Rems-Murr-Kreis

Neues zum Tötungsdelikt Weinstadt: Polizei spricht von "massiver" Gewalt

Symbolfotobahnhofendersbach
Am Bahnhof Endersbach wurde die Leiche gefunden. © Gaby Schneider

Bereits eine Woche nach dem Leichenfund scheint die Kripo sich sicher zu sein, dass sie den Richtigen festgenommen hat – Tötungsdelikt Weinstadt: Was wir mittlerweile wissen; und was nach wie vor über den Kreis der Ermittler hinaus noch nicht bekannt ist.

Es gibt ein untrügliches Indiz dafür, dass die Polizei in diesem Falle offenbar keinen Restzweifel mehr hegt: Die bei der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen angesiedelte Soko Bahnhof wurde bereits nach einwöchiger Arbeit wieder aufgelöst. Die 63 Leute von der Sonderkommission hatten in den vergangenen Tagen mit Hochdruck an der Aufklärung gearbeitet, unterstützt durch Kräfte der Schutzpolizeidirektion, des Polizeipräsidiums Einsatz, der Polizei Stuttgart, der für die Bahnhöfe zuständigen Bundespolizeiinspektion; und auch die kriminaltechnischen Experten des Landeskriminalamtes waren involviert.

Die Tötungsermittlungen rund um den Leichenfund auf dem Endersbacher Bahnhof sind damit offenbar weitgehend abgeschlossen. „Ja, wir sind mit der Hauptarbeit durch“, bestätigt Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier. Was jetzt noch zu erledigen sei, werde die Kripo Waiblingen „im Rahmen der Alltagsorganisation fortführen“. Das kann nur eines heißen: Die Verdachtslage gegen den verhafteten 17-Jährigen ist nach Einschätzung der Ermittler wasserdicht.

Todesursache: „Massive äußere Gewaltanwendung"

Damit scheint es sich um einen Fall von rekordverdächtig schneller polizeilicher Präzisionsarbeit zu handeln: Die Soko Bahnhof war am Freitag, 4. Juni, eingerichtet worden, nachdem an diesem Tag gegen 5.30 Uhr am Morgen beim Bahnhof Endersbach ein toter Mann aufgefunden worden war.

Sehr schnell war klar: Das Opfer war gewaltsam zu Tode gekommen. Auch die Identität des Toten konnte noch am selben Tag festgestellt werden. Es handelte sich um einen 48-jährigen Mann aus dem Rems-Murr-Kreis, möglicherweise einen Wohnsitzlosen.

Die Obduktion, die umgehend folgte, bestätigte, was die Kriminalpolizei von Anfang an vermutet hatte: Das Opfer „wurde durch massive äußere Gewaltanwendung getötet“. So steht es in einer aktuellen Pressemitteilung. Dieser Befund geht in einem entscheidenden Detail über das bisher Veröffentlichte hinaus: Das Wort „massiv“ wurde erstmals ergänzt.

Eine Präzisierung, was darunter zu verstehen ist, enthält aber auch der neue Informationstext aus der Pressestelle der Polizei nicht. Zur Frage, ob eine Waffe zum Einsatz kam – und wenn ja, welche – liegt damit weiterhin keine offizielle Auskunft vor.

Da die neue Pressemitteilung mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart abgestimmt ist, darf man davon ausgehen: Auf dieses für den Tatablauf wesentliche Detail wurde bewusst verzichtet. Dass an der Verlautbarung intensiv gefeilt und genau abgewogen wurde, was derzeit der Öffentlichkeit preisgegeben werden kann und was nicht, offenbart eine Feinheit im organisatorischen Ablauf: Die Soko wurde bereits am Donnerstag 10. Juni, aufgelöst – die Pressemitteilung dazu wurde erst am Freitag gegen 12 Uhr versandt.

Nur eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht kommt in Frage

Doch zurück zur Tat: Ebenfalls noch am Freitag, 4. Juni, gelang es der Kriminalpolizei Waiblingen bereits, die Identität des Tatverdächtigen zu ermitteln. Es handelt sich um einen 17-jährigen Jugendlichen. Am Samstag, 5. Juni, wurde er dann festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Damit ist für die in näherer Zukunft anstehende Gerichtsverhandlung bereits jetzt eine wichtige Vorentscheidung gefallen: Ein Minderjähriger kann nach dem Gesetz ausschließlich und nur nach Jugendstrafrecht verurteilt werden; und selbst dann, wenn das Gericht zum Ergebnis kommen sollte, dass es sich um Mord handelt, beträgt für Menschen unter 18 die Höchststrafe zehn Jahre.

Der schnelle Ermittlungserfolg, heißt es in der Pressemitteilung, basiere auf „intensiven kriminalpolizeilichen Ermittlungen“, die „insbesondere auch durch einige wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung gestützt wurden“.

Zur Frage des Motivs macht die Polizei momentan weiterhin keine Angaben, wobei eine Beziehungstat wohl ausgeschlossen wird und eine Tötung aus Bereicherungsgier unwahrscheinlich scheint. Warum gibt es nur so spärliche Informationen? Die Sorge sei, begründet Pressesprecher Biehlmaier, dass zu frühe und ausführliche öffentliche Informationen „Zeugen beeinflussen“ könnten.

Beweislage: Mehr als 80 Spuren dokumentiert

Auch, was Details zur Beweislage betrifft, ist momentan nichts Näheres zu erfahren – nur so viel: Man habe mehr als „80 Spuren generiert“. Eine Spur im kriminalistischen Sinne kann alles Mögliche sein – ein Gegenstand oder ein Hinweis, der als Indiz oder Beweis für eine Tat dienen kann, von der Textilfaser unter einem Fingernagel bis zur aufschlussreichen Whatsapp-Nachricht auf einem Handy. Die „Spurenlage“ sei jedenfalls so umfangreich, dass Biehlmaier davon ausgeht: „Wir haben den richtigen Täter.“

Auch wenn das spekulativ ist: Zwischen den Zeilen lässt sich herauslesen, dass die Polizei wohl sehr viel mehr gesammelt hat als nur Zeugenaussagen. Von Indizien oder Beweisen in der Güte-Kategorie eines DNA-Treffers oder auch eines Tatwerkzeuges ist wohl auszugehen, denn sonst hätte die Soko sich nicht aufgelöst.

Einen näheren Hinweis auf die Art der Spuren enthält die Pressemitteilung dann doch noch: Das Landeskriminalamt sei auch bei der „Aufarbeitung digitaler Spuren in die Ermittlungen eingebunden“, die Soko Bahnhof habe „2,5 Terabyte Daten“ sichergestellt, „deren Auswertungen teils noch geraume Zeit in Anspruch nehmen werden“. Das entspricht 2,5 Millionen Megabyte beziehungsweise 2500 Gigabyte. Hier könnte es sich um Video-Aufnahmen, Handy-Daten, Chatverläufe oder anderes handeln.

Bereits eine Woche nach dem Leichenfund scheint die Kripo sich sicher zu sein, dass sie den Richtigen festgenommen hat – Tötungsdelikt Weinstadt: Was wir mittlerweile wissen; und was nach wie vor über den Kreis der Ermittler hinaus noch nicht bekannt ist.

Es gibt ein untrügliches Indiz dafür, dass die Polizei in diesem Falle offenbar keinen Restzweifel mehr hegt: Die bei der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen angesiedelte Soko Bahnhof wurde bereits nach einwöchiger Arbeit wieder

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