Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: EnBW erhöht Strompreis zum 1. Oktober deftig – was Sie dazu jetzt wissen müssen

Feature Strom Energie Regionalwerk
Die EnBW erhöht zum 1. Oktober den Strompreis – was steckt dahinter? © Bernhardt

Ab dem 1. Oktober wird für viele der Strom teurer: Am Samstag hat die EnBW an ihre Bestandskunden im Rems-Murr-Kreis die unerfreuliche Nachricht versandt ... Dürfen die das überhaupt? Und ist die Benachrichtigung in dieser Form okay? Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

1. Darf die EnBW den Strompreis erhöhen?

Ein Grundversorger (mehr zu diesem Begriff siehe unten) darf das – wenn bestimmte Kostenfaktoren, auf die er keinen Einfluss hat, ansteigen. So will es die Stromgrundversorgungsverordnung.

Es muss aber eine öffentliche Bekanntgabe erfolgen, zum Beispiel in Amtsblättern; und eine schriftliche Benachrichtigung an jeden Kunden rausgehen, mindestens sechs Wochen vor dem Erhöhungsdatum. Beide Vorgaben hat die EnBW erfüllt. Die Schreiben an die Kunden tragen das Datum 13. August. Passt gerade so.

2. Wie hoch ist der Anstieg?

Der Verbrauchspreis „für die Kilowattstunde im Grundversorgungstarif für Haushaltsstrom liegt ab Oktober 2022 bei 37,31 Cent“, teilt die EnBW mit. „Das entspricht einer Steigerung um 10,02 Cent gegenüber dem September 2022“ (27,29 Cent). Wenn wir als Berechnungsgrundlage den alten Preis mit 100 Prozent ansetzen, ist das eine Erhöhung um 37 Prozent.

Bei der sogenannten Ersatzversorgung hat die EnBW den Strompreis bereits zum 15. August angehoben - mehr dazu hier.

3. Was heißt das für die Kundschaft?

Für einen „Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden“ gibt die EnBW „eine Kostensteigerung von monatlich circa 24,22 Euro“ an.

4. Gibt es eine nachvollziehbare Begründung für die Erhöhung?

Tendenz: ja. Im Info-Schreiben heißt es: Der „Konflikt in Osteuropa und die weltweit stark gestiegene Nachfrage nach Strom führen bereits seit Herbst letzten Jahres zu sehr hohen Beschaffungskosten in noch nie da gewesener Größenordnung. Durch unsere vorausschauende Einkaufsstrategie konnten wir die Strompreise über ein Jahr stabil halten. Doch nun müssen wir aufgrund der weiterhin stark gestiegenen Beschaffungskosten die Strompreise anpassen.“

Energieunternehmen wie die EnBW sichern sich den Strom für ihre Bestandskundschaft zum Teil lange im Voraus, über Lieferverträge, die auf ein, zwei, drei Jahre in die Zukunft ausgreifen. So machen sie sich unabhängig von kurzfristigen Sprüngen an der Strombörse. Nur: Irgendwann schlagen die gestiegenen Preise eben doch auf den Endkunden durch. (Hintergründe dazu auch hier und hier.)

Betrachten wir beispielhaft die Energiebörse European Energy Exchange (EEX):

  • Wer dort einen Langfristvertrag bis 2025 abschließt, bezahlte im Februar 2022 knapp 100 Euro pro Megawattstunde, Ende Juli 2022 aber bereits 153 Euro.
  • Wer einen Deal bis 2024 tätigte, bezahlte im Februar 2022 gut 100 Euro, Ende Juli aber 207 Euro pro Megawattstunde.
  • Wer kurzfristiger einkaufte, nur bis 2023, zahlte im Februar etwa 140, Ende Juli aber 361 Euro.

5. Ist das Preiserhöhungsschreiben der EnBW formal korrekt abgefasst?

Die Verbraucherzentrale hat dazu Transparenz-Kriterien definiert:

  • Gut: eine Betreffzeile, die klar sagt, worum es geht, anstatt nur vage von einer „wichtigen Vertragsinformation“ zu raunen.
  • Schlecht: wenn erst „im letzten Absatz oder auf weiteren Seiten oder Anlagen“, hinter einem langen Textanlauf versteckt, das Thema zur Sprache kommt.
  • Gut: die „Gegenüberstellung von altem und neuem Preis“, idealerweise mit „farblicher oder textlicher Hervorhebung“.
  • Schlecht: wenn „erst auf der Rückseite oder einem Beiblatt auf das außerordentliche Kündigungsrecht verwiesen“ wird, das sich aus der Preiserhöhung ergibt.

Schauen wir das EnBW-Schreiben an:

  • Betreffzeile, fettgedruckt: „Ihr Strompreis ändert sich.“ Präziser wäre: „Ihr Strompreis erhöht sich.“
    Einordnung: etwas schamhaft; aber vertretbar.
  • Es folgt ein sechszeiliger erster Absatz, der erklärt, warum das Unternehmen die Strompreise „anpassen“ müsse (siehe Wortlautzitat unter Frage 4). Im zweiten Absatz heißt es dann fettgedruckt: „Konkret bedeutet das für Sie“ ... und wieder in magerer Schrift: „Ab 1. Oktober 2022 erhöht sich Ihr Verbrauchspreis um 10,02 Cent/kWh brutto“.
    Einordnung: gut!
  • Auf der zweiten Seite wird der alte Preis, „gültig bis 30.09.2022“, dem neuen, „ab 01.10.2022“, gegenübergestellt; wobei die Zeile mit dem neuen Preis hellblau unterlegt, unterstrichen und teilweise gefettet ist.
    Einordnung: vorbildlich!
  • Auf das Sonderkündigungsrecht wird hingewiesen, wenngleich erst auf Seite 2 und obendrein etwas verschwurbelt: „Bei Preisänderungen könnten Sie Ihren aktuellen Stromvertrag ohne Einhaltung einer Frist in Textform kündigen – bis zum Wirksamwerden der neuen Preise.“
    Einordnung: nun ja, so lala.

Was Grundversorger sind und was die anderen im Rems-Murr-Kreis vorhaben 

Grundversorger sind sozusagen die Platzhirsche, die in einem bestimmten Gebiet die Mehrheit der Menschen betreuen und auch einspringen, wenn jemand plötzlich ohne Strom dasteht, weil zum Beispiel ein anderer Versorger pleitegegangen ist. Grundversorger im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung sind

  • die EnBW in Alfdorf, Kaisersbach, Welzheim, Kernen, Remshalden, Urbach, Winterbach, Weinstadt,
  • die Süwag in Winnenden, Berglen, Korb, Leutenbach,
  • die örtlichen Stadtwerke in Schorndorf und Waiblingen.

Ob und wann auch die anderen Grundversorger im Rems-Murr-Kreis Preiserhöhungen planen, lesen Sie hier.

Ab dem 1. Oktober wird für viele der Strom teurer: Am Samstag hat die EnBW an ihre Bestandskunden im Rems-Murr-Kreis die unerfreuliche Nachricht versandt ... Dürfen die das überhaupt? Und ist die Benachrichtigung in dieser Form okay? Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen.

1. Darf die EnBW den Strompreis erhöhen?

Ein Grundversorger (mehr zu diesem Begriff siehe unten) darf das – wenn bestimmte Kostenfaktoren, auf die er keinen Einfluss hat, ansteigen. So will

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