Rems-Murr-Kreis

Osiander-Filialen in Schorndorf und Waiblingen wehren sich gegen Vorwürfe

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Die Osiander-Filiale in Schorndorf. © Gaby Schneider
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Der Konkurrenzdruck durch den versandkostenfreien Online-Buchhandel des Konzerns Amazon sei immens, sagt der Osiander-Seniorchef Heinrich Riethmüller. © Steffen Sixt
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„Der Vorwurf, wir würden lokale Kleinverleger missachten, hat mich schon irritiert. Das Gegenteil ist der Fall", sagt der Waiblinger Osiander-Filialleiter Peter Seifert (hier in einem Verkaufsgespräch Anfang 2020, vor Corona). © Andreas Kölbl
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„Ich war schon bei Herrn Bacher jahrelang Erst-Sortimenterin. Herr Hennecke hat sich nie bei mir vorgestellt", sagt die Schorndorfer Osiander-Filialleiterin Sarah Schäfer über den Buocher Kleinverleger Dr. Manfred Hennecke. © Gaby Schneider
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Die Waiblinger Kleinverlegerin Iris Förster befindet: „Die Zusammenarbeit mit Osiander in Waiblingen und anderen Buchhandlungen im unteren Remstal klappt wirklich sehr gut." © Gabriel Habermann

Er verstehe, dass ein Kleinverleger wie Dr. Manfred Hennecke aus Remshalden-Buoch alten Zeiten nachtrauere. „Wir leben aber nicht mehr wie vor 20 Jahren, und auch der Buchhandel hat sich geändert“, sagt Osiander-Seniorchef Heinrich Riethmüller.

Der Konkurrenzdruck durch den versandkostenfreien Online-Buchhandel des Konzerns Amazon sei immens. Als Buchhändler mit 68 Filialen deutschlandweit und rund 500 Mitarbeitern, für die auch Löhne erwirtschaftet werden müssten, könne Osiander schlichtweg nicht jede Veröffentlichung der ungezählten lokalen Kleinverlage berücksichtigen und in sein SAP-Warenwirtschaftssystem einpflegen – hier kooperiert Osiander mittlerweile mit Thalia. Auch Einzelbestellungen bei Verlagen für zu niedrigpreisige Büchlein in Kleinstauflagen lohnten sich schlichtweg nicht, so Riethmüller.

Das von Osiander zu verlangen, verkenne die Tatsache, dass auch im Rems-Murr-Kreis Buchhandlungen, die dem ruinösen Preisdruck nicht mehr gewachsen waren, eben an Osiander verkauft hätten. Ein zentralisiertes Controlling und rationalisiertes Warenwirtschaftssystem ermögliche es Osiander, Kosten zu sparen und weiter im Markt zu bestehen. Dies schließe jedoch die projektbezogene Kooperation mit lokalen Kleinverlagen bei bestimmten Veröffentlichungen keinesfalls aus. Das stehe den lokalen Filialen freilich offen, wenn sie es im Einzelfall für richtig und angemessen halten, so Riethmüller.

Der Buocher Kleinverleger Dr. Manfred Hennecke hatte, wie am 28. Dezember 2021 („Existenzkampf gegen Groß-Buchhandel“) in dieser Zeitung berichtet, Osiander kritisiert. Es ging um ein rund 65-seitiges Büchlein des Murrhardter Historikers Prof. Gerhard Fritz: süffisante „Katzengeschichten für Erwachsene“ seines Katers Tutu.

Diese Zeitung hatte einige Tage vorher eine Buchbesprechung gedruckt (übernommen von der Backnanger Kreiszeitung). Die Leute wollten es als Weihnachtsgeschenk auch in den Osiander-Filialen, zum Beispiel in Waiblingen und Schorndorf kaufen. Angeblich hätten die Osiander-Filialen das Büchlein, das auch eine eigene ISBN besitzt, nicht in ihren Systemen gefunden. Wahrscheinlich lohne sich der Verkauf eines solchen Büchleins bei einem Preis von 8,50 Euro und 35 Prozent Erlösbeteiligung bei Frei-Haus-Lieferung für Osiander nicht, hatte Hennecke gemutmaßt. Früher, mit den inhabergeführten Buchhandlungen Hess in Waiblingen und Bacher in Schorndorf, sei die Zusammenarbeit viel besser gewesen, behauptete Hennecke. Und: Die Barsortimenter wie KNV, Umbreit oder Libri, die Bücher auf Lager nähmen, um sie den Buchhandlungen bei Bestellungen am Folgetag auszuliefern, funktionierten auch nicht mehr wie früher.

Der Buocher Kleinverleger gestand im Nachgang dieser Zeitung, die Veröffentlichungen seines Verlags nicht mehr im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) listen zu lassen. Das sei ihm zu kostspielig geworden. Zudem habe der Betreiber des VLB, ein Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e. V. namens MVB GmbH und gleichzeitig ISBN-Agentur, trotz mehrmaliger schriftlicher Bitten seine geänderten Verlagskontaktdaten ständig nicht aktualisiert, so dass „ewig“ eine falsche E-Mail-Adresse und eine falsche Telefonnummer als Metadaten herumgegeistert hätten.

Die Schorndorfer Osiander-Filialleiterin Sarah Schäfer schwankt als Buchhändlerin mit Herzblut zwischen Zugewandtheit und Unverständnis Hennecke gegenüber. „Ich war schon bei Herrn Bacher jahrelang Erst-Sortimenterin. Herr Hennecke hat sich nie bei mir vorgestellt. Ich habe ihn nie kennengelernt. Ich laufe ihm sicherlich nicht hinterher. Wenn er ein Produkt hat, das er bei uns verkaufen will, dann muss er es uns schon aktiv und persönlich anbieten und schmackhaft machen.“ Als Schorndorfer Buchhandlung sei die Osiander-Filiale lokalen Veröffentlichungen keineswegs grundsätzlich abgeneigt. „Wir führen ein Schorndorf-Memory und auch lokalhistorische Abhandlungen mit Stadtbezug.“

Zum Teil gehe Osiander bei Regionalia sogar Verkaufskooperationen ein, die sich finanziell nicht lohnten. „Wir machen das, weil wir natürlich auch die lokale Kunst- und Kulturszene unterstützen wollen.“ Was aber stimme: Auf Kommission Bücher im Laden auszulegen, lasse sich aufgrund der zentralisierten SAP-Software von Osiander nicht mehr darstellen – auch steuerrechtlich nicht, sagt Sarah Schäfer.

Einen lokalpatriotischen Anspruch will sich auch der Waiblinger Osiander-Filialleiter Peter Seifert nicht absprechen lassen. „Der mitschwingende Vorwurf, wir würden lokale Kleinverleger missachten, hat mich schon irritiert. Wir sind ganz im Gegenteil nämlich sehr bemüht und haben sehr gedeihliche Kooperationen am Laufen, sei es mit dem Verlag von Iris Förster oder was den Kalender der Diakonie Stetten, Postkarten und Stadtführer für Waiblingen angeht. Auch während der Remstal-Gartenschau hatten wir viele lokale Veröffentlichungen ins Programm genommen.“ Seifert rät Hennecke, künftig dem Buchhandel Vorlaufzeit zu geben, bevor er eine Veröffentlichung kurz vor Weihnachten „plötzlich“ in der Zeitung besprechen lässt. „Ich bin für ein persönliches Gespräch mit Herrn Hennecke offen.“ Zudem könnte sich Hennecke überlegen, die Zusammenarbeit mit den Barsortimentern KNV (nach Insolvenz seit 2019 zur Zeitfracht GmbH) und Umbreit wieder aufzunehmen, sagt Seifert. „Womöglich muss er ihnen halt bestimmte Rabatte gewähren, damit sie seine Bücher wieder auf Lager nehmen“ – und seine Bücher vorher ein paar Euro teurer machen.

Die Waiblinger Kleinverlegerin Iris Förster befindet: „Die Zusammenarbeit mit Osiander in Waiblingen und anderen Buchhandlungen im unteren Remstal klappt wirklich sehr gut. Man muss als kleiner Lokalverlag aber auf die Buchhandlungen persönlich zugehen und sie von Buchtiteln überzeugen, die man ins Programm nimmt.“

Sobald es aber über Waiblingen hinausgehe, sei das als Waiblinger Kleinverlag mit Waiblinger Regionalia schwierig, diese in Buchhandlungen unterzubringen. „Ich habe das mal beim Wittwer in Stuttgart probiert. Keine Chance“, sagt Iris Förster.

Seine Buchtitel im VLB einzupflegen und dabei mit der Einzel-ISBN zu verheiraten, könne man als Verleger schon seit rund 15 Jahren selbst, sagt Iris Förster. „Auch die Verlagskontaktdaten aktualisieren. Das geht über eine Online-Maske.“ Insofern verstehe sie zumindest diese speziellen Probleme von Manfred Hennecke nicht. Seinen Groll auf Amazon jedoch schon. „Mit denen zusammenzuarbeiten, geht gar nicht, da zahlt man als Verlag nur drauf.“

Er verstehe, dass ein Kleinverleger wie Dr. Manfred Hennecke aus Remshalden-Buoch alten Zeiten nachtrauere. „Wir leben aber nicht mehr wie vor 20 Jahren, und auch der Buchhandel hat sich geändert“, sagt Osiander-Seniorchef Heinrich Riethmüller.

Der Konkurrenzdruck durch den versandkostenfreien Online-Buchhandel des Konzerns Amazon sei immens. Als Buchhändler mit 68 Filialen deutschlandweit und rund 500 Mitarbeitern, für die auch Löhne erwirtschaftet werden müssten, könne Osiander

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