Rems-Murr-Kreis

Nachbarschaftshilfe Rems-Murr-Kreis: Gewohnheiten wurden durch Corona unterbrochen

Demenz
Symbolfoto. © ALEXANDRA PALMIZI

Das Bedürfnis nach Gesellschaft ist größer geworden. „Seit Corona sind die Menschen einsamer“, stellt Dorothea Freiwald-Landerer, Einsatzleiterin für die „Organisierte Nachbarschaftshilfe“ der katholischen Sozialstation Backnang, fest. Nicht nur während Corona ist der Bedarf groß: Ehrenamtliche Helfer werden immer gesucht. Die Arbeit ist vielfältig, Helfer sind in allen Altersgruppen willkommen. Welche Aufgaben gehören zum Alltag der Nachbarschaftshelfer und was hat sich mit Corona verändert? 

Der Alltag der Nachbarschaftshilfe

Die Organisierte Nachbarschaftshilfe bietet Unterstützung für ältere Menschen und Paare, Menschen mit Behinderungen oder mit Demenz, kranke Menschen und Familien mit Kindern. Gleichzeitig sollen Angehörige entlastet werden. Hilfe beim Einkaufen und beim Schriftverkehr, Begleitung zu Terminen und Veranstaltungen, aber auch die Pflege sozialer Kontakte durch gemeinsame Spaziergänge, Gesellschaftsspiele oder Gespräche gehören zum Alltag der Nachbarschaftshilfen. „Für manche waren die gemeinsamen Einkäufe immer ein Highlight. Viele haben sich das abgewöhnt.“ Ein Grund dafür sei auch, dass sie sich ein Jahr lang weniger bewegt haben. Die Gewohnheiten seien durch Corona komplett unterbrochen worden. „Wir versuchen, die Menschen zu motivieren, rauszugehen“, so Freiwald-Landerer.

„Menschen, die alleine leben, möchten manchmal einfach nur über Gott und die Welt reden“, erzählt Julia Maier. Sie ist für die Einsatzleitungen der Nachbarschaftshilfen im Ehrenamt der Caritas zuständig. Zukunft Familie e.V. ist der Dachverband für die Organisierte Nachbarschaftshilfe im Rems-Murr-Kreis. Die Caritas ist Mitglied in diesem Dachverband.

Einsatzleitungen vermitteln ehrenamtliche Kräfte

Zu Julia Maiers Aufgaben gehört die Organisation von Fortbildungen in Rücksprache mit den jeweiligen Einsatzleitungen. Der Caritasverband begleitet die Nachbarschaftshilfe, das heißt er arbeitet mit den Trägern und den Einsatzleitungen zusammen und ist mit ihnen in regelmäßigem Austausch. Träger sind die Kirchengemeinden oder die Keppler-Stiftung, zu der auch die katholische Sozialstation Backnang gehört. Dorothea Freiwald-Landerer ist hier als Einsatzleitung tätig. Sie vermittelt ehrenamtliche Kräfte. „Ich muss mich auf mein Gespür verlassen können, wenn es darum geht, welche Helfer zu welchem Kunden passen.“ Beide Parteien sollen Freude bei der Arbeit haben. „Meist regen Familienangehörige die Nachbarschaftshilfe an. Am Anfang sind die Kunden oft etwas skeptisch. Wenn die Helfer dann ein paarmal da waren, wird meist dem nächsten Treffen entgegengefiebert.“

Helfer müssen sich fortbilden, erhalten aber auch Aufwandpauschale

Aktuell hat die katholische Sozialstation Backnang 30 ehrenamtliche Helfer. Dass sich die Zahl der Helfer mehr als halbiert hat, liegt daran, dass vor etwa vier Jahren die Pflegegesetze geändert wurden. Früher haben Nachbarschaftshelfer auch hauswirtschaftlich unterstützt – das ist in diesem Maße heute nicht mehr möglich. Helfer der Nachbarschaftshilfe sind im Einsatz, solange ein selbststän­diges Leben möglich ist und eine stundenweise Unterstützung ausreicht. Bei erhöhtem Bedarf werden sie ergänzend zu anderen Diensten tätig. Helfer sind in allen Altersgruppen vertreten: Neben Studenten, ist auch eine 81-Jährige dabei.

Ehrenamtliche müssen eine Einführungsschulung und regelmäßige Weiterbildungen absolvieren. Dabei lernt man vor allem seine Rechte und Pflichten kennen. Themen wie Datenschutz und was es gerade jetzt wegen Corona zu beachten gilt, sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil. Die Träger der Nachbarschaftshilfen im Rems-Murr-Kreis sind alle beim Landratsamt anerkannt. Das bedeutet, dass die Pflegekasse je nach Pflegegrad die Kosten bis zu einem bestimmten Betrag übernimmt. Voraussetzung sind die Fortbildungen. Helfer erhalten eine Aufwandpauschale. Die Besonderheit sei, so Dorothea Freiwald-Landerer, dass mit ehrenamtlichen Kräften und nicht mit Angestellten gearbeitet wird: „Wir haben wenig Weisungsbefugnis.“

Und dann kam der Lockdown

Als Corona angefangen hat, ging erst einmal so gut wie gar nichts mehr. Das Risiko für beide Seiten war einfach zu hoch. Acht Wochen lang wurde nur das Notwendigste erledigt. Einkäufe wurden vor die Tür gestellt. Der Kontakt blieb zwar trotzdem bestehen – übers Telefon oder Fenster – der persönliche Umgang konnte jedoch nicht ersetzt werden. „Gerade für demenzkranke Menschen ist es wichtig, Struktur und Regelmäßigkeit beizubehalten. Wenn man sich da ein bis zwei Wochen gar nicht sieht oder hört, wäre das sehr lange“, so Maier. Einige Kunden haben auch heute noch Angst vor einer Ansteckung und verzichten lieber auf den Besuch. Helfer und Helferinnen der katholischen Sozialstation Backnang seien aber mittlerweile alle geimpft. Freiwald-Landerer ist froh darüber, dass bei ihnen noch kein Corona-Fall aufgetreten ist.

Das Bedürfnis nach Gesellschaft ist größer geworden. „Seit Corona sind die Menschen einsamer“, stellt Dorothea Freiwald-Landerer, Einsatzleiterin für die „Organisierte Nachbarschaftshilfe“ der katholischen Sozialstation Backnang, fest. Nicht nur während Corona ist der Bedarf groß: Ehrenamtliche Helfer werden immer gesucht. Die Arbeit ist vielfältig, Helfer sind in allen Altersgruppen willkommen. Welche Aufgaben gehören zum Alltag der Nachbarschaftshelfer und was hat sich mit Corona

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