Rems-Murr-Kreis

Nach Razzia in Backnang-Sachsenweiler im Herbst 2020: Ermittlungen laufen noch

SEK-Einsatz
Razzia in Sachsenweiler im Oktober 2020. © 7aktuell.de/Simon Adomat

Am frühen Morgen des 15. Oktober 2020 kam es im verschlafenen Backnanger Teilort Sachsenweiler zu einem spektakulären SEK-Einsatz: Beamte beschlagnahmten militärhistorische Fahrzeuge, Waffen und Kriegsgerät in großer Zahl. Der Besitzer sah sich binnen kürzester Zeit seiner Existenz beraubt. Er arbeite als Requisiten-Dienstleister, statte seit vielen Jahren historische Filme aus und besitze deshalb all diese Militaria, sagte der Mann seinerzeit. Fast ein halbes Jahr ist seitdem vergangen – und nach wie vor gibt es seitens der Staatsanwaltschaft keinerlei Informationen diesen Fall betreffend: Die Ermittlungen dauern noch an, teilt Staatsanwältin und Pressesprecherin Stefanie Ruben mit, weshalb sie „derzeit leider keine weiteren Auskünfte über den Sachstand geben“ könne.

Der Betroffene selbst hatte kurz nach der Razzia gegenüber dieser Zeitung beteuert, er sei kein Nazi – und werde auf Anraten seines Anwalts weiter nichts sagen.

Das Haus in Sachsenweiler war eins von 17 Zielorten der Spezialeinsatzkräfte. In verschiedenen Bundesländern wurden an jenem Morgen im Oktober Wohnungen durchsucht, und zwar in München, in den Landkreisen Augsburg, Biberach, Esslingen, Günzburg, Kempten, Sigmaringen, Tübingen und Ostallgäu sowie dem Ostalb- und Rems-Murr-Kreis. Gegen 19 Männer und Frauen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt wurde und wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, Verstoßes gegen das Waffengesetz, das Versammlungsgesetz und wegen des Tragens verfassungsfeindlicher Symbole.

Kriegsszenen im Wald nachgespielt

Die Polizei benötigte Lastwagen, um die Mengen an Beweismaterial abtransportieren zu können. Zwei der Beschuldigten waren zuvor bereits in staatsschutzrelevantem Zusammenhang aufgefallen – der Beschuldigte aus Backnang-Sachsenweiler allerdings nicht.

Im Zuge dieses Falles ist die Reenactment-Szene in den Fokus gerückt. Beteiligte spielen geschichtliche Ereignisse möglichst originalgetreu nach. Die Bandbreite dieser Events ist riesig: Solche Aufführungen können der Bildung dienen – oder Rechtsextreme nutzen diese Plattform, um ungehemmt in Wehrmachtsuniformen, mit Nazi-Symbolen behängt und bewaffnet durch Wälder zu stapfen. In einigen Ländern Osteuropas ist es nicht verboten, verfassungsfeindliche Symbole dieser Art öffentlich zu präsentieren.

„Es gibt auch extrem rechtes Reenactment“, hatte Karl Banghard dieser Zeitung im Herbst gesagt. Der Historiker leitet das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen, und seinen Informationen zufolge nutzen „jede Menge Leute“ in der Filmszene diese Inszenierungen als „Tarnkappe“, um rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten. Es sei überhaupt nichts Außergewöhnliches, so Banghard seinerzeit, dass Menschen in Wäldern auch in Deutschland Kriegsszenen nachspielen.

Ein Ereignis dieser Art hatte letztlich die Razzien im Oktober 2020 ausgelöst. Die Polizei hatte einen Hinweis erhalten, wonach sich bewaffnete Personen in Wehrmachtsuniformen in einem Gebäude im Landkreis Biberach getroffen haben sollen. Tatverdächtig seien Männer und Frauen im Alter zwischen 27 und 77 Jahren. Die Personen sollen sich ferner mit Wehrmachtsuniformen und mit Waffen ausgestattet in einem Waldstück getroffen und unter anderem Kriegsszenarien nachgestellt haben.

Am frühen Morgen des 15. Oktober 2020 kam es im verschlafenen Backnanger Teilort Sachsenweiler zu einem spektakulären SEK-Einsatz: Beamte beschlagnahmten militärhistorische Fahrzeuge, Waffen und Kriegsgerät in großer Zahl. Der Besitzer sah sich binnen kürzester Zeit seiner Existenz beraubt. Er arbeite als Requisiten-Dienstleister, statte seit vielen Jahren historische Filme aus und besitze deshalb all diese Militaria, sagte der Mann seinerzeit. Fast ein halbes Jahr ist seitdem vergangen –

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