Rems-Murr-Kreis

Nosferatu-Spinne ist harmlos, macht aber vielen Angst: Warum ist das so?

Nosferatu-Spinne bei Jens Timm in Waiblingen
Dieses Exemplar hat Jens Timm aus Waiblingen gesichtet. Die Nosferatu-Spinne hat ihren Spitznamen erhalten, weil ihre Zeichnung auf dem Rücken angeblich an die Vampir-Filmfigur „Nosferatu“ erinnert. © Jens Timm

Eine neun Meter lange Anakonda-Schlange könnte ähnlich hohe Aufmerksamkeit erregen. Oder ein Blobfisch in der Rems, weil ihn eine strenge Jury mehrfach zum hässlichsten Tier der Welt erkoren hat.

Vermutlich fristen Blobfische wegen ihrer Hässlichkeit ihr Dasein nicht in der Rems, sondern im Dunkel der Tiefsee. Anakonda-Schlangen zischeln lieber in den Tropen Südamerikas als in der Waiblinger Talaue – weshalb sich aktuell alle Aufmerksamkeit auf eine Spinne richtet: Kürzlich bat der Naturschutzbund (Nabu) jene, die eine persönliche Begegnung mit einer Nosferatu-Spinne unbeschadet überstanden haben, um Meldung: Wo war sie? Was hat sie getan? Wie sah sie aus? Wie groß?

Heike Böhm aus Fellbach war eine der Ersten aus dem Rems-Murr-Kreis, die auf dem Nabu-Portal „Naturgucker“ eine Spinnen-Sichtung gemeldet und ihre Erlebnisse im Gespräch mit dieser Zeitung geschildert hatte. Seitdem erreichen uns per Mail und über Facebook Nachrichten über Nachrichten: Ich hab auch eine Nosferatu gesehen! Ich auch! Und zwar früher schon!

Nicht völlig unwahrscheinlich: Begegnung mit Nosferatu

Vorläufiges Fazit: Besagte Spinne scheint sich nicht erst seit gestern relativ wohl im Rems-Murr-Kreis zu fühlen. Weshalb es sinnvoll scheint, präventiv den Angstlevel etwas zu senken: Könnte schon sein, dass einem eine Spinne dieser Art über den Weg läuft. Zum Beispiel im Schlafzimmer.

Sie tut aber nichts, wie Spinnenkenner Robert Pfeifle vom Nabu versichert: Die Nosferatu-Spinne könne zwar „mit ihren Beißwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen. Und so wie alle Spinnen hat sie Gift, um Beutetiere zu betäuben. Die Folgen eines Bisses für den Menschen sind in der Regel, wenn keine Allergie vorliegt, jedoch ähnlich wie bei einem Bienen- oder Wespenstich.“ Wegen ihrer „Beinspannbreite“ von laut Nabu fünf Zentimetern (gefühlt sind es mehr) hinterlässt die Spinne dennoch bleibenden Eindruck.

„Zoropsis spinimana“, so der korrekte Name, war früher eher im Mittelmeergebiet heimisch. Vermutlich hat es mit dem Klimawandel zu tun, dass diese Spinnenart sich jetzt auch in nördlicheren Gefilden ausbreitet – oder sich längst unbemerkt ausgebreitet hat. In Baden-Württemberg wurde die Spinne laut Nabu bereits 2005 erstmals nachgewiesen.

Richtiges Vorgehen: Spinne einfangen und draußen freilassen

Jens Timm aus Waiblingen hat jedenfalls schon vor zwei Jahren eine Nosferatu-Spinne im Haus vorgefunden, eingefangen – und richtigerweise „draußen wieder freigelassen“. Jetzt, da die Nachrichtenportale überquellen vor lauter Spinnen-Berichterstattung, fiel ihm wieder ein, was sich bereits Ende Oktober 2020 in seinem Badezimmer zugetragen hatte: In einer Ecke an der Wand krabbelte das Tier nach unten. Jens Timm stand vorm Badezimmerspiegel – und sah dieses sehr große Vieh hinter sich. Es fühlte sich „ein bisschen so an wie in einem Grusel- oder einem der alten James-Bond-Filme“, erzählt der Waiblinger: „Da gab’s auch eine Spinnen-Szene.“

Dieser Tage dürfte sich Jens Timm erneut an die Spinnen-Szene erinnert haben: Vergangene Woche „hatten wir bereits zwei Besucher dieser Art im Haus und eine unter der Abdeckung vom Grill im Garten“.

Kommentare in sozialen Netzwerken

„Ich würde vermutlich einfach ausziehen und das Haus verbrennen“, kommentiert scherzhaft eine Facebook-Nutzerin unsere Berichterstattung vom Samstag, 3. September: Dass das Spinnen-Thema in den sozialen Netzwerken hohe Wellen schlagen würde, war abzusehen. Nutzer/-innen veröffentlichen jede Menge Fotos, und je nachdem, welche innere Haltung sie zu Spinnen einnehmen, lauten die Kommentare entweder „schrecklich“ oder auch so: „Ihr solltet euch glücklich schätzen, dass ihr eine solch schöne Spinne seht. Die anderen seht ihr nicht, die bleiben im Verborgenen.“

Warum so viele Menschen an Spinnen nichts Schönes entdecken können, schon gar nicht an großen, hat diverse Gründe. Eine der Theorien besagt, dass es unsere Vorfahren vor Tausenden Jahren mit gefährlichen Spinnen zu tun hatten und sich deshalb Furcht tief im Unterbewussten der Menschen verankert hat. Spinnen können sich sehr schnell und völlig geräuschlos fortbewegen, auch auf Armen oder Beinen von Menschen – was sie aus verständlichen Gründen nicht zu Sympathieträgern macht. Kinder lernen womöglich schon früh, Spinnen seien eklig – ganz einfach deshalb, weil Erwachsene sich entsprechend verhalten. Sofern es nicht gut läuft, kann eine Arachnophobie entstehen, also eine sehr starke, ernstzunehmende Angst vor Spinnen, die sich allerdings therapeutisch recht gut behandeln lässt.

Filme zeigen Spinnen als fiese Killer

Regisseurinnen und Regisseure tragen vermutlich eine Mitverantwortung mit Blick auf heftige Angst vor Spinnen: Vielbeinige Krabbeltiere treten in ungezählten Filmen als Killer auf, mangels Kulleraugen niemals als liebenswerte Zeitgenossen.

Unterdessen nehmen Zeitgenossen auf zwei Beinen die Bitte des Nabu ernst und melden auf dem Portal „Naturgucker“, wo und wann sie eine Nosferatu-Spinne im Rems-Murr-Kreis gesichtet haben: In Schwaikheim saß offenbar eine an der Wand hinterm Geigenkasten. In Plüderhausen entdeckte eine Nutzerin eine mutmaßliche Nosferatu-Spinne im Garten; ganz sicher ist sich die Melderin aber nicht. Aus Urbach meldet jemand eine Sichtung, auch aus Korb, Oppenweiler oder Althütte. Weitere Meldungen dürften jetzt täglich zu verzeichnen sein.

Ein Naturgucker-Nutzer schreibt auf unsere Anfrage hin, der Anblick der Spinne habe ihm „absolut nicht gefallen“. Er fahre jetzt aber in Urlaub. Für weitere Details „melde ich mich danach gerne telefonisch bei Ihnen“.

Eine neun Meter lange Anakonda-Schlange könnte ähnlich hohe Aufmerksamkeit erregen. Oder ein Blobfisch in der Rems, weil ihn eine strenge Jury mehrfach zum hässlichsten Tier der Welt erkoren hat.

Vermutlich fristen Blobfische wegen ihrer Hässlichkeit ihr Dasein nicht in der Rems, sondern im Dunkel der Tiefsee. Anakonda-Schlangen zischeln lieber in den Tropen Südamerikas als in der Waiblinger Talaue – weshalb sich aktuell alle Aufmerksamkeit auf eine Spinne richtet: Kürzlich bat der

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