Rems-Murr-Kreis

Nach Streit mit Chefärzten: Geschäftsführer Marc Nickel verlässt Rems-Murr-Kliniken

Rems Murr Kliniken PK
Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken. © Benjamin Büttner

Die Ära Marc Nickel geht zu Ende, der Geschäftsführer und Chefsanierer verlässt nach sieben durchaus erfolgreichen Jahren die Rems-Murr-Kliniken – offiziell auf eigenen Wunsch hin, inoffiziell womöglich nicht vollkommen freiwillig. Nickel hatte sich offenbar mit den Chefärzten überworfen.

Die Vorgeschichte: Marc Nickel und sein Auftrag

Anfang 2015 steckten die Rems-Murr-Kliniken in einer wirtschaftlich existenzbedrohenden Krise – der damalige Landrat Johannes Fuchs vergab deshalb die Geschäftsführung an einen externen Management-Dienstleister, die Oberender AG Bayreuth; und die entsandte Marc Nickel als Geschäftsführer nach Winnenden.

Absehbar war damals: Nickel würde nicht ewig bleiben, inoffiziell war von vielleicht fünf Jahren die Rede. Denn dass er sich nicht überall beliebt machen würde, war sonnenklar: Er wurde ja nicht als Sympathieträger angeheuert, sondern als Sanierer. Unbequeme Entscheidungen durchzupeitschen, gehört da zum Anforderungsprofil.

Nickel meisterte die Aufgabe, das kann man heute sagen, durchaus bravourös. Er setzte nicht auf Kaputtsparen und Stellenabbau, also weniger Ausgaben. Sondern auf Qualitätsverbesserung, Angebotserweiterung, Anwerbung profilierter Chefärzte, ein stimmiges medizinisches Gesamtkonzept, also mehr Einnahmen. Es hat funktioniert. Die Kliniken stehen heute wirtschaftlich stabiler da (wenngleich jährlich immer noch ein Millionenminus aufläuft wegen des Neubau-Schuldendienstes). Und Nickel blieb länger als gedacht. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, er wolle gar nicht mehr weg.

Das Zerwürfnis: Corona, Marc Nickel und die Chefärzte

Dass Nickel intern bisweilen zu harschen Forderungen neige, war allerdings auch schon länger zu hören. Von einem Riss zwischen ihm und den Chefärzten wurde gemunkelt. Die Corona-Pandemie hat aus diesem Riss offenbar einen Abgrund gemacht.

Die Rems-Murr-Kliniken leisteten zwar Enormes während der Corona-Krise, bauten funktionierende Strukturen zur Covid-Bekämpfung auf und hielten gleichzeitig eine hochwertige Patientenversorgung im Allgemeinen aufrecht – die wirtschaftlichen Leistungszahlen aber brachen ein, weil planbare Operationen verschoben wurden, und haben sich bis heute nicht voll erholt, weil viele Patienten sich immer noch abwartend verhalten. Der wirtschaftliche Druck stieg; Nickel gab ihn wohl mit Wucht an die Chefärzte weiter und forderte, sie sollten ihre Zahlen auf Vordermann bringen.

Es ist gewiss nicht unzumutbar, medizinische Führungskräfte, die teilweise 300 000 oder gar 400 000 Euro pro Jahr bekommen, auch wirtschaftlich mit in die Pflicht zu nehmen. In einem anonymen Brief, der im Haus kursierte, hieß es allerdings, der Geschäftsführer verbreite „Angst und Schrecken“ und kontrolliere gar die Arbeitszeiten der Chefärzte, indem er Ankunfts- und Abfahrtszeiten aus den Park-Chipkarten auslese. Man darf indes zweifeln, ob das stimmt oder nur ein bösartig-haltloses Gerücht aus dem sicheren Hinterhalt der Anonymität ist.

Wie auch immer: Die Chefärzte sind sich untereinander durchaus nicht immer einig – gegen Nickel aber, so heißt es, hätten sie zu seltener Einmütigkeit gefunden.

Die Mediation: Marc Nickels Ansage und die Übergangslösung

Das Zerwürfnis war so tief, dass Landrat Richard Sigel Hoffnung nur noch in einer Mediation sah, einem strukturierten Konfliktbearbeitungsverfahren, bei dem unabhängige Dritte die Streitparteien auf dem Weg zu einer Lösung begleiten. Das Ergebnis kann zum Beispiel ein gemeinsamer Neuanfang mit klaren Vereinbarungen sein.

Im Falle Nickel versus Ärzte ist das Ergebnis: die Trennung. Marc Nickel, so heißt es in einer schriftlichen Vorlage für die Kreistagssitzung am 11. Juli, habe „erklärt, dass er nach sieben erfolgreichen, aber auch sehr intensiven Jahren als Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken sich einer neuen Aufgabe widmen und die Rems-Murr-Kliniken verlassen möchte“.

Ein Interims-Führungsteam mit Andre Mertel, dem kaufmännischen Leiter und Prokuristen der Kliniken, an der Spitze soll nun zunächst gemeinsam mit den Chefärzten und in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat neue Leitungsstrukturen erarbeiten. Mertel genieße dabei das „Vertrauen der Mitarbeitenden in den Kliniken“.

Wenn dann Ende 2023 der Managementvertrag mit der Oberender AG ausläuft, gilt es, eine grundlegende Entscheidung zu treffen: Soll die Übergangs- zur Dauerkonstruktion werden und künftig eine direkt bei den Kliniken angestellte Geschäftsführung die Geschicke der beiden Krankenhäuser lenken? Oder soll ab 2024 erneut ein von außen kommender Vertreter einer Managementfirma die Weichen stellen? Die Entscheidung wird letztlich der Kreistag zu treffen haben, „spätestens im ersten Halbjahr 2023“.

Die nächsten Schritte

In der Sitzung am 11. Juli wird der Aufsichtsrat den Kreistag um die Ermächtigung bitten, die ersten Schritte einzuleiten, und dann – sofern das Gremium sein Ja gibt, was zu erwarten ist – „die Geschäftsführung abberufen“, eine neue bestellen und „das Vertragsverhältnis mit der Oberender AG gegebenenfalls außerordentlich beenden“.

Siehe dazu auch den Kommentar.

Die Ära Marc Nickel geht zu Ende, der Geschäftsführer und Chefsanierer verlässt nach sieben durchaus erfolgreichen Jahren die Rems-Murr-Kliniken – offiziell auf eigenen Wunsch hin, inoffiziell womöglich nicht vollkommen freiwillig. Nickel hatte sich offenbar mit den Chefärzten überworfen.

Die Vorgeschichte: Marc Nickel und sein Auftrag

Anfang 2015 steckten die Rems-Murr-Kliniken in einer wirtschaftlich existenzbedrohenden Krise – der damalige Landrat Johannes Fuchs vergab

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