Rems-Murr-Kreis

Nosferatu-Spinne in Fellbacher Wohnung entdeckt: Wie verhält man sich dem Tier gegenüber richtig?

Nosferatu-Spinne in Fellbach, 1.9.22
Dieses Exemplar hat Heike Böhm aus Fellbach in der Nacht auf Donnerstag, 1. September, von ihrer Wohnzimmerdecke geholt. © Heike Böhm

Die Spinne ist da. Heike Böhm aus Fellbach hat sie gesehen und gefangen und befreit. Diese ganz spezielle Spinne saß an ihrer Wohnzimmerdecke, und „man sieht sie sofort. Da ist ein richtiger Fleck an der Decke“.

Das kommt von der Größe dieser Spinne: Von gefühlt acht bis neun Zentimetern spricht die Fellbacherin. Der Naturschutzbund schreibt „Nosferatu“ eine „Beinspannweite“ von etwa fünf Zentimetern zu. Ihr korrekter Name lautet „Zoropsis spinimana“, doch „Nosferatu“ kann man sich erstens besser merken, und zweitens hat es die Spinne wohl auch wegen dieses Spitznamens kurzzeitig bis ganz nach oben in die Nachrichten-Charts geschafft.

Ihren Spitznamen „Nosferatu“ verdankt die Spinne laut Nabu „der charakteristischen Zeichnung auf ihrem Rücken, die an die Filmfigur Nosferatu erinnert“ – was einem gleich den nächsten Schauer über den Rücken jagt. Nosferatu? Wer war das gleich noch mal?

Genau. Dieser elend bleiche Typ, der dringend mal wieder die Fingernägel schneiden müsste und gern, da von Beruf Vampir, Frischblut schlürft. Er spielt die Hauptrolle im gleichnamigen Film, dessen Ursprungsversion aus dem Jahr 1922 stammt. Nosferatu setzte seinerzeit Standards als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms. Zumindest steht’s so bei Wikipedia.

Wer auch immer Zoropsis spinimana das Nosferatu-Etikett an den Rücken heftete, war vermutlich kein Spinnenliebhaber: Wie soll man denn bitteschön keine Angst haben vor diesem Vieh, wenn es so heißt?

Nicht alle Menschen haben Angst vor Spinnen

Heike Böhm lässt sich von alledem nicht aus der Ruhe bringen. Sie fürchte sich vor Spinnen nicht, berichtet sie am Telefon. Die Fellbacherin hatte von einem Aufruf des Nabu gehört: Wer eine Nosferatu-Spinne sichte, solle das doch bitte melden. Prompt sichtete die Fellbacherin eine – und meldete es. Auf dem Portal „Naturgucker“ ist Heike Böhm eine der Ersten, die von einer realen Begegnung im Rems-Murr-Kreis berichtet haben.

Der Nabu interessiert sich für die Angehörige der Kräuseljagdspinnen-Familie, weil sie eigentlich hier nicht hergehört. Sie stammt aus dem Mittelmeergebiet, wurde 2005 das erste Mal in Baden-Württemberg nachgewiesen und habe sich seitdem „wahrscheinlich mit Hilfe des Güter- und Warenverkehrs vor allem entlang der Rheinschiene verbreitet“. Der Nabu möchte nun mehr darüber wissen, wo sich überall in Deutschland Spinnen dieser Art des Nachts auf Beutezug begeben. „Möglicherweise“ hätten der Klimawandel und „andere Faktoren“ dazu geführt, dass sich die Spinne nun auch in Deutschland breitmacht.

Heike Böhm hat bereits zwei Exemplare persönlich kennengelernt. Sofern es sich bei ihren zwei Begegnungen mit einer Nosferatu-Spinne nicht um ein und dasselbe Tier gehandelt hatte. Was sein könnte.

Hier geht es nicht um eine Stubenfliege an der Kaffeetasse

Etwa zwei Wochen ist es her, als Heike Böhm eines Abends das Schlafzimmer kurz verließ – und bei ihrer Rückkehr einen Gast begrüßen durfte. Die Spinne saß „über meinem Bett an der Wand“.

Eine Spinne mit fünf oder acht Zentimetern Beinspannbreite sitzt überm Bett an der Wand: Heike Böhm erzählt das so, als ginge es um eine Stubenfliege an der Kaffeetasse. Eine solche würde man mit einer nachlässigen Handbewegung vertreiben, und die Szene wäre vergessen.

Eine Spinne mit einer Beinspannbreite von acht Zentimetern (oder sechs), die überm Bett an der Wand sitzt, fängt man einfach ein. Zumindest, wenn man so cool ist wie Heike Böhm.

Man könnte auch schreiend aus dem Schlafzimmer rennen und sich für immer in der Toilette einschließen, doch damit wäre nichts gewonnen.

Cool bleiben, ein Glas zur Hand nehmen

Heike Böhm griff sich jedenfalls ein „ausreichend großes Glas“, stülpte es über die Spinne, schob eine Serviette zwischen Glas und Wand – und ließ das Tier erst mal den Rest der Nacht über seinen Hausfriedensbruch nachdenken. Am Morgen danach recherchierte die Fellbacherin, welche Art Spinne es sich an ihrer Schlafzimmerwand gemütlich gemacht hatte – denn vor zwei Wochen wusste noch niemand irgendwas von „Nosferatu“.

Diese Nosferatu landete jedenfalls draußen im Garten. Und kam – vielleicht – zurück. Denn in der Nacht auf den 1. September entdeckte Heike Böhm erneut eine Nosferatu in ihrer Wohnung – dieses Mal an der Wohnzimmerdecke. „Da hab ich einen Stuhl genommen“, erzählt Heike Böhm, „und ein großes Glas.“ Der Rest ist bekannt.

Nosferatu reiste tags darauf im Brotdosen-Taxi ein paar Hundert Meter weit bis zu einer Hecke. Wie es der Spinne dort gefällt, ist nicht überliefert.

"Sie ist schon ein bisschen mit Respekt zu behandeln"

„Relativ mühsam“ sei’s jedenfalls gewesen, Nosferatu zu Transportzwecken vom Glas in eine Dose zu befördern. Die Spinne stellte die Vorderbeine auf – wie auch immer das körpersprachlich zu deuten ist, erzählt Heike Böhm: „Sie ist schon ein bisschen mit Respekt zu behandeln.“

Obgleich sich die Fellbacherin keinesfalls mit Furcht vor Spinnen quält, möchte sie ihr Schlafzimmer dann doch nicht mit einem Kaliber dieser Art teilen: „Wenn ich jetzt abends ins Bett geh, guck ich genau die Wände an. Es ist schon ein ungutes Gefühl.“

Eine „übermäßige“ Angst vor der Spinne sei unbegründet, betont Spinnenkenner Robert Pfeifle vom Nabu – wohl wissend, dass Menschen mit einer Spinnen-Phobie das anders sehen.

Unterdessen liefert Pfeifle die beruhigendste aller Experteninfos, die je zum Thema Spinnen veröffentlicht wurde: Sie kann zwar beißen, aber es tut gar nicht arg weh.

Sie wird im Zweifel lieber fliehen als angreifen

Mal im Ernst: Die Spinne hat, sofern ein Mensch kühlen Kopf bewahrt, keinerlei Chance, und das weiß sie auch. Sie wird vernünftigerweise die Flucht dem Angriff vorziehen.

Heike Böhm hat jedenfalls alles richtig gemacht. Spinnenexperte Robert Pfeifle empfiehlt allen, die einer Nosferatu-Spinne begegnen, ein ausreichend großes Gefäß zur Hand zu nehmen, es über die Spinne zu stülpen, einen dünnen Karton zwischen Untergrund und Gefäß zu schieben – und den ungebetenen Gast draußen seinem Schicksal zu überlassen.

Besser wäre, das Gefäß unterwegs nicht fallen zu lassen. Doch wer die Gefangennahme gemeistert hat, dürfte auch den Transport gefahrlos überstehen.

Sofern noch Nerven übrig sind, setze man sich hernach an den Laptop und melde das Vorkommnis auf https://NABU-naturgucker.de/app/nosferatu. Am besten mit Foto.

Ups, kein Foto gemacht?

Keine Sorge. Nosferatu kommt vielleicht wieder.

Die Spinne ist da. Heike Böhm aus Fellbach hat sie gesehen und gefangen und befreit. Diese ganz spezielle Spinne saß an ihrer Wohnzimmerdecke, und „man sieht sie sofort. Da ist ein richtiger Fleck an der Decke“.

Das kommt von der Größe dieser Spinne: Von gefühlt acht bis neun Zentimetern spricht die Fellbacherin. Der Naturschutzbund schreibt „Nosferatu“ eine „Beinspannweite“ von etwa fünf Zentimetern zu. Ihr korrekter Name lautet „Zoropsis spinimana“, doch „Nosferatu“ kann man sich

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