Rems-Murr-Kreis

Ott Hydromet in Fellbach: Betriebsrat stimmt Kündigung seiner Vorsitzenden zu

Arbeitsgericht Stuttgart
Im Fall der gekündigten Betriebsratsvorsitzenden Svetlana Kuzmina aus Weinstadt kam es jetzt zu einem Gütetermin am Arbeitsgericht. © Alexandra Palmizi

Im dritten Anlauf hat der Betriebsrat der Fellbacher Firma Ott Hydromet der fristlosen Kündigung seiner Vorsitzenden schließlich zugestimmt. Svetlana Kuzmina ist seit Ende August arbeitslos und kämpft nicht mehr nur um ein korrektes Arbeitszeugnis und gegen ihre Degradierung zur Sachbearbeiterin, sondern auch um ihren Arbeitsplatz. Zum Verhängnis wurde der engagierten Betriebsratsvorsitzenden ein Hilferuf beim Chef ihrer Chefs.

In dem Bericht hatte Svetlana Kuzmina über die aktuellen Probleme am Standort Fellbach berichtet. Die Ott-Geschäftsleitung warf ihr daraufhin unter anderem Verleumdung vor. Der Betriebsrat, der 2021 nicht zuletzt auf Initiative von Kuzmina gegründet worden war und dem sie vorstand, widersprach am 26. August der dritten Kündigung nicht. Schon vor Monaten hatte sich der Riss abgezeichnet, der durch das Betriebsratsgremium geht, und dass nicht mehr alle Mitglieder unbequeme Wege gegen die Geschäftsleitung gehen wollten.

Kurz zur Vorgeschichte: Im Jahr 2011 hatte die zweifach diplomierte Betriebswirtin ihre Karriere bei der Firma G. Lufft Mess- und Regeltechnik gestartet, die zu dieser Zeit ein mittelständisches Unternehmen mit 120 Mitarbeitern war, spezialisiert auf meteorologische Messtechnik wie zum Beispiel Wettersensoren. 2016 wurde Lufft vom amerikanischen Mischkonzern Danaher übernommen, unter dessen Dach sich weltweit mehr als 400 Firmen mit annähernd 70.000 Beschäftigten befinden.

Nach der Elternzeit zur Sachbearbeiterin degradiert

Bei Lufft zogen amerikanische Managementmethoden ein. Als Kuzmina aus ihrer zweiten Elternzeit zurückkehrte, hatte sich vieles verändert. Die Weinstädterin war nun nicht mehr eigenverantwortlich als „Area Sales Manager“ tätig, sondern fand sich bei der umfirmierten Ott Hydromet GmbH zur einfachen Sachbearbeiterin degradiert. Womit sie überhaupt nicht einverstanden war und die Initiative zur Gründung eines Betriebsrates ergriff.

Am Donnerstag ist es bei einem sogenannten Gütetermin vor dem Arbeitsgericht nun um die fristlose Kündigung gegangen, gegen die sich Svetlana Kuzmina zur Wehr setzt. Dass sie im anhaltenden Streit zwischen Ott und Svetlana Kuzmina eine gütliche Einigung zuwege bringt, damit hat Arbeitsrichterin Ursula Masuhr, wie sie einräumte, nicht mehr ernsthaft gerechnet. Sie weiß aus den vorangegangenen Verhandlungen: Die Fronten – Rechtsanwältin Dr. Julia Bruck von der Kanzlei Buse-Heberer-Fromm für die Arbeitgeberseite auf der einen und Svetlana Kuzmina mit ihrem Anwalt Bernhard Pröschild auf der anderen – sind verhärtet. Weshalb Masuhr nach dem fast einstündigen Schlagabtausch einen Kammertermin ankündigte.

Wie hat Ott Hydromet die dritte Kündigung begründet? Wie schon bei Kündigung eins und zwei wirft die Ott-Geschäftsleitung der Betriebsratsvorsitzenden Verleumdung und Äußerungen vor, „die nicht den Tatsachen entsprechen“, wie Rechtsanwältin Julia Bruck im besten Juristendeutsch formulierte. Anlass für die dritte Kündigung war der Bericht, den Svetlana Kuzmina an Brad Ellis, den Vice President des Danaher-Konzerns, als eine Art Hilferuf geschrieben hatte und die Probleme in dem Unternehmen schilderte. Ellis ist Vorgesetzter des Geschäftsführers von Ott Hydromet, Tom Bolling.

Zu ehrlicher Kommunikation aufgefordert – nur vordergründig

Aus Sicht von Svetlana Kuzmina dient der Bericht jedoch nur als Vorwand für ihre Kündigung. Vielmehr wollte die Ott-Geschäftsleitung eine unbequeme Betriebsratsvorsitzende loswerden und einen Sozialplan verhindern. Doch der Reihe nach. Im Frühjahr hatte der Fellbacher Betriebsrat erfolgreich die Schließung des akkreditierten Kalibrierlabors verhindert und Kündigungen von Mitarbeitern abgewendet. Im Sommer kündigte die Ott-Geschäftsleitung an, die Abteilung „Handmessgeräte“ zu schließen. Fast zwei Monate habe der Betriebsrat sich für die Einführung eines Sozialplans für die Mitarbeiter eingesetzt, erläuterte Kuzmina die Hintergründe für ihre Kündigung. Als letztes Mittel wollte der Betriebsrat den Antrag auf die Einigungsstelle beim Arbeitsgericht Stuttgart stellen und deswegen bat die Geschäftsleitung bis zum 24. August um die Stellungnahme diesbezüglich. Allerdings anstatt einer Zustimmung zur Einigungsstelle hat die Geschäftsleitung am 24. August den Antrag zur Kündigung der unbequemen Betriebsratsvorsitzenden dem Betriebsrat gestellt.

Bei einer Konferenz von circa 30 Betriebsräten des Danaher-Konzerns im Juli hatten die Kollegen Svetlana Kuzmina noch den Rücken gestärkt und sie ermuntert, sich an den Chef ihrer Chefs zu wenden. So wie eine unternehmensinterne Richtlinie verlange.

Seit Ende August arbeitslos

Danaher-Mitarbeiter werden ausdrücklich zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation aufgefordert. Sie sollten ansprechen, wenn sie illegale, unethische oder zweifelhafte Dinge im Unternehmen vermuten. Im Gegenzug verspricht Danaher seinen Mitarbeitern, für diese Meldungen keine Repressalien auszuüben. Wenn aber ein Manager Repressalien ausübt, habe er mit Disziplinarmaßnahmen bis hin zur Kündigung zu rechnen. Das alles klingt schön und gut. In diesem Fall aber sieht es danach aus, gegen die Danaher-Regeln gehandelt zu haben. Denn offensichtlich wurde hier eine einfache Lösung angewendet. Der Bericht landete direkt auf den Schreibtischen der Ott-Geschäftsleitung. Und weil der Bericht „inhaltlich unrichtig und in vielen Punkten verleumderisch“ sei, so Rechtsanwältin Julia Bruck, sollte Svetlana Kuzmina fristlos gekündigt werden. Seit 29. August ist Kuzmina, Mutter von zwei kleinen Kindern, arbeitslos.

Doch Svetlana Kuzmina hofft und kämpft weiter. Zur Unterstützung von Svetlana Kuzmina wurde eine Petition gestartet, zu finden unter www.openpetition.de.

Im dritten Anlauf hat der Betriebsrat der Fellbacher Firma Ott Hydromet der fristlosen Kündigung seiner Vorsitzenden schließlich zugestimmt. Svetlana Kuzmina ist seit Ende August arbeitslos und kämpft nicht mehr nur um ein korrektes Arbeitszeugnis und gegen ihre Degradierung zur Sachbearbeiterin, sondern auch um ihren Arbeitsplatz. Zum Verhängnis wurde der engagierten Betriebsratsvorsitzenden ein Hilferuf beim Chef ihrer Chefs.

In dem Bericht hatte Svetlana Kuzmina über die aktuellen

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