Rems-Murr-Kreis

Preisgekrönt: Was den Piwi-Wein aus Strümpfelbach so besonders macht

Piwi-Wein
Das, was Daniel Kuhnle in der Flasche und Werner Kuhnle im Glas haben, ist der bepreiste Souvignier Gris. Aber halt der Folgejahrgang. Margret Kuhnle hat den Preisträger vom Jahr 2020 einfach zu gut verkauft. © Gabriel Habermann

Da hat Corona wieder was angerichtet: Das Magazin Focus lud zum Weintest ein. 2021 war das. Sechs Kategorien gab’s. Was eingereicht werden sollte, musste spitze sein. Jeder Wengerter hatte nur eine Chance: ein Wein, eine Flasche. Zum allerersten Mal gab’s auch die Kategorie Piwi. Die Kuhnles aus Strümpfelbach hatten einen, den sie herrlich fanden. Einen Souvignier Gris. Und dann? Dann war urschwäbisches Geschick gefragt.

Die Beeren der Piwi-Rebsorten sind geschützt durch eine dicke Schale

Die Piwi-Weinbeeren sind, das sagt Werner Kuhnle genauso wie sein Kollege Hermann Stilz aus Schnait, der schon seit sehr vielen Jahren auf die Piwis schwört, eine geniale Sache. Pilzgeschützt durch eine dicke Schale, machen sie dem Wengerter deutlich weniger Arbeit. Denn der muss nicht zehnmal, vierzehnmal oder noch viel öfter in der Saison zum Spritzen fahren, sondern es reichen, je nach Wetterlage, zwei oder drei Behandlungen gegen Pilzerkrankungen. Mehltau und falscher Mehltau – korrekt Peronospora – sind die gefürchteten Gegner des Wengerters. Dieses Jahr, sagt Hermann Stilz, konnte er, weil’s so trocken war, bei den Piwis sogar ganz aufs Spritzen verzichten. Der altbekannte Trollinger dagegen brauchte seine Behandlung.

Kurz: Die Piwis sind das, was die Wengerter in Zukunft brauchen werden. Die Piwis schonen den Wengerter sowohl in Bezug auf den Stress als auch in Bezug auf den Geldbeutel. Aktuell ein unschlagbares Argument. Und sie sind gut für die Umwelt, was auch nicht zu verachten ist. Der Boden wird durch viel weniger Treckerfahrten viel weniger beansprucht und verdichtet. Außerdem gelangen kaum Pflanzenschutzmittel in die Natur. Ach ja, Trockenheit und Hitze – der Klimawandel lässt grüßen – stecken sie auch ganz gut weg.

Piwis sind "sogar in Genießerkreisen noch unbekannt"

Trotz all dieser Vorteile und des jetzt auch Focus-beurkundeten guten Geschmacks der Weine kommen die Piwis nach wie vor bei den Weintrinkern nicht so richtig an. Die Kategorie sei, heißt’s im Focus, „sogar in Genießerkreisen noch unbekannt“. Es braucht, sagen Kuhnle und Stilz, viel Überzeugungskraft und unzählige Probiererles, um die Kunden vom altbewährt und stets Geliebten auf das noch Neue umzuleiten.

Bei solchen Problemen helfen natürlich publikumswirksame Weinverkostungen mit Gewinnerlisten. Wie der Focus Weintest aus dem Jahr 2021. Bei dem probierten sich Restaurant- und Weingutgrößen genauso wie eine Fotografin und eine Schauspielerin, der Chefredakteur und seine Focus-Weinspezialistin, eine Sommelière sowie ein Master of Wine – laut Wikipedia ein Titel, dem eine höchst anspruchsvolle Ausbildung vorausgeht, deren Prüfungen in den letzten Jahren nur etwa 30 Prozent der Kandidaten bestanden haben – durch die eingereichten Köstlichkeiten. Getrunken wurde aus edelsten Gläsern und natürlich blind. Das heißt: Keiner wusste, von wem der Wein kam, die Kostprobe war nur mit einer Nummer versehen.

Die Kuhnles haben ein gutes Gespür und waren sich sicher: Unser Wein, trocken und lecker, kann es schaffen. Und sie kamen durch die Vorauswahl. Was bedeutete: Nach einem Vierteljahr wurde die zweite Flasche angefordert. Der eingereichte und erfolgreiche Weiße war längst im Verkauf und rar. Denn die Kuhnles haben nicht so viele Piwi-Stöcke und füllen diesen Wein auch selten sortenrein ab. Es lohnt sich einfach noch nicht.

So ein Weintest dauert seine Zeit. Die Kuhnles verkauften weiter. Das tut ein Geschäftsmann halt, der von seinen Erzeugnissen leben muss. Irgendwann kam die Nachricht: Ihr seid in den Top Ten. Und Corona schlug wieder zu. Keine Preisverleihung.

Sehr viel später: Preisverleihung mit Ausschank im Kreise ausgewählter Gäste

Ende Mai 2022 erst sollten die Weine, die zu den Besten beim 11. Focus-Weintest zählten, im Europapark Rust gefeiert werden. Mitsamt Ausschank im Kreis ausgewählter Gäste natürlich. Die Kuhnles hatten keinen Souvignier Gris, Jahrgang 2020 mehr. Nicht ein einziges Fläschchen.

Die Preisverleihung fiel für die Wengerterfamilie aus Strümpfelbach natürlich trotzdem nicht aus. Im Glas der Gäste landete halt der Souvignier Gris Jahrgang 2021. Der war nicht ganz so trocken, sondern eher etwas fruchtiger. Was ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Diesen Tropfen gibt’s übrigens auch noch. Und die Kuhnles, geniale Selbstvermarkter, die sie sind, zögerten nicht, die Zeitung auf diese irre Geschichte vom Wein, der zur eigenen Preisverleihung leider schon ausgetrunken war, aufmerksam zu machen. Und überhaupt die Weintrinker mal via Artikel zu stupsen, dass so ein Piwi die Zukunft und ehrlich nicht schlecht ist. Hermann Stilz macht das Gleiche, allerdings geht er’s ein bissle bodenständiger an. Er setzt aufs Salzkuchenfestle von der Hegnacher Mühle am Wochenende 17. und 18. September. Da wird sein Piwi-Wein zur schwäbischen Leckerei ausgeschenkt. Na, Durst gekriegt?

Da hat Corona wieder was angerichtet: Das Magazin Focus lud zum Weintest ein. 2021 war das. Sechs Kategorien gab’s. Was eingereicht werden sollte, musste spitze sein. Jeder Wengerter hatte nur eine Chance: ein Wein, eine Flasche. Zum allerersten Mal gab’s auch die Kategorie Piwi. Die Kuhnles aus Strümpfelbach hatten einen, den sie herrlich fanden. Einen Souvignier Gris. Und dann? Dann war urschwäbisches Geschick gefragt.

Die Beeren der Piwi-Rebsorten sind geschützt durch eine dicke

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