Rems-Murr-Kreis

Rems-Murr-Kreis: Wirtschaft in der Krise - wo bleibt das Geld der Regierung?

Symbolbild Wirtschaftslage
Auch Maschinenbauer sind von den Krisen – Krieg und Pandemie – betroffen. Wann kommt die Hilfe der Bundesregierung? © pixabay

Der Ukraine-Krieg trifft manche deutschen Unternehmen hart. Viele leiden, so Markus Beier von der IHK Rems-Murr, extrem unter den gestiegenen Preisen für Sprit, Strom und Gas. Dazu, so Beier, gehörten Unternehmen aus der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Bauwirtschaft, Druckereien und Verlage und das gesamte Transportgewerbe, also Taxi- und Busunternehmen oder Kurierdienste. Alles Unternehmen, die auch im Rems-Murr-Kreis ansässig sind. Was droht der hiesigen Wirtschaft?

Sicherung der Liquidität: Vermeidung von existenzbedrohenden Situationen

Die Bundesminister Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP) haben am 8. April ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung vorgestellt, das die Auswirkungen dieser Misere abmildern soll. Die Liquidität der Unternehmen soll kurzfristig gesichert werden, existenzbedrohende Situationen sollen vermieden werden. Es geht um Kredite, Bürgschaften, Kostenzuschüsse. Wie im Detail das Maßnahmenpaket aussehen solle, das, so hieß es damals, würden die beiden Ministerien jetzt abstimmen. „Zügig“.

Und wie sieht’s im Rems-Murr-Kreis aus? Wie „zügig“ sollte hier bei Unternehmen Geld ankommen? Schon kurz bevor die beiden Bundesminister ihr Maßnahmenpaket verkündeten, erlitt die Müllabfuhr im Rems-Murr-Kreis einen Dieselpreis-Schock und die Abfallwirtschaft Rems-Murr AWRM sah sich mit Forderungen ihrer Dienstleister konfrontiert, die mehr Geld wollten. Die AWRM lehnte Preiserhöhungen zwar ab, doch Unterstützung wurde beschlossen: Drei Monate lang soll’s jeweils insgesamt 35.000 Euro geben. Die allerdings müssen irgendwann zurückgezahlt werden.

Dass sich die seit Kriegsbeginn exorbitant gestiegenen Preise bei Kraftstoffen stark auf die Wirtschaft auswirken, zeigt wohl auch der Fakt, dass die AWRM Ende 2023 auslaufende Verträge nicht neu ausschreibt. Die Firmen Kurz Entsorgung aus Ludwigsburg und Schäf Städtereinigung aus Murrhardt, deren Laster für die AWRM Rest- und Biomüll, Sperrmüll sowie Elektroaltgeräte, Altmetall und Grünabfälle abholen, bekommen Vertragsverlängerungen bis Ende 2026. Denn bei Neuverträgen, so die Befürchtung, seien deutlich höhere Kosten zu erwarten.

Auch die Busunternehmen leiden. „Die Spritpreisentwicklung belastet uns derzeit enorm“, sagte Ralf Steinmetz, Geschäftsführer Regionalverkehr bei Fischle. Und das sagte er schon Ende März. Verfuhr man auf den Linien in und um Schorndorf bislang Diesel für rund 40.000 Euro im Monat, seien es inzwischen 70.000 Euro.

Das Maßnahmenpaket: „Relativ umfangreich“, doch wann kommt es?

Inzwischen ist der Mai gekommen. Markus Beier von der IHK ordnet das Maßnahmenpaket zwar als positiv ein: Es sei „schon relativ umfangreich“ und gehe in die richtige Richtung. Doch kommt es noch „zügig“? „Derzeit liegen uns keine Informationen vor, wann die Maßnahmen im Einzelnen umgesetzt werden“, erklärt Beier. Ende April sei zwar zum Beispiel der Wegfall der EEG-Umlage ab 1. Juli beschlossen worden. Anfang Juni sollen auch durch den Wegfall von Steuern die Spritpreise sinken. Diese Entlastungen seien zwar auf Bürgerinnen und Bürger hin ausgerichtet, würden aber teilweise natürlich auch den Unternehmen helfen. Aber: „Wann die weiteren Schritte in Richtung Entlastungspaket für Unternehmen umgesetzt werden, entzieht sich leider unserer Kenntnis“.

Dabei sei die Sicherung der Liquidität in den Unternehmen ein großes Ziel der Hilfen, sagt Beier. Denn bei vielen Betrieben kämen die Folgen der Corona-Pandemie und jetzt der Krieg zusammen – das finanzielle Polster sei sehr dünn.

Kunden über die ganze Welt verstreut – die Probleme können abgefangen werden

Die Maschinenbauer im Rems-Murr-Kreis halten sich – auf das Thema Entlastungsmaßnahmen hin angesprochen – sehr bedeckt. Nur Axel Hutt, einer der Geschäftsführer bei der Rudi Hutt Maschinenbau GmbH & Co. KG in Winterbach, ist bereit, die Situation seines Unternehmens in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Situation in der Welt und in Europa einzuordnen.

Er, sagt Axel Hutt, plane nicht, die Hilfen der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen – zumindest bislang.

Bei Rudi Hutt Maschinenbau produziert man Maschinen, von denen der Endverbraucher gar nichts mitbekommt, die aber dafür sorgen, dass bei anderen Firmen am Ende ein hochwertiges, aber dennoch bezahlbares Produkt auf dem Tisch liegt. „Montageanlagen“, sagt Axel Hutt: Viele Einzelteile des Produkts, etwa eines Füllers, laufen perfekt sortiert und ausgerichtet in die Maschine rein, werden dort zusammengeführt, -gesteckt, -geschraubt, und jede Sekunde spuckt’s am Ende einen fertigen Füller aus.

Noch kann die Rudi Hutt GmbH die aktuellen Probleme abfangen

Das Familienunternehmen, sagt Axel Hutt, fange die aktuellen Probleme noch ab. Das ist möglich, weil die Kunden des Maschinenbauers über die ganze Welt verteilt sind. Man sei bislang nur in ganz geringem Ausmaß in Russland und der Ukraine tätig gewesen. Mit China werde der Geschäftskontakt zwar gerade deutlich ruhiger, dafür aber ziehe das USA-Geschäft wieder an.

Das Problem mit China allerdings liegt vor allem am Coronavirus. Wollte er, sagt Axel Hutt, Mitarbeiter nach China schicken, müssen diese dort erst mal zwei bis drei Wochen in Quarantäne. Das geht nicht.

Auch bei der Rudi Hutt Maschinenbau GmbH zeigt sich: Die Wirtschaftswelt ist längst von zwei Krisen betroffen. Die Pandemie und der Krieg machen das Arbeiten schwierig, ob jetzt der eine oder der andere Grund schuld am Problem ist, lässt sich kaum auseinanderdividieren. „Wir haben Aufträge“, sagt Axel Hutt. Doch um diese Aufträge erfüllen zu können, braucht auch sein Unternehmen Teile von Zulieferern. Und hier knirscht’s. Elektroteile, Steuerungen, alles Elektronische habe lange Lieferzeiten. Das sei, sagt Axel Hutt, „extrem“. Und da könne auch die Bundesregierung mit ihrem Maßnahmenpaket nicht wirklich helfen.

Unternehmen machen sich energieautark – etwa mit Fotovoltaik auf dem Dach

Freilich, auch die immer weiter steigenden Energiekosten seien ein Faktor. Doch in den Arbeitsprozessen sei Rudi Hutt Maschinenbau zum Glück nicht abhängig vom Gas. Und um noch mehr eigenen Strom zu produzieren, soll die Fotovoltaikanlage auf dem Dach erweitert werden.

„Wir kommen noch durch“, sagt Axel Hutt. Doch wer weiß, wie sich der Krieg noch auswirkt? Man habe sich nicht vorstellen können, dass das hier in Europa noch passiert. Jeder habe aktuell eine schwere Zeit. Und Geld sei nicht alles. Er merke vor allem auch, dass die Krisen sich psychisch auf die Menschen auswirken. Die Leute seien erschöpft.

Sollte doch wenigstens die finanzielle Entlastung schnell und problemlos anlaufen. Dann wären die Unternehmen immerhin eine Sorge los.

Der Ukraine-Krieg trifft manche deutschen Unternehmen hart. Viele leiden, so Markus Beier von der IHK Rems-Murr, extrem unter den gestiegenen Preisen für Sprit, Strom und Gas. Dazu, so Beier, gehörten Unternehmen aus der Metallverarbeitung, dem Maschinenbau, der Bauwirtschaft, Druckereien und Verlage und das gesamte Transportgewerbe, also Taxi- und Busunternehmen oder Kurierdienste. Alles Unternehmen, die auch im Rems-Murr-Kreis ansässig sind. Was droht der hiesigen

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