Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis bekommt Pipeline für Gas und Wasserstoff: Durch diese Orte soll sie verlaufen

Verlegung Rohrleitung
Bald startet die Terranets BW GmbH im Rems-Murr-Kreis mit dem Bau der Süddeutschen Erdgas-Pipeline, die ab 2030 auch Wasserstoff transportieren soll (im Bild: Baumaßnahmen für die Neckarenztalleitung, NET). © Marc Pudlatz/Terranets BW

Eine für Wasserstoff taugliche Gas-Pipeline wird bald durch den Rems-Murr-Kreis führen. Der hiesige Abschnitt der sogenannten Süddeutschen Erdgaspipeline (SEL) soll bis Ende 2025 fertiggebaut sein, zunächst Erdgas transportieren und ab 2030 dann auch Wasserstoff. Wie wird die Sicherheit für Umwelt und Anwohner garantiert? Wie ist der genaue Verlauf? Wann werden die Grundstücksbesitzer und Anrainer informiert? Wann und wo beginnt der Pipeline-Bau? Wer ist der Betreiber? Und: Wer will den Wasserstoff überhaupt haben?

Betroffene Städte und Gemeinden im Rems-Murr-Kreis

„Die SEL sichert die Versorgung mit Wärme und Strom während des Ausstiegs aus der Kohleenergie ab und wird zunächst Erdgas transportieren“, erläutert Rebecca Penno, Sprecherin des Betreibers Terranets BW. „Ab 2030 soll die SEL Wasserstoff transportieren und Baden-Württemberg damit an die nationalen und europäischen Wasserstoff-Infrastrukturen anschließen.“

Für den Bau und Betrieb der SEL im Rems-Murr-Kreis liege die Genehmigung bereits vor, die grundsätzlichen Planungen seien durch den Planfeststellungsbeschluss abgeschlossen, sagt Rebecca Penno. Der grundstücksscharfe Trassenverlauf ist auf der Projektwebseite veröffentlicht (terranets-sel.de) unter „SEL – Abschnitt Siegelsbach bis Esslingen“. Unter dem Reiter „Kartenmaterial“ ist auch der genauere Verlauf der SEL im Rems-Murr-Kreis (Waiblingen, Korb, Weinstadt, Kernen) hinterlegt.

Die Karte zum Trassenverlauf Ludwigsburg, Remseck, Hohenacker finden Sie hier.

Die Karte zum Trassenverlauf Hohenacker, Korb, Waiblingen Weinstadt finden Sie hier.

Die Karte zum Trassenverlauf Weinstadt, Kernen, Esslingen finden Sie hier.

Es wird Infoveranstaltungen für Anrainer und Grundstückseigentümer geben

Aus den betroffenen Städten und Gemeinden heißt es gleichlautend, das Projekt befinde sich noch in einem frühen Stadium, noch wenig Konkretes sei bekannt. „Es wird erwartet, dass Terranets zu einem späteren Zeitpunkt eine Informationsveranstaltung ausrichtet, die Stadt stellt dafür Räume zur Verfügung“, sagt zum Beispiel Carina Rother von der Stadtverwaltung Weinstadt.

Kernen hat von Terranets BW bislang nur die Pläne über den Trassenverlauf erhalten, die auch online zur Verfügung stünden, sagt Susanne Herrmann, Sprecherin der Gemeindeverwaltung. „Weitere Detail-Informationen oder Absprachen sind bisher nicht erfolgt. Kernen ist aber auch nur in einem kleinen Randbereich tangiert.“

Auch die Kreisverwaltung ist bislang nur in Grundzügen informiert: „Es gab erste Gespräche zwischen dem Energieversorger und dem Landratsamt. Es geht dabei unter anderem um Fragen des Baurechts, Querungen von Straßen und den Naturschutz. Uns liegen bisher keine konkreten Anträge oder Planungen vor“, sagt Martina Keck, Sprecherin des Landratsamtes.

Laut Terranets BW sollen im Frühjahr 2023 in allen betroffenen Kommunen Infoveranstaltungen stattfinden. „Da geht es vor allem um Durchleitungsrechte über landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke“, so eine Sprecherin. Der Trassen-Verlauf gehe dort, wo möglich, auch entlang von Bundes- oder Landesstraßen, „auf jeden Fall aber durch unbebautes Gebiet und nicht etwa durch Wohngebiete“.

Wer ist der Pipeline-Betreiber Terranets BW?

Bauherrin und Betreiberin der SEL ist die Terranets BW GmbH. Diese firmierte ab 2007 zunächst als Tochtergesellschaft „GVS Netz“ des Gashandelsunternehmens GVS (Gasversorgung Süddeutschland), welches von 1961 an ein Erdgas-Verbundsystem in Baden-Württemberg eingerichtet hat. GVS Netz wurde 2012 zu Terranets BW.

„Als unabhängige Transportnetzbetreiberin für Gas trägt Terranets BW Verantwortung für die zuverlässige Versorgung mit Gas in Hessen, Baden-Württemberg und dem angrenzenden Ausland“, wirbt Unternehmenssprecherin Rebecca Penno. Der Auftrag sei im Energiewirtschaftsgesetz gesetzlich verankert. Dazu übernehme Terranets BW Gas aus vorgelagerten Netzen in ihr bereits rund 2700 Kilometer langes Gasleitungsnetz. Das Gas transportiere Terranets BW zu Industriekunden, Stadtwerken und Verteilernetzbetreibern. Diese transportieren das Gas dann weiter an Haushalte, Industrie und Gewerbe.

Im Unternehmen mit neun Standorten in Baden-Württemberg und Hessen arbeiten rund 300 Beschäftigte. „Zukünftig wird Terranets BW klimaneutrale, grüne Gase und Wasserstoff transportieren“, sagt Rebecca Penno. „Ab 2030 bis 2040 soll das gesamte Gastransportnetz der Terranets BW umgestellt werden. Dabei ist für jede Leitung und jede Anlage einzeln zu bewerten, welche Anpassungen für die Umstellung erforderlich sind. Erste Erhebungen der Terranets BW zeigen auf, dass viele Leitungen im Transportnetz grundsätzlich für den Transport von Wasserstoff gut geeignet sind.“

Erster Teil-Abschnitt der SEL: Heilbronn bis Löchgau

Mit dem Bau der Süddeutschen Erdgaspipeline SEL begonnen wurde noch nirgends. Erkundungs- und Erschließungsmaßnahmen indes sind gestartet, begonnen wird mittendrin: „Der rund 24 Kilometer lange Leitungsabschnitt von Heilbronn über Leingarten, Nordheim, Lauffen am Neckar, Brackenheim, Kirchheim am Neckar, Bönnigheim und Erligheim bis nach Löchgau soll bis 2024 fertiggestellt werden“, teilt Terranets BW mit. „Im Sommer 2020 begann auf dem Teilabschnitt von Heilbronn bis nach Löchgau der Erwerb der Wege- und Leitungsrechte durch den Abschluss privatrechtlicher Vereinbarungen mit Eigentümern und Bewirtschaftern.“ Von Herbst 2020 bis Herbst 2021 wurden Vermessungen, Baugrunduntersuchungen und Kartierungen geschützter Tiere und Pflanzen durchgeführt. Die archäologischen Untersuchungen begannen im Herbst 2022.

Zweiter Teil-Abschnitt der SEL: Löchgau, Ludwigsburg, Rems-Murr-Kreis, Esslingen

Der zweite Pipelineabschnitt führt 45 Kilometer lang von Löchgau über Ludwigsburg und den Rems-Murr-Kreis bis nach Esslingen. „Mit den Vermessungen der Topografie startete Terranets BW planmäßig im Dezember 2021.“ Dafür seien zunächst Referenzpunkte am Boden vermessen worden, anschließend sei die Vermessung aus der Luft durch die Befliegung mit Hubschraubern erfolgt.

Bis Mitte Mai 2022 kam es „vor allem im Bereich von Kreuzungen der Gasleitungstrasse mit Straßen, Bahnen, Gewässern und Kanälen“ zu terrestrischen Vermessungen. Darüber hinaus seien das Jahr 2022 über Untersuchungen des Baugrunds erfolgt.

Um die Einhaltung der naturschutzrechtlichen Bestimmungen sicherzustellen, habe Terranets BW eine Nachkartierung geschützter Arten im Trassenbereich in Auftrag gegeben. Diese Arbeiten erfolg(t)en von März bis zum Ende des Jahres 2022.

Mit dem Erwerb der Wege- und Leitungsrechte begann Terranets BW Mitte des Jahres 2022 und im Jahr 2023 sollen die archäologischen Untersuchungen auf diesem Abschnitt folgen. Der Leitungsabschnitt soll bis Ende 2025 fertiggestellt werden.

Dritter Teil-Abschnitt der SEL: Siegelsbach bis Heilbronn

Von Siegelsbach über Bad Rappenau bis nach Heilbronn verläuft auf rund 14 Kilometern der dritte Teilabschnitt der Leitung: „Hier führt Terranets BW seit Beginn des Jahres 2022 die Voruntersuchungen entlang des Trassenverlaufs durch, wie zum Beispiel die Kartierungen geschützter Tiere und die Untersuchung des Baugrunds“, so die Mitteilung. Ende des Jahres 2022 sollte in diesem Abschnitt der Erwerb der Wege- und Leitungsrechte anlaufen. Voraussichtlich Anfang 2025 sollen archäologische Untersuchungen angegangen werden, die Ende 2025 abgeschlossen sein sollen. „Der Leitungsabschnitt von Siegelsbach nach Heilbronn soll voraussichtlich bis 2026 realisiert werden.“

Wie wird die Sicherheit der Pipeline gewährleistet?

„Die Erdgashochdruckleitungen im Netzgebiet der Terranets BW haben eine Überdeckung von 1,2 Metern“, erläutert Rebecca Penno. „Neben der Erdschicht gibt es einen zusätzlichen Schutzstreifen beidseits der Leitung. Der Schutzstreifen ist zehn Meter breit und in der Regel durch eine beschränkte persönliche Dienstbarkeit gesichert. Im Schutzstreifen gelten bestimmte Regelungen, wie zum Beispiel, dass keine Gebäude oder sonstigen baulichen Anlagen errichtet werden dürfen. Zu Wohnbebauungen werden Abstände eingehalten.“

Der Betrieb und die Instandhaltung aller Leitungen erfolge ausschließlich durch Fachpersonal und mit größter Sorgfalt. „Die Anlagen und das Fernleitungsnetz werden durch eine rund um die Uhr besetzte Steuerungszentrale überwacht und gesteuert. Die Leitungen werden regelmäßig gewartet und bei Bedarf instandgesetzt. Die Kontrolle der Leitungen erfolgt durch Befliegen, Befahren, Begehen sowie Inspektionen.“

Als Bauherrin und Eigentümerin gewährleiste Terranets BW die Sicherheit der Leitungen, die auch während der Bauphase durch Sicherheits- und Gefahrenkoordinator/-innen ständig überprüft würden. „Auch werden die Leitungen durch unabhängige Sachverständige, wie etwa den TÜV, regelmäßig geprüft“, sagt Rebecca Penno.

Wer ist potenzieller Wasserstoff-Abnehmer?

Aus Baden-Württemberg liegen bisher insgesamt über 50 Wasserstoff-Bedarfsmeldungen vor. Diese setzen sich zusammen aus Meldungen von Industrie-Unternehmen, Kraftwerken, Verteilernetzbetreibern und Stadtwerken: „Die Mehrzahl der Industrie- und Gewerbekunden, die angeschlossen werden wollen, ist in Baden-Württemberg auf der Netzebene der Verteilnetzbetreiber und Stadtwerke eingebunden. Besonders Branchen, die an ihrer CO2-Neutralität arbeiten, haben sich an der Bedarfsmeldung beteiligt und sind in sehr engem Austausch mit Terranets BW“, sagt Rebecca Penno

Aus dem Rems-Murr-Kreis hätten sich zwei Stadtwerke und ein Verteilernetzbetreiber beteiligt. Eine Bestätigung von den infrage kommenden Stadtwerken Waiblingen und Weinstadt gegenüber dieser Zeitung blieb bislang aus.

Eine für Wasserstoff taugliche Gas-Pipeline wird bald durch den Rems-Murr-Kreis führen. Der hiesige Abschnitt der sogenannten Süddeutschen Erdgaspipeline (SEL) soll bis Ende 2025 fertiggebaut sein, zunächst Erdgas transportieren und ab 2030 dann auch Wasserstoff. Wie wird die Sicherheit für Umwelt und Anwohner garantiert? Wie ist der genaue Verlauf? Wann werden die Grundstücksbesitzer und Anrainer informiert? Wann und wo beginnt der Pipeline-Bau? Wer ist der Betreiber? Und: Wer will den

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