Rems-Murr-Kreis

Musiker in Coronazeiten: Dr. Mablues and the Detail Horns veröffentlichen neuen Song auf Youtube

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So geht Musik heute: Nachdem jeder seinen Part eingespielt hat, entsteht auch ein Youtube-Video. © Dr. Mablues

Der Titel passt wie die Faust aufs Auge: „Long long lonely Time“. Das klingt wie ein Kommentar zu den Corona-Zeiten. Übersetzt heißt das „lange, lange Einsamkeit“ und gibt auch die Situation wieder, in der professionelle Musiker gerade leben. Songschreiber und Bandleader Thomas „Gaz“ Brodbeck zweifelt, dass Dr. Mablues and the Detail Horns überhaupt noch einmal ein Konzert geben können, zumindest bis es einen Corona-Impfstoff gibt.

Zunächst hatte Thomas Brodbeck den großen Lockdown-Schock erlebt. Plötzlich ging gar nichts mehr, keine Konzerte, keine Proben, noch nicht einmal ein Zusammenkommen der Band war möglich. Brodbeck: „Ich hab mich erst mal schlafen gelegt!“ Aber nach dem Aufstehen war klar, dass er die Gelegenheit nutzen wollte, all das zu tun, was wegen der vielen Musiktermine sonst immer liegenblieb.

Also ab in den Keller ins eigene Studio. Und da lag, so berichtet Gaz, seit zwei Jahren ein Songfragment mit einer einzigen Textzeile „Long long lonely Time“. Und weil der Text so gut passt, hat er sich gleich drangesetzt, den Song fertig zu komponieren und den Text zu vollenden.

Nach gerade mal drei, vier Stunden war der Song fertig

„Alles hat gerade mal drei, vier Stunden gedauert.“ Heraus kam ein erdiger, bluesiger Rocksong, ganz nach Dr.-Mablues-Art, mit einem Refrain, der ins Ohr geht.

Weil Proben nicht möglich waren, hatten die Bandmitglieder schnell eine Skype-Gruppe gegründet. Zum üblichen Termin montagabends traf man sich halt nun statt analog im Probenraum digital im Chatroom. „Beim ersten Mal haben wir uns einfach nur gefreut, dass wir uns wiedersehen können. Wir haben erst mal zusammen ein Bier getrunken und Quatsch gemacht,“ lacht Brodbeck. Aber dann hat er seinen Kumpels auch schon den gerade neu entstandenen Song vorgestellt.

Und es kam die Idee auf, dass jeder zu Hause seinen Part selbst aufnimmt. Manche Bandmitglieder verfügten bereits über Aufnahmeequipment oder gar ein Studio. Andere mussten sich das erst beschaffen. Brodbeck: „Man braucht eigentlich gar nicht viel, ein Mikro und einen Converter, der das analoge Mikrosignal digital umwandelt. Dazu kann man ein Programm verwenden, das es im Internet gibt.“

Zuerst war Schlagzeuger Tommy K. dran und spielte den Grundrhythmus ein. Darauf konnten dann die anderen Bandmitglieder ihren Part aufspielen. Brodbeck: „Das hat super geklappt, nachdem einmal die ersten drei, vier Aufnahmen da waren, wuchs der Druck auf die anderen Kollegen. Und zack waren alle Aufnahmen da!“ Der Bandleader hat dann die Tonspuren übereinandergelegt und nach drei, vier Wochen war der Song im Kasten.

Weil das so gut geklappt hat, kommt nun vielleicht auch neuer Schwung für eine neue CD? Man braucht zwölf Songs, die bislang üblicherweise von zehn Mann eingespielt wurden. Es ist unglaublich schwierig, passende Termine zu finden, das ganze Prozedere habe sich unheimlich lang hingezogen. So war’s bis Corona. „Aber jetzt plötzlich geht’s auch so“, freut sich Brodbeck.

Als kleine Erinnerung an die Band, ein bisschen als Dank an die Fans und als Appetitanreger für die neue CD sollte der Song auf Youtube gestellt werden. Doch da werden Videos abgespielt. Also musste jeder der beteiligten Musiker seinen Part noch einmal einfangen, diesmal mit der Kamera. „Das kann man nicht während der eigentlichen Aufnahme machen, deshalb haben wir’s nun quasi als Playback gemacht.“

Was einige Bandmitglieder auf skurrile Ideen brachte. Boris „Bobo“ Hartmann hat im Haus eine Sauna, wo er ursprünglich seinen Part eingespielt hat. Im Video macht er dann einen Aufguss. Alles nicht so ernst gemeint. Fazit: Nicht nur die Musik ist gut gelungen, auch das Anschauen des Videos macht Spaß. Den Film hat übrigens Thommy K.s Sohn Felix zusammengestellt.

Live, da ist sich Gaz Brodbeck sicher, wird man Dr. Mablues an the Detail Horns für lange Zeit nicht mehr sehen können. Die Regeln ändern sich zwar täglich, aber allein um mit einer zehnköpfigen Band unter Beachtung der Coronaregeln auftreten zu können, bräuchte man wohl eine zwanzig Meter breite Bühne. Und wenn dann nicht mehr als 100 Zuschauer kommen dürfen, würde sich das auch finanziell gar nicht lohnen, meint Ralph Gelhard, der Manager für die Mablues-Auftritte.

Auftritt vor nur 100 Zuschauern? Macht keinen Spaß und lohnt nicht

Und außerdem, gibt Gaz Brodbeck zu bedenken, würde das auch gar keinen Spaß machen. Zwar sind noch Auftritte im Juli und  Oktober und zu Beginn des nächsten Jahres angekündigt, aber wirklich daran glauben tut Brodbeck nicht. Erst wenn es ein Impfmittel gibt ...

Das wirft die Frage nach den Finanzen auf. Wie geht es den Bandmitgliedern? „Wir sind ja nur drei Profis, Thommy K. am Schlagzeug, Martin Hofpower und ich, wir leben von den Liveauftritten." Die anderen Bandmitglieder gehen ihren normalen Berufen nach, auch wenn einige in Kurzarbeit sind. Thomas K hat wieder angefangen, Schlagzeugunterricht zu geben. Auch er, Thomas Brodbeck, unterrichtet Einzelschüler an der Gitarre. Zunächst hatte er das per Skype gemacht, jetzt gibt es wieder echten Einzelunterricht: „Ich habe einen großen, gut belüfteten Proberaum, wo die Coronaregeln leicht einzuhalten sind.“

Wie es für ihn persönlich weitergeht, das kann Thomas Brodbeck nicht sagen. Ein paar Live-Stream-Konzerte mit seiner zweiten Band „Opportunity“, dafür hat er „die Spinnweben vom Gitarrenkoffer gepustet“. Klar ist aber, dass man das nicht allzu oft wiederholen kann: „Ich habe seit 42 Jahren noch nie so wenig Musik gemacht wie jetzt!“

Long long lonely Time!

Der Titel passt wie die Faust aufs Auge: „Long long lonely Time“. Das klingt wie ein Kommentar zu den Corona-Zeiten. Übersetzt heißt das „lange, lange Einsamkeit“ und gibt auch die Situation wieder, in der professionelle Musiker gerade leben. Songschreiber und Bandleader Thomas „Gaz“ Brodbeck zweifelt, dass Dr. Mablues and the Detail Horns überhaupt noch einmal ein Konzert geben können, zumindest bis es einen Corona-Impfstoff gibt.

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Zunächst hatte Thomas Brodbeck den großen

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