Rems-Murr-Kreis

Nicht lustig, sondern lästig: Der Müllschnüffler ruft an

Telefonstreich
Telefonstreiche über die Internetseite Marcophono können die Angerufenen ziemlich quälen. © Benjamin Büttner

Die Schorndorferin klingt geradezu verzweifelt: Schon mehrmals habe bei ihr ein Mann angerufen. Immer am späten Abend, dann, wenn eigentlich niemand mehr anruft, außer es gibt schlechte Nachrichten. Sie habe schon Herzrasen. Es sei „ein Irrer“, sagt sie. Der Mann spreche vollkommen dialektfrei und heiße „Koppelmann“ oder „Hoppelmann“ – so ganz sei es nicht zu verstehen. Und er behaupte, er habe ihre Mülleimer kontrolliert. Und er werde wieder anrufen. Wegen der Mülltrennung. Er habe ihr sogar auf den Anrufbeantworter gesprochen.

Der Quälgeist am Telefon: Polizeibekannt

Die Frau wollte den Quälgeist anzeigen. Doch bei der örtlichen Polizei erfuhr sie, dass der Müllschnüffler sehr wohl längst bekannt sei – einige, zurzeit vor allem im Raum Schorndorf, hätten sich schon über seine Anrufe beklagt – doch dass man nichts unternehmen könne. Sie solle sich doch mal an die Zeitung wenden.

Hat sie getan. Und rausgekommen ist: „Herr Tropelmann“ ist eine fiese Finte. „Herr Tropelmann“ sagt Sätze wie: „ Ich guck mal so ab und an in Mülltonnen, um zu gucken, ob die Bürger den Müll trennen.“ Und er beschuldigt die Angerufenen: „Ja, jedenfalls hab ich gesehen, dass Sie, was in die Gelbe Tonne soll zum Beispiel in die Graue werfen tun.“ Oder: „Ja, auch Ihre Briefe gehören in die andere Tonne.“ Und er verspricht: „Ich kontrollier’ dann die Tage noch mal, tschüss!“

Herr Tropelmann: eine fiese Finte

Herr Tropelmann scheint mit dem Angerufenen zu reden. Doch Herr Tropelmann ist nicht echt. Es gibt ihn nicht. Er ist nur ein Computerprogramm. Er ist – Eigenwerbung der Heimat-Internet-Seite des Herrn Tropelmann – die „wohl dummdreisteste Figur aus der Marcophono-Welt“.

Marcophono ist eine Spaß-Website für gelangweilte Kindsköpfe. Für Leute, die meinen, sie müssen dem ungeliebten Nachbarn, der bösen Lehrerin oder sonst irgendjemandem eins auswischen. Für Menschen, die mit ihrer Lebenszeit nichts Sinnvolles anzufangen wissen.

Solche Leute können über diese Internetseite andere Leute anrufen und denen falsche Gespräche aufs Ohr drücken. Für dieses zweifelhafte und äußerst einseitige Vergnügen können die Anrufer aus verschiedenen Figuren auswählen. Da gibt es zum Beispiel den „Toilettenpapier-Schnorrer“, der sicher in der Anfangsphase der Corona-Pandemie Hochkonjunktur hatte. Er erklärt: „Nachdem meine Frau Sie jetzt zum zweiten mal gesehen hat, wie Sie sich, ja, schon fast palettenweise im Kaufhaus das Toilettenpapier unter den Nagel gerissen haben, muss ich mal ganz ehrlich sagen: So – geht – das – nicht!“

Figuren aller Art: Pizzadienst, Döner-Mann, Microsoft-Kundendienst, Call-Center, böser Nachbar

Es gibt den Pizzadienst, der verkündet, dass er später kommt – auch wenn niemand eine Pizza bestellt hat. Oder den „Professor Dünnbier. Institut für Infektionsvorsorge“, der vor einer Ebola-Infektion warnt. Es gibt das „super dreiste Call-Center“, den lästigen Menschen, der über Gott reden will, den „fiesen Abmahner“ oder den Nachbarn, der einen des Diebstahls beschuldigt: „Mir hat ein älterer Herr gesagt, er hätte Sie dabei gesehen, wie Sie mir die Zeitung von der Fußmatte genommen hätten. Ich wiederhole es noch einmal: Klauen Sie mir noch einmal die Zeitung, bin ich eine halbe Stunde später bei der Polizei!“

Die Pressestelle der Polizeidirektion Aalen kennt solche Anrufe und damit die Internetseite schon seit vielen Jahren. 2007 nämlich wurde sie in Dortmund ins Leben gerufen. Nutzen kann sie jeder. Für normale, das heißt, nicht registrierte Nutzer, so das Internet-Lexikon Wikipedia, ist die Anzahl der Anrufe, die pro Tag getätigt werden dürfen, auf drei Anrufe begrenzt. Für Premium-Nutzer, die für ihr Vergnügen zahlen, stünden 150 Telefonleitungen zur Verfügung.

Eine wirkliche Handhabe gegen die zweifelhaften Spaßanrufe gibt es nicht. Die Polizei erklärt: Strafrechtlich relevant sind solche Nervereien nicht. Sie sind einfach nur lästig. Die Polizei rät: Einfach wieder auflegen. Wer spätabends oder nachts gestört wird, müsse sein Telefon abschalten.

Für Menschen, die ein bisschen internet-affin sind, gibt’s aber noch einen anderen, besseren Weg. Die Website bietet nämlich die Möglichkeit, die eigene Telefonnummer in Hinblick auf die Spaßanrufe sperren zu lassen. Dann kommen die Anrufer nicht mehr durch. Wer das machen will, geht auf www.marcophono.com/impressum.html.

Man kann die eigene Nummer auf der Internetseite sperren

Unter den Angaben des Impressums heißt es: „Telefonnummer gegen Spaßanrufe sperren“. Dort die eigene Telefonnummer in das vorgegebene Feld eingeben, das „Captcha“ ausfüllen, also die Kontrollziffern ins zweite Feld eingeben, die beweisen, dass der Spaßgeplagte kein Roboter ist, und dann auf „Nummer blockieren“ klicken. Dann sollte endlich Schluss mit lustig sein.

Die Schorndorferin klingt geradezu verzweifelt: Schon mehrmals habe bei ihr ein Mann angerufen. Immer am späten Abend, dann, wenn eigentlich niemand mehr anruft, außer es gibt schlechte Nachrichten. Sie habe schon Herzrasen. Es sei „ein Irrer“, sagt sie. Der Mann spreche vollkommen dialektfrei und heiße „Koppelmann“ oder „Hoppelmann“ – so ganz sei es nicht zu verstehen. Und er behaupte, er habe ihre Mülleimer kontrolliert. Und er werde wieder anrufen. Wegen der Mülltrennung. Er habe ihr

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