Rems-Murr-Kreis

Nach Vorfall im Kreis Göppingen: Wie gefährlich sind Hornissen?

Hornisse
Eine Hornisse an einem Fenster. © Alexandra Palmizi

Hornissen haftet der Ruf an, dass sie aggressiv und gefährlich sind. Mit ihrem Brummen und einer Größe von zwei bis drei Zentimetern flößen sie zudem vielen Menschen Angst ein. Der jüngste Vorfall im Kreis Göppingen, bei dem mindestens 20 Menschen in einem Wandergebiet durch Hornissen-Stiche verletzt wurden, dürfte bei manch einem die Furcht verstärkt haben.

Wie gefährlich sind Hornissen?

Doch wie gefährlich sind eigentlich Hornissen? Bruno Lorinser, Erster Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in Waiblingen, klärt auf.

„Hornissen sind eigentlich völlig harmlos“, sagt der Naturschützer. Er hat bei sich im Garten einen Nistkasten mit Hornissen – zwei Meter von seiner Terrasse entfernt – und habe keine Probleme mit den Tieren. „Die haben gar kein Interesse an mir. Im Gegenteil, ich selbst beobachte sie mit Interesse“. Hornissen seien auch wesentlich weniger gefährlich oder aggressiv als Wespen.

Wie konnte es zum Hornissen-Vorfall mit den Wanderern im Kreis Göppingen kommen?

Zum Vorfall im Kreis Göppingen fragt sich Bruno Lorinser, was im Vorfeld passiert ist. Er geht davon aus, dass die Wanderer irgendetwas gemacht haben müssen, was die Hornissen in Alarmbereitschaft versetzt hat. „Wenn ich als Wanderer irgendwo an einem Nistplatz von Hornissen vorbeigehe, wollen die Hornissen nichts von mir“, sagt Lorinser. Ob nun absichtlich oder unabsichtlich, die Wandergruppe müsse aktiv irgendetwas gemacht haben.

Wichtig ist laut Bruno Lorinser, den Zugang zum Nistkasten nicht zu versperren. Wenn man hier den Deckel öffnet oder mit einem Stock am Einflugloch herumstochert, dann wehren sich die Tiere.

Problematisch ist auch das CO2, das Menschen ausatmen. Das signalisiert den Hornissen, dass Gefahr droht. Die Hornissen gehen davon aus, dass sich ein Bär nähert oder irgendjemand, der in früheren Zeiten ein Feindbild war, so Lorinser. Wenn man nun direkt vor einem Hornissen-Nest sitzen würde, also in „Handgreifweite“, kann es zu Schwierigkeiten kommen. Der Experte rät daher, Abstand zu halten.

Zudem müsse geprüft werden, ob es sich tatsächlich um heimische Hornissen gehandelt habe. In Deutschland breite sich seit einiger Zeit eine invasive Hornissenart aus. Diese habe eine andere Lebensweise. Sie bauen zum Beispiel freihängende Nester in Bäumen und haben eine weitaus größere „Volksstärke“ als die einheimischen Hornissen.

Wie hoch ist die Chance, von einer Hornisse gestochen zu werden?

Wie hoch die Chancen stehen, von einer Hornisse gestochen zu werden, ist laut Bruno Lorinser schwierig zu beantworten. „Da muss man die Hornissen schon aktiv provozieren, indem man mit einem Stock am Nest klopft oder herumstochert.“ Gegen ein aggressives Verhalten wehren sich die Hornissen eben.

Wie sollte man sich in der Nähe von Hornissen verhalten?

Dass Hornissen einen Menschen direkt anfliegen oder sich auf dem Arm absetzen, würde praktisch nie vorkommen, sagt Bruno Lorinser. „Hornissen sind eher scheue Tiere. Die sind vorsichtig und fliegen in der Regel sofort weg.“

Sollte dennoch einmal eine Hornisse in der Nähe sein, sollte man am besten hektische Bewegungen vermeiden. Pusten sollte man auf keinen Fall, weil sich die Tiere dadurch bedroht fühlen. Außerdem sollte man die Flugbahn zum Einflugloch ihrer Nester nicht behindern.

Wie verscheucht man Hornissen am besten?

Aber wie verhält man sich, wenn eine Hornisse durch ein offenes Fenster in die Wohnung fliegt? In der Regel muss man da nicht selbst aktiv werden. Wenn das Fenster offen ist, fliegen die Hornissen wieder von alleine raus, erklärt Bruno Lorinser. Wenn das Tier sich am Vorhang befindet, könne man den Vorhang nach außen kippen.

Bei den Hornissen gebe es allerdings ein Problem, was viele Menschen nicht wüssten. Anders als Bienen und Wespen fliegen Hornissen auch nachts. Wenn man nachts das Licht anmacht und das Fenster geöffnet ist, fliegen die Hornissen zum Licht. Der Experte rät daher, dass man bei eingeschaltetem Licht die Fenster nicht öffnet oder ein Fliegengitter am Fenster anbringt.

Hornissen sind wichtig für den Naturhaushalt

Und welche Rolle spielen Hornissen eigentlich in der Natur? „Hornissen sind ein wichtiges Glied im Naturhaushalt“, sagt Bruno Lorinser. Sie sind Insektenjäger und jagen zum Beispiel auch schädliche Insekten, die sie an ihren Nachwuchs verfüttern. So sorgen sie auch dafür, dass die Population anderer Insekten, wie etwa Wespen, im Rahmen gehalten werde.

Mittlerweile seien Hornissen allerdings eine bedrohte Art und nur selten anzutreffen. Bruno Lorinser hat jedenfalls eine klare Meinung zu den Tieren: „Die nehmen uns ja bei anderen Insekten Geschäft ab. Deswegen sollte man sich darüber freuen, wenn man eine sieht.“

Hornissen haftet der Ruf an, dass sie aggressiv und gefährlich sind. Mit ihrem Brummen und einer Größe von zwei bis drei Zentimetern flößen sie zudem vielen Menschen Angst ein. Der jüngste Vorfall im Kreis Göppingen, bei dem mindestens 20 Menschen in einem Wandergebiet durch Hornissen-Stiche verletzt wurden, dürfte bei manch einem die Furcht verstärkt haben.

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Wie gefährlich sind Hornissen?

Doch wie gefährlich sind eigentlich Hornissen? Bruno Lorinser, Erster

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