Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Wie steht's um Kröten, Frösche, Molch und Lurch?

Erdkröte
Erdkröten machen sich, sobald es warm wird, auf den Weg zu den Laichplätzen. Die Tiere, für deren wunderschöne Augen Jochen Schäufele vom Umweltschutzamt eine besondere Vorliebe hat, müssen geschützt werden. © ekamelev/pixabay

Aktuell müssen sich Autofahrer mal wieder bremsen. Denn sehr viel kleinere Lebewesen wollen sich, wenn die Sonnenstrahlen zu wärmen beginnen, auch auf ihren Weg machen. Es sind die Erdkröten und die Grasfrösche. Zu ihrem Schutz wird viel getan. Doch es gibt noch sehr viel mehr Amphibien im Kreis. Sind sie auch in Gefahr?

Drastischer Rückgang: Erdkröten und Grasfrösche in Gefahr

Den Erdkröten und den Grasfröschen im Rems-Murr-Kreis geht’s gut – wenn man das so sagen kann in einer Gegend, in der die Straßen wie ein dichtes Netz in der Landschaft liegen und die Natur fast überall dem Menschen weichen muss. Doch es gibt in den Kommunen sehr viele engagierte Menschen, die jetzt, in der Wanderzeit dieser Tiere, an Straßenrändern und Krötenzäunen Stunden investieren. Diese Arbeit ist unbezahlbar. Und sie wird weiterentwickelt: Im November sollen sich Vertreter aller Gruppen wieder am Runden Tisch des Landratsamts treffen. Denn, sagt Jochen Schäufele, Leiter des Umweltschutzamts, idealerweise arbeiten die Gruppen nicht alleine für sich, sondern tauschen sich aus. Dann könne ein Bild der Erdkröten- und Grasfrosch-Gesamtlage im Rems-Murr-Kreis entstehen. Und dann könne die Frage, wie es mit den Lebensräumen und Laichgewässern dieser Tiere aussieht, viel besser und weiträumiger beantwortet werden.

Doch obwohl sich so viele Menschen um das Überleben der Erdkröten und Grasfrösche kümmern und sie noch immer als die häufigsten zwei Amphibienarten im Rems-Murr-Kreis gelten, sorgt sich Jochen Schäufele um deren Überleben. In den letzten 50 Jahren sei der Bestand beider Arten deutschlandweit um insgesamt 90 Prozent zurückgegangen, sagt der Fachmann. Das ist auch im Rems-Murr-Kreis nicht zu übersehen. Das Konfliktfeld Straße wird, so gut es geht, befriedet – warum die Tiere dennoch immer weniger werden, weiß er nicht. Vielleicht, meint Schäufele, seien es die Hitzesommer, in denen die Laichgewässer zu früh austrocknen. Vielleicht litten die Tiere infolge der Hitzesommer auch an Nahrungsmangel. Sicher spiele auch die Landschaft eine Rolle, die eben nicht mehr natürlich ist und den Bedürfnissen der Tiere längst nicht mehr entspricht.

Aspach freut sich: Die Wiederkehr des Springfroschs

Doch Jochen Schäufele hat auch eine gute Nachricht: Der im Rems-Murr-Kreis einst sehr seltene Springfrosch hat in der Aspacher Gegend eine erfreuliche Population entwickelt. Der hübsche Kerl mit der spitzen Schnute und den gestreiften Beinen ist in Deutschland recht selten. Er lebt in lichten Laubwäldern und wünscht Waldtümpel als Laichgewässer. Von Autos auf Straßen ist er daher eher nicht bedroht. Doch der Lebensraum fehlt ihm hier. Der Nabu Aspach aber pflegt fünf Teiche und freute sich über eine schöne Anzahl von Laichballen und rufenden Männchen.

Goldfisch im natürlichen Tümpel: Gut gemeint, schlecht gemacht

Haben Erdkröten die Straßenüberquerungen heil hinter sich gebracht und ihr Laichgewässer gefunden, ist die erfolgreiche Vermehrung der Art relativ sicher. Denn Erdkrötenkaulquappen werden nicht von Fischen gefressen. Das heißt, dass die Tiere auch an Teiche gehen können, in denen noch andere Lebewesen schwimmen. Andere Amphibien jedoch haben, sobald ihnen ein Fisch in die Quere kommt, ihre liebe Not und meistens keine Chance. Denn die Fische finden den Nachwuchs lecker. Der Spring- und der Grasfrosch sind betroffen. Und auch die verschiedenen Molche. Bergmolch, Teichmolch und Kammmolch gibt’s im Kreis, auch der Fadenmolch steht in der Amphibienliste des Landratsamts noch drin – allerdings mit dem Vermerk „selten“. Die Kartierung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg LUBW weist aber doch einige Flächen aus, wo die Tiere gesehen wurden: entlang der gesamten Rems, bei Murrhardt und sogar zwischen Winnenden und Schwaikheim.

Die Tiere sollen dem Rems-Murr-Kreis nicht verloren gehen. Und daher wird Jochen Schäufele hörbar sauer, wenn er von Leuten erzählt, die meinen, dass sie die Natur bereichern würden, wenn sie in versteckten, scheinbar leeren Tümpeln ihre Goldfische in die Freiheit entlassen. Damit werde das Gewässer für die Molche und Frösche „wertlos“.

Wobei, betont Jochen Schäufele, grundsätzlich festgehalten werden muss, dass das „Vorkommen“ nichts über die Bestandszahl aussagt. Für die Bestandszahlen, so Schäufele, gilt bei allen Arten und über den gesamten Rems-Murr-Kreis hinweg: Sie werden kleiner. Und die Vitalität der Bestände scheine zunehmend zu sinken.

Engagement rettet: Gelbbauchunke und Wechselkröte

Die Gelbbauchunke haben viele Menschen im Rems-Murr-Kreis vermutlich noch nie gesehen. Die Tierchen sind klein und – wenn sie im Wald in ihren Pfützen still verharren – so gut getarnt, dass sie kaum zu entdecken sind. Wer aber einen Blick auf ihren wunderbar gefärbten Bauch erhascht, kann nur hingerissen sein. Gelbbauchunken waren im Rems-Murr-Kreis rückläufig. Doch in der Backnanger Bucht gibt’s einen Förster, der sein Herz an die Kleinen verloren hat. Er sorgt für Laichgewässer im Wald. Unken brauchen kleine, aber viele Pfützen. Richtig gelesen: Pfützen. Das Wasser darf auch wieder austrocknen. Denn dann können die Unken sicher sein, dass sich keine Fressfeinde ansiedeln. Und deshalb laichen die Unken auch nicht alles an einer Stelle ab, sondern wandern und laichen so peu à peu. Im Wald in der Backnanger Bucht sind deshalb tiefe Fahrrinnen und willkürlich entlang der Wege verteilte Grabelöcher sehr beliebt. Das kommt den Unken sehr zugute.

Die Wechselkröte gilt im Rems-Murr-Kreis als selten und dazu noch als rückläufig. Sie hat sehr besondere Anforderungen an ihr Habitat: Wechselkröten, sagt Jochen Schäufele, kommen im Rems-Murr-Kreis in den Steinbrüchen vor. Denn die Tiere lieben es heiß und trocken, wollen aber fürs Laichen dennoch Wasser haben. In Winnenden und bei Backnang finden sich die richtigen Lebensbedingungen. Da gibt’s Steinbrüche. Und in Kernen hat man passende Gewässer und einen großen Steinhaufen angelegt, damit das Tier sich wohlfühlt.

Schön wie aus dem Bilderbuch und auch nur noch dort zu finden: Der Laubfrosch

Im Jahr 2018 war’s, als der Alfdorfer Albverein an einem Biotop in der Nähe der Buchengehrener Sägmühle ein zugewachsenes und fast trockengelegtes Biotop wieder amphibientauglich machte. Hier hoffte man auf Grasfrosch und Erdkröte, auf Bergmolch, Teichmolch und den selten gewordenen Kammmolch und tatsächlich auch auf den Laubfrosch. Zumindest auf den Laubfrosch wird man auch dort wahrscheinlich vergebens warten. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass er im Rems-Murr-Kreis noch heimisch ist. Jochen Schäufele bestätigt’s traurig. Die Kartierung der LUBW zeigt zumindest bei Backnang eine Räumlichkeit an, wo der grüne Kletterprofi gesehen worden sein soll. Ob’s der letzte Überlebende ist? Oder ob’s mehrere gibt? Keiner weiß es.

Aktuell müssen sich Autofahrer mal wieder bremsen. Denn sehr viel kleinere Lebewesen wollen sich, wenn die Sonnenstrahlen zu wärmen beginnen, auch auf ihren Weg machen. Es sind die Erdkröten und die Grasfrösche. Zu ihrem Schutz wird viel getan. Doch es gibt noch sehr viel mehr Amphibien im Kreis. Sind sie auch in Gefahr?

Drastischer Rückgang: Erdkröten und Grasfrösche in Gefahr

Den Erdkröten und den Grasfröschen im Rems-Murr-Kreis geht’s gut – wenn man das so sagen kann in

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