Rems-Murr-Kreis

Mandarinenten im Rems-Murr-Kreis: Entzückend exotisch und selten

Mandarinente
Ist der Kerle nicht eine Augenweide? Mandarinenten sind, so der Naturschutz-Fachmann aus dem Landratsamt, im Kreis selten. Dieser Erpel paddelt im Übrigen nicht in Schwaikheim, sondern in der Rems bei den Waiblinger Talauen. © Gabriel Habermann

Es ist ein Erpel, der da am Schwaikheimer Ententeich das Herz erfreut. Er ist entzückend: klein und rundlich, mit einem wunderbar bunten Gefieder, einer bezaubernden Federhaube und keck nach oben geschwungenen Flügelfedern. Er ist ein Exot: Die Art heißt „Mandarinente“, die ursprüngliche Heimat ist das nordöstliche China. Im Rems-Murr-Kreis ist der Erpel was ganz Besonderes. Es gibt hier höchstens eine Handvoll dieser Schönheiten in Freiheit.

Mandarinenten sind keine Gefahr, auch wenn sie keine heimische Art sind

Ja, auch Markus Wegst, Fachbereichsleiter Naturschutz im Landratsamt, findet die Mandarinenten ausgesprochen hübsch. Und er hat nichts, wirklich gar nichts dagegen, dass sich so ein Erpel am Schwaikheimer Ententeich tummelt. In Fragen des Naturschutzes nämlich ist diese Entenart, obwohl eigentlich eingewandert, keine Gefahr. Mandarinenten verdrängen keine heimischen Tiere, zerstören nichts, fressen nichts radikal leer. Sie erfreuen einfach.

Mandarinenten, sagt Markus Wegst, seien in Deutschland seit einigen Jahrzehnten schon heimisch. Weil sie den Menschen so gut gefallen, habe man sie entweder in Gefangenschaft gehalten, wo die eine oder andere Ente ausgebüxt ist. Oder man hat sie zur Zierde eines Teiches bewusst ausgesetzt. Wo der Schwaikheimer Erpel herkommt, weiß niemand. Schon seit mindestens drei Jahren, eher länger, hat er sich den Stockenten am Teich beim Zipfelbach angeschlossen. Eine Nachfrage per E-Mail beim Kleintierzüchterverein in der Nachbarschaft, als das Tier ganz neu die Blicke auf sich zog, brachte nicht einmal eine Antwort. Den Kerle vermisst wohl niemand. Also badet er seither mit den hiesigen, deutlich größeren Verwandten, die ihn dulden. Doch so richtig groß ist die Liebe wohl nicht, der Hübsche steht immer ein bisschen abseits.

Es fehlt noch die Herzensente - doch wo soll sie herkommen?

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Mandarinerpel mit einer Stockentendame paart, sei, sagt Markus Wegst, äußerst gering. Genauso wie die Chance, dass ihm irgendwann eine Mandarindame zuflattert. Die Mandarinenten, sagt Markus Wegst, seien sehr standorttreu. Wo soll die Herzensente also herkommen? Sollte das Wunder dennoch geschehen, würden die zwei ihr Nest in einer Baumhöhle bauen. Mandarinenten sind gute Kletterer.

Mandarinenten, sagt Markus Wegst, kommen mit dem hiesigen Klima gut zurecht. Selbst der Winter macht ihnen nichts aus – in der ursprünglichen Heimat ist’s noch viel kälter. Erstaunlich-erschreckenderweise ist der Bestand der Mandarinente in Nordostchina stark bedroht. In England dagegen hat sich eine Population gut entwickelt – so wird die Art vom Aussterben bewahrt. Bei uns im Kreis, sagt Markus Wegst, etabliere sich die Art bislang nicht in der freien Landschaft. Es gibt einfach zu wenige Tiere. Und auch deutschlandweit seien die Mandarinenten immer gerade nur so auf der Schwelle zum festen Bestand in der Tierwelt.

Der Mandarinerpel ist nicht der einzige Exot im Rems-Murr-Kreis. Am Schwaikheimer Ententeich standen jüngst auch zwei Nilgänse. Die Tiere sind allerdings auch an sonstigen Gewässern im Kreis oft gesehene Gäste: Sie tummeln sich in den Waiblinger Talauen, am Leinecksee bei Alfdorf, an der Wieslauf oder am Feuersee in Schorndorf. Sie sind ebenfalls schön fürs Auge. Doch der Naturschützer hat sie gar nicht gern. Nilgänse seien massiv auf dem Vormarsch und vertrieben dabei die heimischen Tiere. Sie sind aggressiv. Sie machten vor einigen Jahren in Esslingen sogar einem Wanderfalkenpaar den Nistkasten streitig. In Heidelberg ist Ähnliches passiert.

Die Gelbkopfamazonen sind in ihrer ursprünglichen Heimat auch bedroht

Da guckt Markus Wegst doch lieber nach den Gelbkopfamazonen, die meist rund um die Wilhelma, aber auch im Park hinter dem Fellbacher Rathaus leben. Dort fühlen sich die grünen Papageien mit den zitronengelben Gesichtern offenbar wohl. Sie sind immer mal wieder zahlreich zu beobachten. Wie gut, sind doch auch sie in ihrer ursprünglichen Heimat – Belize, Guatemala, Mexiko und Honduras – vom Aussterben bedroht. Und hier im Ländle sind sie einfach ein erfreulicher Farbtupfer und richten weiter keinen Schaden an – abgesehen davon, dass der Gesang wenig melodisch ist und die Tiere kräftig auf Autos kleckern.

Mit den Rotwangenschildkröten ist’s, sagt Markus Wegst, na ja, fast genauso. Rotwangenschildkröten könnten die heimische Sumpfschildkröte verdrängen. Doch Sumpfschildkröten sind in Rems-Murr-Kreis-Gewässern nicht zu Hause. So ist's nicht ganz so schlimm, dass der Exot aus Nordamerika am alten Remsarm hinter dem FSV-Gelände in Waiblingen, wenn Jahreszeit und Wetter danach sind, Sonne und Wasser genießt. Die Art werde zwar alt und groß, reproduziere sich aber hier nicht, sagt Wegst. 30 bis 40 Jahre, „aber dann war’s das“. Die Signalkrebse dagegen, ursprünglich aus Nordamerika, sind eine Plage. „Sie machen den heimischen Edelkrebsen den Garaus.“ Ein paar Bäche im Welzheimer Wald gebe es noch, wo die Eindringlinge bislang nicht hingekommen sind. Aber die würden immer weniger. „Die kriegt man nicht mehr weg.“

Es ist ein Erpel, der da am Schwaikheimer Ententeich das Herz erfreut. Er ist entzückend: klein und rundlich, mit einem wunderbar bunten Gefieder, einer bezaubernden Federhaube und keck nach oben geschwungenen Flügelfedern. Er ist ein Exot: Die Art heißt „Mandarinente“, die ursprüngliche Heimat ist das nordöstliche China. Im Rems-Murr-Kreis ist der Erpel was ganz Besonderes. Es gibt hier höchstens eine Handvoll dieser Schönheiten in Freiheit.

Mandarinenten sind keine Gefahr, auch

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