Rems-Murr-Kreis

Moderna oder Biontech? Schutz, Nebenwirkungen, Impfdurchbrüche im Vergleich

Biontech
In Bittenfeld wird je nach Verfügbarkeit mit  Moderna und Biontech geimpft, Schwangere und Menschen unter 30 erhalten Biontech. © Gabriel Habermann

Wut ausgelöst hat Jens Spahn mit seiner Ankündigung, den Corona-Impfstoff von Biontech zu rationieren und jetzt vor allem Moderna auszuliefern - wir berichteten. Aber wie gut ist eigentlich Moderna? Können Sie als impfwilliger Mensch ohne Sorge von Biontech auf die leichter verfügbare Alternative umschwenken? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert Moderna?

Es handelt sich um einen mRNA-Impfstoff, genau wie bei Biontech. Beide Vakzine enthalten Gen-Abschnitte des Covid-Virus in Form von messenger-RNA (Boten-RNA). Die Impfung führt dazu, dass Körperzellen Proteine herstellen, die das Immunsystem zur Antikörperbildung anregen.

Vektor-Impfstoffe wie Astrazeneca oder Johnson & Johnson hingegen nutzen harmlose Viren, die gentechnisch so verändert sind, dass sie den Bauplan für einen Teil des Covid-Erregers enthalten. Auch so lässt sich die Immun-Antwort aktivieren.

Taugt Moderna etwas?

Ja, das ist in der medizinischen Fachwelt unstrittig. „Moderna ist ein sehr guter Impfstoff“, sagt auch Jens Steinat, der Pandemiebeauftragte im Rems-Murr-Kreis. Für die meisten Leute – Ausnahmen siehe unten – „eignet sich der Impfstoff hervorragend“ sowohl „zur Grundimmunisierung“ als auch „zur Boosterung“ und habe „bei einigen Patientengruppen sogar einen noch stärkeren Effekt“ als Biontech.

Das Robert-Koch-Institut wies vergangene Woche auf Folgendes hin: Bei Menschen, die mit Biontech, mit Moderna oder auch mit Astrazeneca geimpft sind, ist im Vergleich zu Ungeimpften die Wahrscheinlichkeit einer schweren Covid-Erkrankung um 90 Prozent niedriger und auch das Risiko einer leichten Covid-Erkrankung um 75 Prozent geringer.

Wie sieht es mit Impfdurchbrüchen aus?

Da steht Moderna blendend da. Daten des Robert-Koch-Instituts vom 30. September: Meldungen über klinisch relevante Covid-Erkrankungen trotz abgeschlossener Doppel-Impfung gab es ...

  • bei Moderna in 0,54 Promille der Fälle (ein Impfdurchbruch pro 1852 Geimpfte)
  • bei Astrazeneca in 0,66 Promille der Fälle (ein Impfdurchbruch pro 1515 Geimpfte)
  • bei Biontech in 0,9 Promille der Fälle (ein Impfdurchbruch pro 1111 Geimpfte)

Bei Johnson & Johnson, das nicht doppelt, sondern nur einfach verimpft wurde, gab es Impfdurchbrüche in 2,66 Promille der Fälle (eine Erkrankung pro 376 Geimpfte).

Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus?

Da steht Moderna nicht brillant, aber ordentlich da. Laut Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts vom 30. September gab es bis dato Meldungen über einen Verdacht auf Nebenwirkungen nach Impfung ...

  • bei Biontech in 0,11 Prozent der Fälle (ein Fall pro 909 Geimpfte)
  • bei Johnson & Johnson in 0,20 Prozent der Fälle (ein Fall pro 500 Geimpfte)
  • bei Moderna in 0,27 Prozent der Fälle (ein Fall pro 370 Geimpfte)
  • bei Astrazeneca in 0,36 Prozent der Fälle (ein Fall pro 278 Geimpfte)

Warum sind die Ärzte dennoch sauer?

Wenn nun von einer Woche auf die andere plötzlich viel weniger Biontech geliefert wird als erwartet, wirft das bei den Hausärzten die Impfplanung über den Haufen – Jens Steinat erklärt:

  • Manchen Leuten, mit denen man einen Biontech-Termin vereinbart hat, muss man jetzt womöglich absagen – denn die Ständige Impfkommission empfiehlt für Leute unter 30 Jahren und für Schwangere nur Biontech, nicht Moderna.
  • Die „Aufklärungsnotwendigkeit“ ist enorm, der Bedarf an Beratungsgesprächen steigt steil, denn viele Impfwillige sind sowieso schon verunsichert.
  • „Die Menge an Impfstoff aus einer Ampulle Biontech entspricht nicht derjenigen aus einer Ampulle Moderna.“ Ein Fläschchen Biontech reicht für sechs Impfungen; der Arzt bestellt zum Beispiel 12, 18, 24 Leute ein. Bei Moderna (10 Impfdosen pro Fläschchen) braucht der Mediziner 10, 20, 30 Impfwillige und muss entweder Termine absagen oder zusätzliche Kunden suchen, jedenfalls umdisponieren, damit nichts verfällt.

„Alles in allem“, fasst Steinat zusammen, „ein riesiger Mehraufwand für die Praxen“, die sowieso „durch die massiv ansteigenden Infektzahlen und die hohe Impfnachfrage völlig ausgelastet, ja zum Teil überlastet sind“. Die Planung des Gesundheitsministeriums sei „katastrophal. Eine Woche vorher merkt man, dass man zu viel Biontech an andere Länder abgegeben hat. Grundsätzlich ist das im Rahmen der internationalen Hilfe ja wichtig – aber Weitsichtigkeit und Problembewusstsein für uns an der Basis? Fehlanzeige.“

Wie könnte die Lösung aussehen?

Sinnvoll wäre es, die Arztpraxen, die oft schon Impftermine bis in den Januar vereinbart haben, weiterhin mit Biontech zu versorgen und Moderna vor allem für größere zentrale Impfaktionen einzusetzen, bei denen die Anmeldung noch gar nicht stattgefunden hat.

Wut ausgelöst hat Jens Spahn mit seiner Ankündigung, den Corona-Impfstoff von Biontech zu rationieren und jetzt vor allem Moderna auszuliefern - wir berichteten. Aber wie gut ist eigentlich Moderna? Können Sie als impfwilliger Mensch ohne Sorge von Biontech auf die leichter verfügbare Alternative umschwenken? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert Moderna?

Es handelt sich um einen mRNA-Impfstoff, genau wie bei Biontech. Beide Vakzine enthalten

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