Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Hans-Joachim Bek ist der Schutzpatron der wilden Tiere

Hans-Joachim Bek
Hans-Joachim Bek mit Wildtier-Kamera. © Gabriel Habermann

Die meisten Anrufe gibt es wegen des Waschbären, aber manche auch wegen eines Wolfs – der sich als Hund entpuppt: Hans-Joachim Bek weiß ziemlich genau, was sich in unseren Wäldern so herumtreibt. Der Wildtierbeauftragte im Porträt.

Dem baden-württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz zufolge muss eigentlich jeder Landkreis einen Wildtierbeauftragten einstellen. Immerhin trauen sich die Waldbewohner immer öfter in menschliche Siedlungen. Städte denken schon daran, sogenannte Stadtjäger zu beschäftigen. Hans-Joachim Bek, nicht mehr Forstbeamter im Landratsamt Waiblingen, sondern mittlerweile im Staatswald unterwegs, macht seinen Job als Wildtierbeauftragter des Rems-Murr-Kreises schon immer nebenher für eine geringe Aufwandsentschädigung. Mit einem Riesenbackground als studierter Förster und als einer, der 1600 Hektar Staatswald zu bejagen hat.

„Ich verstehe mich als Netzwerker“, beschreibt Bek, wie bei ihm die Fäden aus der Wildtierforschung, der Wildtierbeobachtung und dem Wildtierschutz zusammenlaufen. Wobei die Betonung auf Schutz liegt in Zeiten, wo Menschen immer mehr die etwa 35 000 Hektar große Waldfläche im Rems-Murr-Kreis bevölkern. Als Jogger, als Mountainbiker, als Spaziergänger, in Wandergruppen und neuerdings auch beim sogenannten Waldbaden.

Die meisten Anrufe gibt es wegen Waschbären

Wie arbeitet der ehrenamtliche Wildtierbeauftragte, dessen ganzheitliche Aufgabe ihn zu einer Art modernem Schutzpatron der wilden Tiere in den heimischen Wäldern macht? Meldungen von Leuten entgegennehmen, die oft nur glauben, eine Wildkatze oder gar einen Wolf gesehen zu haben und diese mit der verwilderten Hauskatze oder einem Hund verwechselt haben? „Für die meisten ist das Reh immer noch die Frau vom Hirsch“, schmunzelt Hans-Joachim Bek, der bei Waldbegehungen mit Schulklassen bis zur gymnasialen Oberstufe auch waldpädagogisch tätig ist.

Wolf, Luchs, Fuchs, Marder, Wildkatze und ...? „Wegen der Waschbären rufen momentan die meisten Leute an“, berichtet Förster Bek. Muss er fürchten, dass eines der auch im Erwachsenenalter noch so niedlich aussehenden Tiere den Waschbärspulwurm übertragen könnte, wird die Kastenfalle aufgestellt. Und wenn die Winnender Landfrauen nicht wollten, dass Füchse mit Fuchsbandwurm in den Ort kommen, hält der Experte ihnen einen Vortrag.

Wenn Bek alle zwei Jahre seinen Wildtierbericht schreiben muss, hat er jede Menge Daten gesammelt – aus dem Fotofallenmonitoring, wo er im Schwarzwald-Baar-Kreis auch schon einen Goldschakal dabeihatte, oder aber auch aus der nächtlichen Feldhasenzählung mit Scheinwerfern.

24 Stunden in Bereitschaft

Der Mann, der dem Rems-Murr-Kreis seinen ganzen beruflichen Background und seine Verbindungen zur Verfügung stellt, arbeitet in Sachen Waldwissen eng mit der Wildforschungsstelle im oberschwäbischen Aulendorf und mit der forstlichen Versuchsanstalt Freiburg zusammen.

Hans-Joachim Bek hat 24 Stunden Bereitschaft und fährt – weil er im Rems-Murr-Kreis wohnt – vor Ort, wenn ein totes Schaf angefressen in Kaisersbach liegt, damit die Freiburger nicht in ganz Baden-Württemberg herumreisen müssen. „Ich mache Fotos und veranlasse das Notwendige“, schildert der Experte mit der Aufschrift „Forstverwaltung“ auf dem Försterkittel, wie er die Verletzungen des toten Tieres analysiert und überprüft, ob der Hungrige ein Wolf gewesen sein könnte oder vielleicht auch doch nur ein hundsgemeiner Haushund. Manche verendeten Tiere bringt er auch zum chemischen Veterinäramt nach Fellbach und lässt sie obduzieren.

Tausende von Bildern kommen aus den Wildkameras in den Wäldern heraus, wenn der Wildtierbeauftragte die Speicherkarten erneuert und vor den Kameras hängende Äste entfernt. Außer den üblichen Verdächtigen ist rund um Waiblingen allerdings meist nichts Spektakuläres drauf auf den Bildern. Trotz des Warnhinweises „Achtung Fotofalle“ aufs Bild geratene Personen werden wegen des Datenschutzes übrigens sofort gelöscht.

Gerüchte um den Wolf – und was dahintersteckte

Bei Hans-Joachim Bek klingelt mitten im Wald mal wieder das Telefon. Eine Frau meint, eine Wildkatze gesehen zu haben, die von einer verwilderten Hauskatze, was sie dann auch war, nur mit genetischem Nachweis unterschieden werden kann. Ein anderer Anrufer wähnte gar einen Wolf im Visier, der sich als entlaufener Husky herausgestellt hat. Der vermeintliche Wolfsangriff auf dem Sörenberg auf Zeltende (wir berichteten) kam von einer Füchsin, die – wie der Wildhüter hinterher herausfand – Angst um ihre Jungen hatte. Wölfe aus eingewanderten polnischen und italienischen Flachlandpopulationen sieht Bek aktuell im Rems-Murr-Kreis keine.

Die meisten Anrufe gibt es wegen des Waschbären, aber manche auch wegen eines Wolfs – der sich als Hund entpuppt: Hans-Joachim Bek weiß ziemlich genau, was sich in unseren Wäldern so herumtreibt. Der Wildtierbeauftragte im Porträt.

Dem baden-württembergischen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz zufolge muss eigentlich jeder Landkreis einen Wildtierbeauftragten einstellen. Immerhin trauen sich die Waldbewohner immer öfter in menschliche Siedlungen. Städte denken schon daran, sogenannte

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