Rems-Murr-Kreis

Naturparkführer mit österlicher Idee: Eiersuche auf dem Osterhasenpfad in Murrhardt

Osterhasenpfad
Kinder haben Spaß auf dem Osterhasenpfad. © Gabriel Habermann

Zwei Kuscheltiere sitzen auf einer Bank im Wald. Beide haben lange Ohren. Aber nur eines ist ein Hase und gehört „offiziell“ hierher, auf den Osterhasenpfad. Und das andere Plüschtier? „Das ist ja ein Bär mit Hasenohren“, ruft der sechsjährige Paul. Ihm gefällt der „falsche Hase“ gut, Schwester Marie (9) findet „es richtig cool“ und Mutter Jessica Rusitschka muss grinsen über das Schild an seinem Hals: „Fake News“. Ein Schelm, wer an Anspielungen auf einen gewissen ehemaligen US-Präsidenten denkt. Die zwei Schelme, die sich den Spaß ausgedacht haben, sind in der Region gut bekannt für manch „spinnerte“ Idee: Die Naturparkführer Walter Hieber und Manfred Krautter, Initiatoren von Raunachtwanderungen, vom Whisky Train in der Schwäbischen Waldbahn und von der Mühlenweihnacht in der Glattenzainbachmühle, waren mal wieder aktiv am Ideensuchen. Und wenn sie ihre Köpfe zusammenstecken, dann werden sie auch fündig. Der "Fake Hase" sei eine ihrer „albernen“ Ideen, die Hieber zufolge entstehen, wenn sie sich in die Besucher reinversetzen und sich fragen, was bei ihnen ankommt. „Ein Tier, das versucht, Osterhase zu sein. Ganz menschlich, oder?“, meint er augenzwinkernd.

Hasenspuren entdecken

Kinder mögen Spiele, möchten basteln, bauen und kreativ sein. Die Stationen sind darum zum Selbstentdecken konzipiert, wegen Corona dürfen keine geführten Rundgänge angeboten werden. So geht der Besucher in Eigenregie auf ausgeschildertem Weg auf Eiersuche, folgt Hasenspuren am Boden in den Wald, wo er sich an einem Seil entlanghangelt, Ostereier finden und zählen darf. Jessica Rusitschka ist bereits eine Runde gelaufen und auf dem Rückweg - mit zwei zufriedenen und ausgepowerten Kindern: „Toll ist, dass es draußen ist und die Kinder aktiv was tun können.“

Eine Eierkugelbahn aus Rindenstücken wird zur Rennstrecke für kullernde Plastik-Eier. Manch knifflige Aufgabe füllt den Naturwissen-Speicher und spornt den Entdeckertrieb an: Den Hasen in seiner Mulde, der sogenannten „Sasse“, zu finden, sei nicht so einfach, steht auf einem Hinweisschild. Der Blick geht auch bei Erwachsenen Richtung Boden. Wo ist diese Sasse? Hinter dem Baumstumpf, im Gebüsch oder ganz woanders? Jeder Zapfen, jedes Rindenstück, jeder Stamm und damit der schön weiche Waldboden wird genau betrachtet. Normalerweise nehmen Spaziergänger die Besonderheiten im Vorbeigehen kaum wahr. Da grüßen die Naturparkführer, deren Ansinnen es ja ist, neben Spiel und Spaß auch die Sensibilität für die Schätze der Natur und die Liebe zur heimischen Natur zu fördern.

Nach dem Erfolg des „Weihnachtswaldes“, der zum beliebten und vielbesuchten „Trostpflaster“ für die coronabedingt ausgefallenen Weihnachtsmärkte wurde, wollten Hieber und Krautter auch an Ostern den Menschen eine Freude in der Natur machen.

Vor allem Familien mit Kindern in allen Altersgruppen sollen naturnah und erlebnisorientiert mit allen Sinnen den Wald erleben und mit Naturmaterialien etwas machen. Die Jahreszeit soll auch mit reinspielen: Und so haben sie ein blaues Flatterband zwischen Bäumen gespannt und Gedichte zum Schmökern für Herz und Heiterkeit verteilt. Lustiges ist zu lesen, von manch kreativem Hasen, der ein Ei statt mit Schokolade einfach mal mit Kartoffelbrei füllt. Auch Kinder verlassen hier mal „ausgetretene“ Pfade. Sie spielen mit Figuren im Besuchergärtchen. Hieber hat beim Rundgang am ersten Tag drei Schäfchen und den Igel vermisst. „Bei genauerem Hinschauen waren alle Figuren im Igelhaus.“ Vermutlich wurden sie über Nacht von besorgten Kindern zum Schutz ins Haus gebracht. Es war ja kalt.

Viele Kinderstimmen sind zu hören in dem normalerweise ruhigen Trauzenbachtal. Auch belebt von freudigem Kreischen und Lachen ist alles malerisch, vor allem jetzt mit all dem frischen ersten Grün an den Ästen. Hieber berichtet, dass viele schon am Mittwoch, noch einen Tag vor Eröffnung, neugierig geschaut hätten, was sich im Täle tut. Der große Schwung an Osterhasen- und Eiersuchenden sei dann bei feinem Frühlingswetter am sonnigen Karfreitag gekommen, auch am Samstag und Sonntag sei einiges los gewesen, so Hieber. Eltern mit Kindern seien die größte Besuchergruppe gewesen, doch auch Alleinwanderer und Paare, viele Senioren hatten ihren Spaß. An den leer gegessenen Körben mit Schokoladen-Häslein und dem aufgebrauchten Bastelmaterial, das beides jeweils morgens von Bauhofmitarbeitern wieder frisch aufgefüllt werde, merke er, dass der Hasenpfad sehr gut ankommt. Ein Monat Planung in Zusammenarbeit mit der Stadt als Veranstalter stecke drin. Mitarbeiter des Amts für Tourismus und die Naturparkführer pflegen den Pfad täglich. Pro Tag seien 150 Schokohasen und Basteltüten geplant gewesen. „Die gingen an allen Ostertagen weg“, so Hieber.

Im Ostergärtlein habe sich einiges getan: Besucher hätten regen Gebrauch gemacht vom Angebot, mitzugestalten. Einige hätten angekündigt, mit eigenem Dekorations-Hausrat und mit Naturmaterialien nochmals zu kommen und weiter zu dekorieren. Hierfür haben sie bis einschließlich kommenden Sonntag noch Zeit. Auch ein Briefkasten, in dem Rückmelde- und Gewinnzettel gesammelt werden, sei fast voll gewesen. „Wer uns begegnet ist, hat sich bedankt, viele freuten sich über das Angebot, vor allem weil die Kinder auf kreative und sinnesreiche Art beschäftigt sind“, so Hieber.

Besonders freue er sich über die Solidarität: Hinweise auf Vandalismus seien ausgeblieben, die Stationen an Ostermontag alle in Ordnung. Vereinzelt waren Gebrauchsspuren zu erkennen, vom herzhaften Umgang der Kinder mit den Angeboten, auch der „Fake Hase“ wurde wohl mal etwas härter angefasst - am ersten Tag hingen ihm die Ohren herab. Dem echten Hasen nebenan habe ein Ohr gefehlt. Aber so hatte auch Hieber überraschend noch eine österliche Freude und machte sich auf die österliche Suche: „Ich habe es ganz in der Nähe wieder auf dem Boden gefunden“, informiert er. Was halt alles so auf dem Waldboden herumliegen kann auf dem Osterhasenpfad.

Zwei Kuscheltiere sitzen auf einer Bank im Wald. Beide haben lange Ohren. Aber nur eines ist ein Hase und gehört „offiziell“ hierher, auf den Osterhasenpfad. Und das andere Plüschtier? „Das ist ja ein Bär mit Hasenohren“, ruft der sechsjährige Paul. Ihm gefällt der „falsche Hase“ gut, Schwester Marie (9) findet „es richtig cool“ und Mutter Jessica Rusitschka muss grinsen über das Schild an seinem Hals: „Fake News“. Ein Schelm, wer an Anspielungen auf einen gewissen ehemaligen US-Präsidenten

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