Rems-Murr-Kreis

Nach dem Drama am Fellbacher Schwabenlandtower: Neue Falken, neues Ei

Neue Falken in Fellbach
Anflug auf das Dach des neuen Zuhauses: Das neue Falkenpaar, das in den Nistkasten auf dem Fellbacher Schwabenlandtower gezogen ist, hat inzwischen schon ein Ei gelegt. © falcommunity

Die Fellbacher Falken, bekannt und berühmt, weil den streng geschützten Vögeln dank Kamera bei der Aufzucht der Jungen zugeschaut werden konnte, waren im vergangenen Jahr vermutlich einem Giftanschlag zum Opfer gefallen. Jetzt aber ist ein neues Falkenpaar in den Brutkasten auf dem Schwabenlandtower eingezogen. Und: Das erste Ei liegt im Nest! Große Freude in Fellbach. Doch kann man diese Tiere jetzt schützen?

Auf dem Fellbacher Schwabenlandtower brüten die neuen Falken schon

Ist’s die zukünftige Vogelmama? Oder der Papa? Eines der wunderschönen Tiere jedenfalls sitzt, so zeigt es die Kamera der Nabu-Gruppe Fellbach, inmitten von Kieselsteinchen. Hin und wieder wird mit dem Schnabel ein Steinchen neu einsortiert. Dann blinzeln die Augen, der Kopf nickt nach unten – ganz schön ermüdend, dieses Brutgeschäft. Auf dem Fellbacher Schwabenlandtower gibt’s wieder ein Falkenpaar. Und ein erstes Ei!

Es sind nicht die Tiere, die schon über mehrere Jahre die Tierschützer erfreut haben. Falkenmutter Perenelle und ein Jungtier waren, so denken die Falkenfachleute vom Nabu, im vergangenen Jahr einem Giftanschlag zum Opfer gefallen. Die beiden Tiere wurden gefunden und untersucht: In ihren Körpern sowie in dem Körper einer in der Nähe des Falkenbrutkastens aufgefundenen Taube konnten Spuren eines seit langem verbotenen Insektizids nachgewiesen werden. Ein Gift, das innerhalb kürzester Zeit zum Tod führt und auch für Menschen hochgefährlich ist.

Die gesamte Fellbacher Falkenfamilie war verschwunden: Zwei sicher tot, bei den anderen ist der Verbleib unbekannt

Mit den beiden tot aufgefundenen Tieren waren auch die anderen Falken der Familie verschwunden. Was mit ihnen passiert ist, weiß niemand. Die Nabu-Fachleute befürchten das Schlimmste.

Umso schöner, dass die Falken-Geschichte auf dem Dach des 34 Stockwerke hohen Towers nicht vorbei ist. Seit Montag, 7. März, um 7.30 Uhr wird gebrütet. Normalerweise kommt so nach etwa zwei Tagen das nächste Ei – es dürfte also bald wieder so weit sein.

Die Tiere wechseln sich, erklärt Friedemann Tewald, der das Falkenprojekt betreut, beim Brüten ab. Wer wissen will, ob gerade das Weibchen oder doch das Männchen den noch gut verpackten Nachwuchs wärmt, muss genau hinsehen: Während das Gefieder auf dem Rücken ja dunkel-braun-grau ist, sind Hals und Brust sehr viel heller, ja fast weiß. Über den hellen Grundton sind dann dunkle Pünktchen verstreut. Diese gehen, sagt Friedemann Tewald, beim Weibchen sehr weit nach oben in Richtung Kopf. Das Männchen dagegen ist an der Brust komplett weiß.

Wanderfalken fangen kleinere Vögel bis höchstens 500 Gramm: Tauben und Krähen sind die größten Beutetiere

Wer nicht brütet, muss für Futter sorgen. Falken sind keine Aasfresser. Sie fangen sich ihre Beute üblicherweise im Flug. Bevorzugt sind das zurzeit Meisen, Stare oder Drosseln. Das tut dem Vogelliebhaber womöglich wieder weh – doch so ist halt die Natur.

Und das ist auch der Grund, weshalb es unmöglich ist, die Falken vor einem erneuten Gifttod zu schützen. Es ist dabei ganz gleich, ob irgendjemand Unbekanntes im vergangenen Jahr die Falken gezielt im Visier gehabt hatte, oder ob die Tiere quasi ein „Kollateralschaden“ gewesen sind und das Insektizid nur eingenommen hatten, weil sie Vögel gefangen hatten, die irgendwie mit dem Insektizid in Berührung gekommen waren. Wobei sich dann immer noch die Frage stellt, wie andere Vögel mit einem seit Dezember 2008 in der gesamten EU verbotenen Wirkstoff in Berührung kommen können.

Man kann die Tiere nicht schützen, es sind Wildtiere

Man kann die Falken bei der Jagd nicht lenken. Und man kann ihnen kein Futter hinstellen. Das wäre auch nicht sinnvoll. Die Fellbacher Towerfalken sind wildlebende, freie Tiere. Das Einzige, was man tun könnte, sagt Friedemann Tewald, ist, die Augen offenzuhalten. Wenn tote Vögel oder andere tote Tiere auffällig rumliegen, sei Vorsicht geboten. Dann kann man das beispielsweise dem Nabu oder auch der Polizei melden. Tewald ist dennoch guter Dinge und denkt, dass die Fellbacher Falken-Brutgeschichte in diesem Jahr ein gutes Ende nehmen wird.

Die Fellbacher Falken, bekannt und berühmt, weil den streng geschützten Vögeln dank Kamera bei der Aufzucht der Jungen zugeschaut werden konnte, waren im vergangenen Jahr vermutlich einem Giftanschlag zum Opfer gefallen. Jetzt aber ist ein neues Falkenpaar in den Brutkasten auf dem Schwabenlandtower eingezogen. Und: Das erste Ei liegt im Nest! Große Freude in Fellbach. Doch kann man diese Tiere jetzt schützen?

Auf dem Fellbacher Schwabenlandtower brüten die neuen Falken

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