Rems-Murr-Kreis

Maiglöckchen statt Bärlauch: Mann musste ins Krankenhaus

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Das ist Bärlauch. © Joachim Mogck

Waiblingen/Backnang. Am Wochenende hatte die Polizei gewarnt, am Samstag sei auf den Wochenmärkten in Waiblingen und Backnang Bärlauch verkauft worden, der möglicherweise mit giftigen anderen Pflanzen vermischt war. Ein Mann musste zur Behandlung ins Krankenhaus - offenbar als Folge des Genusses von verunrenigtem Bärlauch. Am Montag hieß es dann, es habe auf dem Backnanger Markt keinen Vorfall dieser Art gegeben. Möglicherweise mit Giftigem vermischter Bärlauch könnte aber in einem Backnanger Hofladen in den Verkauf gelangt sein.

Beim Verkauf von Bärlauch war es möglicherweise zu einer Beimischung von hochgiftigen Maiglöckchen beziehungsweise Herbstzeitlosen gekommen, die ähnlich aussehen. Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, musste eine Person wegen des verunreinigten Bärlauchs im Krankenhaus behandelt werden. Betroffene Kunden und Käufer wurden gebeten, vom Verzehr des gekauften Gemüses Abstand zu nehmen und Rücksprache mit dem Gemüsehändler zu halten. 

„So weit gut“ geht es laut Polizei dem Mann, der nach Genuss möglicherweise verunreinigten Bärlauchs ins Krankenhaus musste. Der Betreffende ist wieder zu Hause. Laut Polizei-Pressesprecher Robert Kreidler ist kein weiterer Krankheitsfall bekanntgeworden. Veterinäramt und Lebensmittelüberwachung untersuchen den Fall; Ergebnisse liegen noch nicht vor. Am Dienstag werde man auf alle Beschicker des Waiblinger Wochenmarkts zugehen, so Jeannine Böhmler, die fürs Marktmanagement in Waiblingen zuständig ist. Die Beschicker sollen laut Böhmler ihren Bärlauch nochmals genau untersuchen und gegebenenfalls „ganz auf den weiteren Verkauf verzichten, bis genauere Details bekannt sind“.

Zwar sehr, sehr selten, aber eben doch hin und wieder enden Verwechslungen von Bärlauch mit giftigen Pflanzen tödlich. Wer auf dem Markt Bärlauch kauft, vertraut dem Anbieter. Umso mehr Verunsicherung erzeugt natürlich ein Fall wie dieser. Bärlauch kann man mit mehreren hochgiftigen Pflanzen verwechseln: Aronstab, Herbstzeitlose und eben Maiglöckchen. Gerade im April, wo Bärlauch und Maiglöckchen sprießen, aber noch keine Blüten treiben, ist die Verwechslungsgefahr hoch.

Knoblauchgeruch zur Identifkation unzuverlässig

Der vielzitierte Geruchstest „Wenn’s beim Zerreiben nach Knoblauch riecht, ist’s Bärlauch“ ist eine erste Identifikationshilfe, aber leider unzuverlässig. Denn beim Ernten riechen die Hände sehr schnell selber stark nach Knoblauch und man kann nicht mehr unterscheiden, was riecht – Hände oder Blatt. Erkennungsmerkmale des Bärlauchs sind: die Längsmaserung der Blätter, die spitz zulaufen und deren Spitzen nicht abgerundet sind; die kantigen (nicht runden!) Stängel der Blätter; und das Merkmal, dass die Blätter immer einzeln mit Stiel aus dem Boden ragen und nicht zu zweit in einem Schaft stecken wie beim Maiglöckchen, das in dunkelviolett scheinender Blattscheide eingehüllt ist.

Das Landwirtschaftsministerium warnt wegen der Verwechslungsgefahr regelmäßig davor, wild wachsende Bärlauchblätter auf eigene Faust zu sammeln. Verboten ist es nicht – sofern es bei einer Menge bleibt, die in etwa einem Handstrauß entspricht, betont Jürgen Wippel, Pressesprecher am Landwirtschaftsministerium. Wer allerdings körbeweise Bärlauch im Wald erntet und das Wildgemüse dann verkauft, macht sich genau genommen strafbar: Dafür bedarf es laut Jürgen Wippel einer Genehmigung der Forstbehörde.

Essen kann man tatsächlich alle Teile des Bärlauchs – Zwiebeln und Blätter ebenso wie die scharf schmeckenden Knospen, Blüten und Früchte. Am beliebtesten und bekanntesten in der Küche sind aber die Blätter des Bärlauchs. Klein geschnitten in Dips oder in Soßen und Gemüsegerichten. Bärlauchpesto kann man herstellen mit Olivenöl, Parmesan und Pinienkernen, aber auch mit Mandeln, Walnüssen oder Kürbiskernen und den entsprechenden Ölen.

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

Zu welchen Folgen es bei Verwechslungen mit Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen kommt, hängt natürlich von der Dosis ab. Ältere Menschen sind gefährdeter, weil ihre Niere eventuell nicht mehr so gut arbeitet, warnt Dr. Maren Hermanns-Clausen, die Leiterin der Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg. Ein einziges Mal versehentlich am Blatt einer Herbstzeitlosen zu knabbern, das wird auch einem Kind nicht gefährlich werden.

Problematisch wird’s, wenn man größere Mengen dieser giftigen Pflanzen versehentlich ins Pesto oder in die Suppe mischt. Kochen kann dem Gift nichts anhaben. Wer innerhalb von zwei bis 24 Stunden nach dem Verzehr des – vermeintlichen – Bärlauchs Übelkeit empfindet, erbrechen muss oder Durchfall hat, sollte schnell zum Arzt.

Dr. Maren Hermanns-Clausen beschreibt eine Herbstzeitlosen-Vergiftung als gefährlicher im Vergleich zum Maiglöckchen. Zur Unterscheidung erläutert die Giftzentrale: „Die Bärlauchblätter sind gestielt und riechen deutlich nach Knoblauch. Die Blätter der Herbstzeitlose dagegen sind stiellos und geruchlos. Maiglöckchenblätter sind wie Bärlauch gestielt und wachsen häufig gemeinsam mit diesem an einem Standort. Den Maiglöckchenblättern fehlt der lauchartige Geruch des Bärlauchs.“

Giftzentrale

Rund um die Uhr und kostenfrei telefonisch erreichbar ist die Vergiftungs-Informations-Zentrale in Freiburg unter der Telefonnummer 0761/19240.

Bärlauch gilt als hilfreich bei Magen-Darm-Störungen.