Rems-Murr-Kreis

Nagelneue Station für Covid-Patienten am Rems-Murr-Klinikum Winnenden

Covidstation
Chefarzt und Infektiologe Prof. Dr. Steffen Kunsch in einem der neuen Behandlungszimmer für Covid-Patienten. Start ist am 8. Februar. © Gabriel Habermann

Auf eine gute Überwachung kommt’s an, damit Covid-Patienten bei Bedarf rechtzeitig auf die Intensivstation wechseln können: „Die Therapie ist gar nicht so kompliziert“, sagt der Chefarzt und Infektiologe Prof. Dr. Steffen Kunsch. Die neue Infektionsstation am Winnender Rems-Murr-Klinikum geht am 8. Februar in Betrieb. Elektronisches Monitoring an jedem Bett, ständiger Check der Sauerstoffsättigung – dafür wird gesorgt sein, doch das ist nicht der Grund, weshalb sie innerhalb von sechs Monaten eine nagelneue Station mit 72 Betten aus dem Boden gestampft haben, als gäb’s kein Morgen mehr. Covid-Patienten und Verdachtsfälle gelangen künftig nicht mehr ins Haupthaus. Die neue Station ist direkt an die Notaufnahme angeschlossen, so dass (vielleicht) Infizierte ohne Umweg ins Isoliergebäude gelangen. Das untere Stockwerk ist für Verdachtsfälle reserviert, das obere für Erkrankte. Beatmungsplätze gibt’s in der neuen Station allerdings nicht; sehr schwer erkrankte Patienten müssen nach wie vor in die Intensivstation.

Spezialisierte Teams werden in der Infektionsstation und nur dort arbeiten; man hat inzwischen eine Menge Erfahrung gesammelt im Umgang mit der Krankheit. Circa 250 der insgesamt 2800 Beschäftigten befinden sich in der „Prio 1“-Gruppe, was Impfungen angeht: Sie sind bald alle durchgeimpft, hieß es am Donnerstagnachmittag vor der Presse. Die Impfbereitschaft sei „extrem hoch“, so Dr. Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken.

Sicher ist im Moment nur, dass nichts sicher ist

Chefarzt Steffen Kunsch hat selbst die erste Impfung erhalten, die zweite folgt kommende Woche, berichtet er am Rande der Pressekonferenz: „Keinen begründeten“ Verdacht sieht er, dass diese Impfung mit Nebenwirkungen einhergehen könnte, die andere Impfungen nicht hätten. Entscheidend sei es jetzt, möglichst schnell eine hohe Impfquote zu erreichen.

Ob das Virus in neuem Kleid wieder auftaucht und die aktuelle Impfung nicht greift – das weiß kein Mensch, ob das geschieht. Prof. Kunsch ist Anfang Dezember unter anderem deshalb ans Winnender Klinikum gewechselt, weil man dort mit der neuen Station sehr gut vorbereitet sei auf alle Eventualitäten, die da kommen mögen. Zurzeit plant man, was das Personal angeht, nur für ein, zwei Monate im Voraus. 50 bis 60 Personen werden in der neuen Station eingesetzt. Wie sich die Lage im Sommer entwickeln wird, kann niemand seriös voraussagen im Moment.

Aktuell behandelt man im Klinikum 30 Covid-Patienten. Um Weihnachten herum waren’s dreimal so viele. Trotz des Rückgangs befinde sich das Klinikum nach wie vor „im Covid-Modus“, so Marc Nickel. Aufschiebbares wird verlegt. Mit dem Start der Infektionsstation bleibt im Haupthaus mehr Raum für alles andere, womit ein Krankenhaus Tag für Tag zu tun hat.

Ein "logistisches Glanzstück"

Niemals hätte man in pandemiefreien Zeiten innerhalb von sechs Monaten eine Infektionsstation dieser Größe hochziehen können. Jetzt plötzlich geht’s, und dass das wirklich geklappt hat, alle Beteiligten bestens Hand in Hand gearbeitet haben, die Bauarbeiten wie am Schnürchen vorankamen – das ist, findet Marc Nickel, ein „logistisches Glanzstück“, oder anders ausgedrückt: „der Kracher“. Und deutschlandweit einmalig noch dazu.

Sechs Millionen Euro ist dem Landkreis die Station wert; vom Land gab’s nichts dazu, so Landrat Dr. Richard Sigel. Obwohl – das stimmt so nicht ganz: Die von Corona unabhängigen Zukunftspläne bleiben von der neuen Infektionsstation unberührt. Selbst wenn Corona Geschichte sein wird, wer weiß, eines Tages wird’s vielleicht so weit sein – selbst dann werde die neue Station gut ausgelastet sein, sagt Sigel voraus: Auch ohne Corona könne das Klinikum die Patientennachfrage kaum decken. Er erinnert sich noch gut, wie man im Sommer durch Hotels stapfte und darüber nachdachte, ob und wie man dort Betten für Patienten einrichten könnte. „Wir wollten eine Lösung, die länger funktioniert“, so Sigel, und so nahm die waghalsige Idee, aus dem Nichts und im Handumdrehen eine Infektionsstation zu schaffen, flugs Gestalt an. Das Erfolgsrezept aus Marc Nickels Sicht: „Es müssen sich ein paar Leute finden, die wollen – dann klappt’s.“

Noch hängen Kabel aus der Wand - aber das wird schon noch

In kürzeren Zeitabständen gedacht, dreht sich jetzt alles ums Impfen. Als einen „markanten Punkt“ empfindet der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth die aktuelle Situation mit Blick auf den schleppenden Impfbeginn.

Beim Rundgang durch die Baustelle fällt es schwer zu glauben, dass dort bereits am Montag in einer Woche Patienten gesund werden können. Noch hängen Kabel aus Wänden und von der Decke, an Türen und Fenstern fehlt noch das Glas. Doch wer in einem halben Jahr eine Station aus 32 einzelnen Modulen hochziehen kann, der wird vermutlich die paar Restarbeiten in ein paar Tagen auch noch stemmen können.

Auf eine gute Überwachung kommt’s an, damit Covid-Patienten bei Bedarf rechtzeitig auf die Intensivstation wechseln können: „Die Therapie ist gar nicht so kompliziert“, sagt der Chefarzt und Infektiologe Prof. Dr. Steffen Kunsch. Die neue Infektionsstation am Winnender Rems-Murr-Klinikum geht am 8. Februar in Betrieb. Elektronisches Monitoring an jedem Bett, ständiger Check der Sauerstoffsättigung – dafür wird gesorgt sein, doch das ist nicht der Grund, weshalb sie innerhalb von sechs

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