Rems-Murr-Kreis

Mit der Drohne auf Vermisstensuche

Drohnengruppe
Noch ist es nur ein Probeflug: Das Rote Kreuz Rems-Murr hat eine eigene Drohnen-Gruppe gegründet. © ALEXANDRA PALMIZI

Sie surrt und sieht wie ein Spielzeug aus. Voller Sensoren steckt sie, und versehentlich fliegt sie nie gegen Bäume. Eine Drohne nutzt das Rote Kreuz Rems-Murr demnächst, sofern die Einsatzleitung entscheidet: Bei dieser Vermisstensuche könnte diese Technik nützen, und glücklicherweise regnet es momentan nicht. Regentropfen nimmt die fliegende Doppelkamera als Hindernisse wahr, weshalb ihre Piloten sie bei ungünstiger Wetterlage eher in der Kiste lassen.

Daniel Roth und Michael Budig zählen zum Pilotenteam. Eine 15-köpfige Drohnen-Gruppe hat das Rote Kreuz Rems-Murr seit neuestem am Start, und alle in der Gruppe können alles: Drohnen steuern, Bilder auswerten, fürs störungsfreie Funktionieren der Technik sorgen. Im Einsatz wechselt man sich ab, denn niemand kann unbegrenzt lange die Drohne im Auge behalten. Wer die Steuerungseinheit in Händen hält, muss die Drohne immer sehen können. Das klingt einleuchtend, strengt aber mächtig an, weil die kleine Surr-Maschine ziemlich schnell fliegen kann.

Auf bis zu 60 Stundenkilometer bringt es das Mini-Fluggerät, berichtet Notfallsanitäter Daniel Roth. Als „Fachberater Drohnen“ beim Roten Kreuz kennt er die Tricks und Kniffe, und als bei einer Flug-Demo extra für die Presse nahe Bittenfeld diese eine Frage aufkommt, wundern sich alle umstehenden Rot-Kreuz-Leute ein bisschen: Wie gelingt das, jetzt auch noch für Drohnen-Einsätze eine 24-stündige Bereitschaft an sieben Tagen die Woche zu organisieren?

Rot-Kreuz-Helfer lassen den Melder einfach immer an. Und bei Alarm, der die Drohnen-Gruppe betrifft, handhaben sie die Dinge genau wie sonst auch. Das Team stimmt sich schnell ab, wer von wo aus losfahren kann – und dann wird gestartet.

Vermisstensuche: "Recht häufig"

Daniel Roth rechnet mit mehr als einem Drohnen-Einsatz pro Monat, zumal Vermisstensuchen „in letzter Zeit recht häufig sind“. Von Mitte oder Ende August an wird die neue Drohnen-Gruppe in die Alarmierungsschleifen integriert, und dann wird man sehen, wie sich die Dinge einspielen. Vor allem bei der Suche nach Vermissten werden Drohnen aufsteigen, wenngleich die fliegenden Kameras auch zu anderen Zwecken gute Dienste leisten können. Bei Hochwasser könnte man sich schnell ein Bild von der Situation verschaffen, oder der Blick von oben könnte bei diversen anderen Einsatzlagen Entscheidungshilfe liefern. Drohnen transportieren bei Bedarf Lautsprecher für Durchsagen, bei Nacht steckt man ein Blinklicht auf, und selbstverständlich findet die Drohne den Weg, sofern man ihr System mit Koordinaten speist.

Bei 120 Metern Flughöhe ist Schluss

Suchhunde finden ebenfalls den Weg. Die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes wird weiterhin zu Vermisstensuchen gerufen, und vermutlich scheren sich die Hunde einen feuchten Kehricht darum, wenn gleichzeitig Drohnen hoch oben sirren. Beide ergänzen sich bestens, sagt Rettungssanitäter und Bereitschaftsleiter Michael Budig, zumal dann, wenn man zögert, einen Hund in ein bestimmtes Gebiet zu schicken, weil er sich dort verletzen könnte. Uferrandgebiete oder Steinbrüche nennt Budig als Beispiele – oder Maisfelder. Mitten im dicht bewachsenen Feld sieht der Hund nicht viel, und die Kamerabilder der Drohne werden auch nicht viel mehr liefern können als hübsche Von-oben-Sichten aufs weite Grün.

Doch transportiert die Drohne ein weiteres technisches Auge, das in diesem Fall die entscheidenden Informationen senden könnte: Die Wärmebildkamera lokalisiert einen Menschen mitten im Feld sehr schnell, sofern die Temperaturbedingungen stimmen. Einer der Rot-Kreuz-Helfer demonstriert’s eindrucksvoll, durchstreift das Maisfeld – und auf dem Bildschirm ist deutlich die Silhouette eines Menschen zu erkennen, tiefrot eingefärbt, weil die Körpertemperatur höher liegt als die Umgebungstemperatur. Je tiefer die Drohne fliegt, desto präziser kann die Wärmebildkamera Temperaturunterschiede erkennen, doch selbst in 120 Metern Höhe funktioniert das eventuell noch.

Ohne Kenntnisnachweis kein Drohnen-Flug

Bei 120 Metern Flughöhe ist dann allerdings Schluss. Die Drohne könnte höher steigen, sie darf es aber nicht, erläutert Daniel Roth. Von Details wie diesen hört, wer die entsprechenden Fortbildungen besucht, um den Kenntnisnachweis für Drohneneinsätze zu erlangen. Im Luftraum gelten eigene Regeln, die selbstverständlich jeder kennen muss, der Drohnen in Wolkenrichtung schickt. Alle Rot-Kreuz-Helfer, die der neuen Gruppe angehören, sind zusätzlich beim Luftfahrtbundesamt registriert, berichtet Daniel Roth. Er hofft darauf, dass sich noch mehr Interessent/-innen der Gruppe anschließen und die Drohnen gar eine Art Magnetwirkung entfalten könnten: Vielleicht möchte sich auch jemand beim Roten Kreuz engagieren, der oder die kein Blut sehen kann, sich aber in der Drohnen-Gruppe pudelwohl fühlen könnte?

Unterdessen bereiten sich die Piloten auf ihren ersten echten Einsatz vor. In wenigen Wochen ist die Gruppe real einsatzbereit. Eine zweite Drohne wird sogar zur Verfügung stehen; dank eines Sponsors konnte das Rote Kreuz sich die Anschaffung leisten. 4000 Euro kostet das Fluggerät. Damit dann im realen Einsatz alles klappt, werden die Drohnen-Spezialisten noch die eine oder andere Probestunde absolvieren, kündigt Daniel Roth an, denn Üben heißt in diesem Fall: fliegen, fliegen, fliegen.

Sie surrt und sieht wie ein Spielzeug aus. Voller Sensoren steckt sie, und versehentlich fliegt sie nie gegen Bäume. Eine Drohne nutzt das Rote Kreuz Rems-Murr demnächst, sofern die Einsatzleitung entscheidet: Bei dieser Vermisstensuche könnte diese Technik nützen, und glücklicherweise regnet es momentan nicht. Regentropfen nimmt die fliegende Doppelkamera als Hindernisse wahr, weshalb ihre Piloten sie bei ungünstiger Wetterlage eher in der Kiste lassen.

Daniel Roth und Michael Budig

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