Rems-Murr-Kreis

Medikamentenmangel: Welche Alternativen zu Fiebersaft für Kinder gibt es?

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Symbolfoto. © Pixabay.com/Victoria_Watercolor

Husten, Schnupfen, RSV-Infektionen, Corona, Grippe oder Magen-Darm-Erkrankungen: Gefühlt ist in diesem Winter ständig mindestens einer aus dem näheren Umfeld krank. Ist man gerade ausnahmsweise selbst fit, kränkeln das Kind, Freunde oder die Oma. Das allein ist belastend genug. Hinzu kommt, dass viele Medikamente knapp sind. Einen Tag herumtelefonieren, um das Antibiotikum gegen die Mittelohrentzündung der zweijährigen Tochter aufzutreiben? Das dürfte der ein oder anderen Familie bekannt vorkommen.

"Gigantischer Mehraufwand" in den Apotheken

Auch den Arbeitsalltag von Ärzten und Apothekern erschwert der Medikamentenmangel: „Die Teams in den Apotheken haben einen gigantischen Mehraufwand, um die Versorgung jedes einzelnen Patienten sicherzustellen“, sagt Frank Eickmann, stellvertretender Geschäftsführer des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg. Nach vielen Arzneimitteln müsse recherchiert werden, oft auch Rücksprache mit den verordnenden Ärztinnen und Ärzten gehalten werden. „Rund zehn bis 15 Prozent der Arbeitszeit in den Apotheken muss derzeit für das Management der Lieferengpässe eingesetzt werden.“

Die Liste der Medikamente, die fehlen, ist lang. Besonders hervorzuheben sind laut Landesapothekerverband fiebersenkende ibuprofen- und paracetamolhaltige Arzneimittel, aber auch Breitbandantibiotika wie beispielsweise Amoxicillin. Auch bei Hustenstillern auf Codein-Basis oder Nasensprays für Kinder von bestimmten Herstellern gebe es erhebliche Lieferengpässe. Betroffen sind außerdem unter anderem Blutdrucksenker, Mittel zur Rehydratation und Elektrolytsubstitution, Mittel gegen Bauchschmerzen und -krämpfe und viele weitere Arzneimittel, darunter nicht austauschbare Herzmittel sowie verschiedene Insuline.

Was können chronisch Kranke und all diejenigen tun, die dringend ein Medikament brauchen?

Auf keinen Fall sollte man private „Tauschhandel“ machen, warnt der Landesapothekerverband. „Wer ein Arzneimittel braucht, sollte unbedingt auch weiterhin in die Apotheke vor Ort gehen.“ Dort werde man alles tun, um trotz der Lieferengpässe gute und sinnvolle Lösungen für die Patienten zu finden. Im Zweifel spreche sich die Apotheke mit dem verordnenden Arzt ab. Menschen mit Dauermedikation sollten sich unbedingt rechtzeitig ein Folgerezept holen und dieses gleich in der Apotheke vorlegen. „Oft hilft es, wenn etwas mehr Zeit für die Beschaffung eines Medikaments zur Verfügung steht“, sagt Eickmann.

Was kann jeder tun, um die Lage zu entspannen?

Jeder Einzelne kann helfen, dass die Situation nicht schlimmer wird, indem er sich solidarisch zeigt: In der derzeitigen Situation sollten Medikamente in den privaten „Hausapotheken“ nicht überbevorratet werden, so Eickmann.

Gängige Medikamente wie Fiebersäfte und Antibiotika für Kinder fehlen: Was sollten Eltern beachten?

Der Gang in die Apotheke lohnt oft trotzdem. So stellen mittlerweile einige Apotheken selbst Fiebersäfte für Kinder her. Manchmal sind Zäpfchen eine Alternative zum Saft.

Vor allem aber sollten Eltern Ruhe bewahren: „Wenn ein Kinderarzt ein Antibiotikum für nötig erachtet, ist das alternativlos“, sagt Ralf Brügel, Sprecher der Kinderärzte im Rems-Murr-Kreis. Bei vielen Krankheiten müsse man aber gar nicht viel machen. „Fieber muss in vielen Fällen nicht gesenkt werden, es ist eine gute Reaktion des Körpers. Denn Viren fühlen sich bei 39 Grad weniger wohl als bei 37 Grad“, erklärt der Mediziner. Solange ein Kind trinke, noch gelegentlich langsam durch die Wohnung laufe oder mal ein Buch anschaue, seien ein oder zwei Tage hohes Fieber unproblematisch. Ruhe, Flüssigkeit und vor allem Zuwendung seien dann die wichtigste Medizin. Händchenhalten und Streicheleinheiten können die Heilung fördern. Ausnahme: „Fiebert das Kind hoch und ist lethargisch, sollte man einen Arzt aufsuchen.“

Fiebersaft ist alle, das Fieber soll dennoch etwas runter: Welche Alternativen gibt es?

Kalte Wadenwickel können Fieber leicht senken. Dafür Leinentücher nass machen und auswringen, faltenfrei um die Waden wickeln. Darüber ein Frottee-Handtuch wickeln und schließlich noch eine dritte Lage, beispielsweise ein Molton-Tuch drunterlegen oder ebenfalls um das Bein wickeln. Wichtig ist, dass der Wickel nicht zu kalt ist. „Handwarm“ sollte das Wasser bei Kindern sein, circa 28 bis 32 Grad haben. Wadenwickel können ab einem Alter von 18 Monaten angewendet werden. Nach zehn Minuten wieder abnehmen.

Grundsätzlich rät Ralf Brügel, ibuprofen- und paracetamolhaltige Medikamente eher als Schmerz- denn als Fiebermittel einzusetzen, weil Fieber häufig gar nicht gesenkt werden muss. Wenn ein Schulkind (ab etwa 20 Kilogramm) Schmerzen habe, aber der Fieber- und Schmerzsaft aus ist, könnten auch Medikamente für Erwachsene eingesetzt werden: Eine halbe 400-Milligramm-Tablette halbieren, zerbröseln und mit etwas Wohlschmeckendem mischen, Nutella oder Honig beispielsweise. „Es kommt immer auf die Dosis an. Dabei gilt maximal zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Gabe“, erklärt der Kinderarzt. Allerdings rät er davon ab, per Augenmaß Tabletten zu vierteln der zu achteln, denn das könnte zu ungenau geraten.

Welche Hausmittel helfen bei Husten?

Auch bei Atemwegsinfekten können Wickel sinnvoll sein. „Kartoffelwickel sind zum Beispiel super“, sagt Brügel. Diese wärmeproduzierenden Wickel fördern die Durchblutung und entspannen die Atemmuskulatur. Dafür Kartoffeln mit Schale kochen, zerdrücken und in ein Geschirrtuch einwickeln. Diesen Wickel auf die Brust legen und alles zusätzlich mit einem Schal oder einer Decke warm halten. Achtung vor Verbrennungen: Unbedingt darauf achten, dass die Wickel nicht zu heiß sind.

Sogar Hustensaft kann selbst hergestellt werden, beispielsweise so: Eine Zwiebel schälen und würfeln, mit zwei Esslöffeln flüssigem Honig mischen, einige Stunden oder über Nacht ziehen lassen. Die entstandene Flüssigkeit kann man mehrmals am Tag einnehmen. „Wenn eine Familie ein bewährtes Hausmittel hat, sollte man das einsetzen“, sagt Ralf Brügel.

Wichtig sei auch bei Husten, nicht in Panik zu geraten, wenn die Genesung länger dauere: „Vieles heilt von alleine ab. Ein Kind kann durchaus mal zwei oder drei Wochen husten. Wenn es dabei fröhlich ist, ist das kein Problem.“

Und was hilft bei Schnupfen?

Die Zwiebel ist ein Allrounder und kann sogar bei einer verstopften Nase helfen: Klein geschnitten und in einem Säckchen nahe des Betts aufgehängt, sollen die Düfte die Nase frei machen. So ein Zwiebelsäckchen wirkt übrigens auch entzündungshemmend und kann bei Ohrenschmerzen auf die Ohren gelegt werden. Ein Dampfbad über einer Schüssel mit heißem Wasser mit Kamillenblüten kann eine verstopfte Nase ebenfalls lindern, ist aber nur für ältere Kinder geeignet.

Husten, Schnupfen, RSV-Infektionen, Corona, Grippe oder Magen-Darm-Erkrankungen: Gefühlt ist in diesem Winter ständig mindestens einer aus dem näheren Umfeld krank. Ist man gerade ausnahmsweise selbst fit, kränkeln das Kind, Freunde oder die Oma. Das allein ist belastend genug. Hinzu kommt, dass viele Medikamente knapp sind. Einen Tag herumtelefonieren, um das Antibiotikum gegen die Mittelohrentzündung der zweijährigen Tochter aufzutreiben? Das dürfte der ein oder anderen Familie bekannt

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