Rems-Murr-Kreis

Nach Absturz in Griechenland: Erinnerung an Antonov-Flüge im Rems-Murr-Kreis

Bundeswehr mit Antonov über dem Rems-Murr-Kreis
Eine Antonov im Landeanflug. © Papas Dos (Moskau)

Am Samstagabend, 16. Juli, stürzte über Griechenland ein Frachtflugzeug vom Himmel. Es war eine russische Antonov, die in Serbien gestartet war und nach Bangladesch fliegen sollte. Acht Menschen starben bei dem Unglück. Die 11,5 Tonnen Munition, die sich an Bord befunden haben sollen, explodierten, berichtet der Spiegel. Im Herbst 2018 wurde das Remstal fast täglich gegen 22 Uhr von unglaublichem Lärm durchgeschüttelt. Damals flogen ebenfalls Antonovs. Sie querten den hiesigen Luftraum. Welche Gefahr hing damals über uns? Und dürfen diese Uralt-Flieger immer noch für und bei uns fliegen?

2018 flogen an vielen Abenden Antonovs über das Remstal: Gläser klirrten

Im September 2018 war’s, als viele Abende gegen 22 Uhr ein Flugzeug in großer Höhe über den Rems-Murr-Kreis flog. Doch der Lärm mutete an, als wäre die Maschine gerade im Landeanflug und ganz nah. Claus Paal, damals noch für die CDU im Landtag, wurde auf das Problem angesprochen und machte sich via Handy-App schlau: Über unseren Köpfen flog eine Antonov der ukrainischen Charter-Airline Cavok Air. Sie war auf dem Weg von Leipzig nach Ghardaia in Algerien. Die Maschinen flogen für die Bundeswehr, die die UN-Mission in Mali unterstützte. Bei diesen Flügen musste Material in einer Menge transportiert werden, für die die bundeswehreigenen Flugzeuge nicht geeignet sind. Die Bundeswehr vergab den Flug an den Subunternehmer DB Schenker. Dieses Unternehmen vergab seinerseits weiter an den ukrainischen Subsubunternehmer Cavok Air.

Die Bildzeitung hatte die Antonovs vor Jahren als „Russenschrott“ bezeichnet. Die Flugzeuge zeichneten sich vor allem durch Ausfälle, Abstürze und Abgase aus.

Claus Paal wurde damals aktiv, schrieb ans Bundesverteidigungsministerium, an die Presse. Er erklärte: „Ich bin der Meinung, dass solches Fluggerät nicht zeitgemäß ist und so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden muss“.

Paal und die Presse hatten Erfolg: Mitte Juli 2019 war Ruhe im Remstal. Die Antonovs flogen eine andere Route. Abgeschafft allerdings waren sie nicht. Cavok Air mied nur die Gegenden, in denen der Fluglärm auf Widerstand gestoßen war. Die Route wurde damals nach Osten entlang der deutsch-tschechischen Grenze und an München vorbei verlagert.

Damals blieben die Flieger zum Glück am Himmel

Damals war zum Glück nichts passiert. Die Frachtflieger blieben über dem Remstal dort, wo sie hingehörten – am Himmel. Dennoch: Angesichts des Unglücks in Griechenland grummelt es noch nachträglich im Magen. Was wäre gewesen, wenn? Schon der Absturz eines solchen Flugzeugs im dicht besiedelten Rems-Murr-Kreis wäre eine Katastrophe gewesen. Doch was hatten die Antonovs geladen? Ebenfalls Munition in Massen, wie sie nach dem Absturz in Griechenland explodierte und beißende Dämpfe und eine Schneise der Verwüstung hinterließ, wie der Spiegel schreibt?

Er wisse nicht mehr, was damals geladen war, sagt ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr. Das nachzuprüfen bedeute einen nicht zu rechtfertigenden Aufwand. Grundsätzlich kämen die Antonovs zum Einsatz, wenn viel Masse mit viel Gewicht geladen werden müsse. Es sei damals auf jeden Fall „um schweres Gerät“ gegangen. Vermutlich um „Waffensysteme“, und um „Gefechtsfahrzeuge“, vielleicht auch um Container, die ihrerseits mit Material vollgeladen und daher sehr schwer gewesen waren. Und ja, denkbar sei natürlich auch, dass für die Waffensysteme und die Gefechtsfahrzeuge die entsprechende Munition geladen worden war. Natürlich immer entsprechend den Sicherheitsvorschriften.

Die Antonovs fliegen immer noch über Deutschland. Erst im Februar titelte der Mitteldeutsche Rundfunk: „Ukraine-Krieg gefährdet Antonov-Flüge von und nach Leipzig/Halle“. Geflogen wird für die Nato. Beispielsweise damals, als die Nato Afghanistan verlassen hat. Der Stern schrieb im März über die Antonov: „Mit ihrer hohen Nutzlast, dem hochklappbaren Bug und der Heckrampe können Fahrzeuge direkt in den Rumpf fahren. Die Boeing 747 als Frachter und auch die BelugaST von Airbus benötigen spezielle Hebebühnen, um be- und entladen zu werden – für Antonow An-124 gibt es keine Alternative“. Der Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr verkündete keineswegs, dass auf Antonovs nicht mehr zurückgegriffen werde.

Es sieht nicht so aus, als könnte die Bundeswehr auf die Antonov verzichten

Claus Paal fordert seit Jahren, „dass dieser Uralt-Flugzeugtyp, der die Umwelt schädigt und die Sicherheit von Menschen gefährdet, endlich verschwindet“. Bislang ist das wohl nur über dem Remstal gelungen.

Am Samstagabend, 16. Juli, stürzte über Griechenland ein Frachtflugzeug vom Himmel. Es war eine russische Antonov, die in Serbien gestartet war und nach Bangladesch fliegen sollte. Acht Menschen starben bei dem Unglück. Die 11,5 Tonnen Munition, die sich an Bord befunden haben sollen, explodierten, berichtet der Spiegel. Im Herbst 2018 wurde das Remstal fast täglich gegen 22 Uhr von unglaublichem Lärm durchgeschüttelt. Damals flogen ebenfalls Antonovs. Sie querten den hiesigen Luftraum.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper