Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: 2470 Männer mit Erektionsstörung beim Arzt

KOL 0511K370 Gesundheitsmagazin
Klappt nicht mehr? Dann kann der Arzt oft helfen. © Hardy Zürn

Rund 2470 Männer aus dem Rems-Murr-Kreis befanden sich 2020 wegen einer Erektionsstörung in ärztlicher Behandlung. Dies zeigt eine Auswertung der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr zu den Daten ihrer Versicherten. Landesweit hat der Anteil der Betroffenen zwischen 2016 und 2020 im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr zugenommen, im Kreis waren es sogar 4,3 Prozent. Dabei konnten nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Die Dunkelziffer könnte höher sein, da viele Männer aus Scham nicht zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen.

Impotenz: Rund fünf Prozent der Männer sind betroffen

Rund zehn Prozent der Männer in Baden-Württemberg befassen sich in ihrem Alltag sehr häufig oder eher häufig mit dem Thema Erektionsstörungen. Das geht aus einer aktuellen Online-Befragung hervor, die das Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der AOK im Ländle unter rund 1000 Männern durchgeführt hat. „Männer mit Impotenz sind keine Einzelfälle. Laut Statistiken sind fünf Prozent der männlichen Bevölkerung davon betroffen“, sagt Dr. med. MBA Hans-Peter Zipp, Arzt bei der AOK Baden-Württemberg. Gelegentliche Potenz- und Erektionsprobleme bedeuteten noch keine medizinische Auffälligkeit. Um eine Erektionsstörung handele es sich aus medizinischer Sicht, wenn etwa 70 Prozent der Versuche, eine Erektion zu bekommen, erfolglos blieben und diese Problematik über mindestens sechs Monate anhalte. Auch dann, wenn der Penis über mehrere Monate hinweg bereits nach kurzer Zeit wieder schlaff wird, wird von einer sogenannten erektilen Dysfunktion und somit auch Impotenz gesprochen. Mit dem Alter (besonders ab 50 Jahren) steigt die Wahrscheinlichkeit, unter Erektionsproblemen zu leiden - doch auch junge Männer können betroffen sein. Die Ausgeprägtheit ist von Mann zu Mann verschieden.

Oftmals kommen mehrere Auslöser zusammen

„Die Ursachen sind vielfältig, meist kommen mehrere Auslöser zusammen. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass bei jüngeren Männern psychische Gründe überwiegen, während mit zunehmendem Alter häufiger vor allem körperliche Erkrankungen zugrunde liegen“, so Dr. Zipp. „Insbesondere bei Männern über 50 Jahren kann eine Erektionsstörung das erste Warnzeichen einer Gefäßerkrankung sein und damit ein möglicher Vorbote von Herzinfarkt oder Schlaganfall. Durch eine frühe Therapie können gravierende Folgen verhindert werden. Schon deshalb ist anzuraten, Potenzprobleme ärztlich abklären zu lassen“, so der Arzt weiter. Als Auslöser der Probleme kommen auch Medikamente, bestimmte neurologische und Organerkrankungen, Krebs, hormonelle Störungen wie Testosteronmangel, Verletzungen, Operationen oder Bestrahlungen infrage. Impotenz kann aber auch infolge von Stress, Streit, Krisen oder traumatischen Erlebnissen auftreten sowie verhaltensbedingte Ursachen haben, wie Rauchen (Drogen/Kiffen), Alkoholkonsum oder Bewegungsmangel und fettreiche Ernährung. „Insgesamt haben mindestens die Hälfte der Erektionsstörungen eine rein organische Ursache. Bei etwa einem Drittel ist von einer rein psychogenen Störung auszugehen und bei 20 Prozent der Patienten kommt beides zusammen“, erläutert Dr. Zipp. Bei psychischen Ursachen könne ein Teufelskreis entstehen, insbesondere wenn Versagensängste oder depressive Verstimmungen vorlägen. Wiederholte Misserfolge im sexuellen Bereich können sich auch auf andere Felder, zum Beispiel die Nähe und Zuneigung zum Partner oder die Leistungsfähigkeit im Beruf, auswirken.

Die gute Nachricht: In den meisten Fällen gibt es Hilfe

Erektionsstörungen sind in den meisten Fällen vollständig heilbar. „Für die bestmögliche Behandlung ist die Diagnose von entscheidender Bedeutung. Denn nur wenn die Ursache einwandfrei erkannt ist, lässt sich eine geeignete Therapie einleiten“, betont Dr. Zipp. Daher sei es wichtig, dass Betroffene nicht schwiegen, sondern zunächst mit ihrem Lebenspartner ein offenes Gespräch führten, um Druck und Frust abzubauen, und sich dann an einen Spezialisten wendeten. Denn mit dessen Hilfe könne auch die Ursache erörtert und die passende Behandlung gefunden werden. Sind Grunderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes oder Gefäßerkrankungen optimal behandelt, wirkt sich das oftmals auch auf die Symptome einer erektilen Dysfunktion günstig aus. Bei psychogenen Erektionsstörungen ist eine sexualtherapeutische Begleitung oft erfolgreich.

Mit Rauchen aufhören, mit Sport anfangen

Bei Potenzstörungen ist es empfehlenswert, zuerst die Lebensgewohnheiten zu verbessern - zum Beispiel durch einen Rauchstopp, Gewichtsreduktion bei überschüssigen Kilos, regelmäßige körperliche Bewegung und Sport, durch Normalisierung erhöhter Blutzuckerwerte oder von erhöhtem Blutdruck. Es gibt Hinweise darauf, dass solche Maßnahmen nicht nur die allgemeine Gesundheit, sondern auch die Erektionsfähigkeit positiv beeinflussen. „Es sollte nicht versucht werden, die Impotenz selbst mit Medikamenten oder zweifelhaften Aphrodisiaka zum Beispiel aus dem Sex-Shop in den Griff zu bekommen. Eine erektile Dysfunktion ist oftmals ein wichtiges Frühwarnzeichen für schwere Krankheiten, welche sonst leicht übersehen werden können. Nur ein Arzt kann die Ursache herausfinden und eine optimale Einstellung von Medikamenten vornehmen“, so Dr. Zipp. Besondere Vorsicht sei bei eventuell illegalen Internetangeboten geboten, die verschreibungspflichtige Medikamente zur Behandlung einer Impotenz auch ohne Rezept liefern. Solche Produkte können unwirksam oder sogar gefährlich sein.

Rund 2470 Männer aus dem Rems-Murr-Kreis befanden sich 2020 wegen einer Erektionsstörung in ärztlicher Behandlung. Dies zeigt eine Auswertung der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr zu den Daten ihrer Versicherten. Landesweit hat der Anteil der Betroffenen zwischen 2016 und 2020 im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr zugenommen, im Kreis waren es sogar 4,3 Prozent. Dabei konnten nur Versicherte ermittelt werden, die sich tatsächlich in ärztlicher Behandlung befanden. Die Dunkelziffer könnte höher sein, da

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