Rems-Murr-Kreis

Mammutprojekt B14-Ausbau: Was auf Autofahrer im Rems-Murr-Kreis zukommen könnte

Backnang Neubau Murrtalbrücke Murrtalviadukt B14 Baustelle Stand 01.06.2010
Das war der Bau des ersten Teils des neuen Murrtalviadukts im Juni 2010. Die Autos fuhren da noch über das alte Viadukt von 1949. Längst wird diese neue Brücke befahren. Jetzt kommt ein diesem gleichendes Bauwerk daneben, damit die B 14 auch über die Murr vierspurig befahren werden kann. © Habermann

Straßenbau ist teuer und kompliziert. Vor allem, wenn’s um den Ausbau der B14 geht, müssen alle Beteiligten viel Geduld haben. Das Projekt zieht sich seit Jahrzehnten – Autofahrer rund um Backnang sind staugeplagt und leiderfahren. Anwohner auch. Jetzt geht’s los mit dem zweiten Teil des Murrtalviadukts. Ein Mammutprojekt.

Bauarbeiten starten im Frühjahr, Viadukt wird aber erst im Sommer angegangen

Ende Dezember war’s, als das Regierungspräsidium eine Pressemitteilung herausgeben konnte, die womöglich bei den Verantwortlichen – aber das ist reine Mitgefühlsspekulation – für Freudentränen gesorgt hat: „Ausschreibungsverfahren für das zweite Murrtalviadukt erfolgreich abgeschlossen. Beginn der Arbeiten beim Viadukt im Frühjahr 2023“. Frühjahr 2023 ist zwar etwas unbestimmt, aber definitiv demnächst. Wie genau aber sieht die Planung aus? Und wie lang wird sich das Ganze ziehen?

Richtig: Schon jetzt steht dort, wo die Murr von Osten her aus der Backnanger Innenstadt fließt, eine große Brücke. Schon jetzt fahren dort Autos zur B-14-Ausfahrt Backnang West, von der aus es dann zur Autobahn A 81, Anschlussstelle Mundelsheim geht. Und diese große Brücke ist noch relativ neu – zumindest in Bezug auf Straßenbaudimensionen: Im Jahr 2011 wurde sie für den Verkehr freigegeben. Bis dahin floss der Verkehr über eine Brücke, deren Bau 1949 als Ersatz für die allererste, zu Kriegsende von der Wehrmacht zerstörte Brücke begonnen worden war. Von November 2011 bis Mai 2013 wurde diese wieder abgerissen – der Verkehr floss ja über das neue Viadukt.

Über die Murr geht's bislang nur zweispurig

Doch mit diesem Status quo konnte niemand zufrieden sein. Denn die stark befahrene Straße, die über diese Brücke führt – die Bundesstraße B 14 im dicht besiedelten und wirtschaftlich relevanten Rems-Murr-Kreis, die außerdem gen Landeshauptstadt führt – war und ist bislang an dieser Stelle nur zweispurig. Das sollte anders werden.

Nun gut, zwölf Jahre hat’s gedauert, bis sich jetzt endlich was tut. Aktuell wird gerodet. Diese Arbeiten finden, so die Auskunft der Pressestelle des Regierungspräsidiums, auf der Ostseite des schon stehenden Viadukts statt. Also in Richtung von Backnang. Bäume fallen auch westlich, also auf der anderen Seite des Viadukts. Denn dort muss ein neues Regenklärbecken gebaut werden, das für die Entwässerung notwendig ist. In dieser Gegend fließt nicht nur die Murr, sondern auch der Krähenbach.

Ausgleichsmaßnahmen wurden für den gesamten B-14-Ausbau erstellt

Ausgleichsmaßnahmen für diese Eingriffe in die Natur gibt es. Allerdings wurde im Planungsverfahren nicht jedes betroffene Gelände einzeln betrachtet, sondern es wurde die Gesamtheit des B-14-Ausbaus zwischen den Anschlussstellen Nellmersbach und Backnang West abgehandelt. Daher kann das Regierungspräsidium nicht sagen, wie die gegenwärtigen Rodungsarbeiten ausgeglichen werden.

Sicher ist nur: „Für die in diesem Bereich befindlichen Habitatbäume wurden im Herbst 2022 Nistkästen entlang des Krähenbachs und der Murr aufgehängt.“ Habitatbäume sind Bäume, in denen Tiere leben. Vor allem geht es um nistende Vögel.

Ganz allgemein für den Gesamtausbau des genannten B-14-Abschnitts heißt es vom Regierungspräsidium: Geplant seien als Ausgleichsmaßnahmen die „Entsiegelung von Verkehrswegen“, Gehölzpflanzungen und das Aussäen von Wildpflanzen, die in dieser Gegend heimisch sind. Böschungs- und Baustellenflächen beim Regenklärbecken werden außerdem begrünt, Acker soll in Grünland umgewandelt, Obstbäume gepflanzt werden.

Das Regenklärbecken, das im von der Pressemitteilung genannten „Frühjahr 2023“ dann gebaut werden wird, ist aber nicht der heiß ersehnte zweite Teil des Murrtalviadukts. Dafür braucht’s noch etwas länger. Der Bau des Viadukts starte im „Sommer“ und dauere „voraussichtlich bis Anfang 2025“, heißt es vom Regierungspräsidium. Das werden, nimmt man für „Sommer“ mal den Monat Juli und für „Anfang 2025“ den Monat Februar an, ungefähr 20 Monate Bauzeit sein.

Bauzeit auf etwa 20 Monate angesetzt, der erste Teil brauchte rund 24 Monate

Baubeginn des schon stehenden Teils des Viadukts war im September 2009, Ende August 2011 wurde es für den Verkehr freigegeben. Das sind rund 23 bis 24 Monate Bauzeit. Das heißt: Soll jetzt alles nach Plan laufen, gilt es, bei den Bauarbeiten mehr Gas zu geben als damals.

Das neue, zweite Murrtalviadukt wird den Bund im Übrigen, so die Aussage des Regierungspräsidiums, rund 23,7 Millionen Euro kosten.

Straßenbau ist teuer und kompliziert. Vor allem, wenn’s um den Ausbau der B14 geht, müssen alle Beteiligten viel Geduld haben. Das Projekt zieht sich seit Jahrzehnten – Autofahrer rund um Backnang sind staugeplagt und leiderfahren. Anwohner auch. Jetzt geht’s los mit dem zweiten Teil des Murrtalviadukts. Ein Mammutprojekt.

Bauarbeiten starten im Frühjahr, Viadukt wird aber erst im Sommer angegangen

Ende Dezember war’s, als das Regierungspräsidium eine Pressemitteilung

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