Marathon gelaufen
Er läuft und läuft und läuft: Zehn-Kilometer-Distanzen empfindet Christian Boob inzwischen als vergleichsweise eher kurz. © Boob

Nächstes Jahr feiert Christian Boob seinen 50. Geburtstag und folgerichtig will er 50 Kilometer laufen. Also, nicht in einer Woche. An einem Tag, an einem Stück.

Gut. Wer’s kann.

Christian Boob kann’s, weil er sich mit Haut und Haaren der geschwindigkeitsreduzierten Beständigkeit verschrieben hat. Seinen ersten Marathon lief er in exakt sechs Stunden, vier Minuten. Ergibt im Schnitt 8,6 Minuten je Kilometer. Auf schneller hat Christian Boob keine Lust, sonst schmerzt der Fuß, und wem nützt das schon. Lange Strecken schrecken ihn schon lange nicht mehr – allerdings hat er sie in den letzten Jahren ausschließlich wandernd zurückgelegt, niemals joggend. Das hat sich im Frühjahr geändert, als der Alfdorfer kurzentschlossen entschied, sich fürs Gesundheitsprogramm „Lauf geht’s“ anzumelden. Zum zweiten Mal bot der Zeitungsverlag Waiblingen das Programm an – und dann vermasselte Corona alles. Zumindest schien es so zu Beginn. Keine Gruppentrainings, stattdessen Mail an Mail an Mail: So und so müsst ihr’s machen, es tut uns so unendlich leid, aber da müsst ihr jetzt erst mal alleine durch oder zu zweit!

Alleine laufen hat auch Vorteile

Christian Boob nutzte die Corona-Zeit fürs Laufen, und er zieht eh ganz gern alleine los. Denn dann kann er seinem Tempo treu bleiben, seinen Gedanken nachhängen und „trotzdem abschalten“, wie er erzählt.

Sein Körper bleibt unterdessen der Chef. Meldet sich der Fersensporn zu heftig, manifestiert sich ein Unwohlgefühl – dann ist nicht der richtige Tag, und Boob stoppt. Auch dann, wenn er erst bei Kilometer 36 angelangt ist und eigentlich einen Marathon laufen wollte. Im August hatte er’s erstmals versucht – und brach rund sechs Kilometer vorm Ziel regelrecht ein. Es war zu warm, und Christian Boob wusste die Signale seines Körpers richtig zu deuten: Essen will ich! Beim zweiten Anlauf am 25. Oktober lud Boob das Auto mit Bananen, Sportriegeln und Gel-Chips voll. Er wählte eine Sechs-Kilometer-Rundstrecke, die er wieder und wieder lief – stets naschend am Auto vorbei.

Acht Kilo weg, Blutdruck gesenkt

Flugs verbrennt der Körper sämtliche Bananen, und Boobs Bilanz klingt vielversprechend: Acht Kilo sind runter seit dem Frühjahr, und der Blutdruck ist gesunken. Beim langsamen, stetigen Laufen stellt sich die beste Fettverbrennung ein – zumindest bei Christian Boob ist das so, und alle anderen dürfen gern flotter flitzen.

Der 49-Jährige strebt derweil krasse Ultra-Distanzen an, denn nach dem 50. Geburtstag kommt ja wohl noch was nach. Warum nicht mal von Aalen nach Waiblingen laufen? Sind so über den Daumen 65 Kilometer. Müsste gehen.

Süßes wird nicht verbannt: „Ich bin ein Genussmensch“

Ein Benefizlauf ließe sich draus machen, wer weiß. Man merkt, Christian Boob hat eine Menge Ideen im Kopf, und wenn einer sie umsetzt, langsam und stetig – dann er.

Für den Winter plant er Muskelaufbau, zumal ihn manchmal beim Laufen noch Krämpfe plagen. Süßes wie Kuchen bleibt auf seinem Speiseplan, denn „ich bin ein Genussmensch“, sagt Boob: „Es muss Spaß machen.“ Deshalb verordnet er sich niemals zwanghaft, an diesem oder jenem Tag eine bestimmte Strecke runterzureißen. Es läuft, wie es läuft, und wie es läuft, hängt von der Tagesform ab und vom Wetter. „Viel zufriedener“ fühlt sich der Alfdorfer, sofern er passende Strecken zurückgelegt hat, und einen kompletten Marathon geschafft zu haben, „das ist schon ein gutes Gefühl“. Wenngleich es sich nicht so anfühlt, „als dass man ein Champagnerbad nehmen muss“.

"Willst du laufen gehen?"

Natürlich hat sich Boobs Kondition enorm verbessert. Das ist ja das Schöne am Laufen, man spürt schnell Erfolge. Boobs Frau weiß sonntagnachmittags schon ganz genau, was die Stunde geschlagen hat, wenn ihr Mann unruhig im Wohnzimmer herumtigert: „Willst du laufen gehen?“ – „Ja“, sagt er dann. „Ich brauch' das in der Zwischenzeit richtiggehend.“

Nächstes Jahr feiert Christian Boob seinen 50. Geburtstag und folgerichtig will er 50 Kilometer laufen. Also, nicht in einer Woche. An einem Tag, an einem Stück.

Gut. Wer’s kann.

Christian Boob kann’s, weil er sich mit Haut und Haaren der geschwindigkeitsreduzierten Beständigkeit verschrieben hat. Seinen ersten Marathon lief er in exakt sechs Stunden, vier Minuten. Ergibt im Schnitt 8,6 Minuten je Kilometer. Auf schneller hat Christian Boob keine Lust, sonst schmerzt der Fuß,

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